mini|Nicola D’Asnasch: Doppelporträt von Frederick Mason Perkins und Irene Perkins (1922). Museo del Tesoro della Basilica di San Francesco, Assisi Frederick Mason Perkins (* 1874 in Plymouth, Massachusetts; † 12. Oktober 1955 in Assisi) war ein US-amerikanischer Kunsthistoriker, Kunstkritiker, Kunstsammler und Kunsthändler. Er gilt als einer der bedeutendsten Kenner der sienesischen Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wirkte als Berater mehrerer bedeutender amerikanischer Kunstsammler.

Leben

Frederick Mason Perkins wurde 1874 in Plymouth (Massachusetts) geboren. Seine Eltern, Amerikaner englischer Herkunft, wirkten als protestantische Missionare in China, wo er aufwuchs; die schulische Erziehung erhielt er, obwohl die Familie protestantisch war, bei Jesuiten. Perkins erhielt in jungen Jahren Klavierunterricht bei Theodor Leschetizky in Wien und setzte seine musikalische Ausbildung anschließend in Deutschland fort. In den 1890er Jahren übersiedelte Perkins nach Italien. Dort verkehrte er im anglo-amerikanischen Kreis von in Italien lebenden Kunsthistorikern und Sammlern, zu dem unter anderem Robert Langton Douglas, Robert Hobart Cust, Edward Hutton, der Historiker William Heywood, Charles Fairfax Murray und Herbert Horne zählten. 1898 lernte er Bernard Berenson kennen und wurde einer von dessen ersten Schülern. Perkins erwarb die Villa Sassoforte bei Lastra a Signa in der Nähe von Florenz und richtete dort eine Sammlung frühitalienischer Gemälde ein. mini|Lorenzo Monaco: Madonna dell’Umiltà (Madonna der Demut) mit dem Jesuskind und Engeln, 14./15. Jahrhundert, Museo del Tesoro della Basilica di San Francesco, Assisi (Ex-Perkins Sammlung) Im Jahr 1900 heiratete Frederick Perkins die Kunsthistorikerin Lucy Olcott (1877–1922), Autorin des Buches Guide to Siena, zu dem Perkins die kunsthistorischen Anmerkungen beisteuerte. Die Ehe wurde später geschieden. In zweiter Ehe heiratete Perkins die Britin Irene Vavasour Elder; diese Verbindung bestand bis zu seinem Tod. Frederick Perkins bereiste die Toskana und Umbrien ausgiebig und entwickelte sich zu einem anerkannten Kenner der sienesischen Malerei. Er identifizierte wiederholt Werke alter Meister in abgelegenen Kirchen und veröffentlichte seine Ergebnisse in Fachzeitschriften wie der Rassegna d'Arte (gegründet 1901), La Diana, L'Arte und dem Burlington Magazine.

Er wirkte zudem als Kunsthändler und -berater und war für den Auf- und Ausbau mehrerer bedeutender amerikanischer Privatsammlungen früher italienischer Malerei (Primitive) mitverantwortlich, darunter jene von Dan Fellows Platt, George Blumenthal, Helen Clay Frick, Simon Guggenheim sowie Philip und Robert Lehman. Für Bernard Berenson übernahm er zeitweise die Erstverhandlungen mit italienischen Kunsthändlern im Auftrag von dessen amerikanischen Klienten.

1928 konvertierte Frederick Perkins zur römisch-katholischen Kirche und nahm den zusätzlichen Namen Francis an. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Perkins und seine Ehefrau in Perugia interniert. Die in Assisi befindlichen Kunstwerke seiner Sammlung wurden beschlagnahmt und ihm erst nach dem Ende der deutschen Besetzung von Assisi im Oktober 1944 zurückgegeben. Nach Kriegsende, spätestens 1947, verlegte Perkins seinen Wohnsitz endgültig nach Assisi und nahm seine Sammlung dorthin mit. Frederick Mason Perkins starb am 12. Oktober 1955 in Assisi und wurde auf dem dortigen Camposanto beigesetzt. Er behielt zeitlebens die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Sammlung

Perkins baute in seinen Wohnsitzen in Florenz (Lastra a Signa/Sassoforte) und Assisi (Piazza del Vescovado) eine der bedeutenden Privatsammlungen italienischer Kunst des 14. und 15. Jahrhunderts auf. Zu den ihr zugeschriebenen Werken zählten Arbeiten, die Duccio di Buoninsegna, Pietro Lorenzetti, Lorenzo Monaco, Jacopo della Quercia, Gentile da Fabriano, Sassetta, Sano di Pietro und Filippo Lippi zugeschrieben wurden.

Testamentarisch vermachte Perkins 57 Werke seiner Sammlung dem Franziskanerkonvent an der Basilika San Francesco in Assisi; sie sind seither im dortigen Museo del Tesoro (Schatzmuseum) zu sehen. Weitere Werke aus seinem Besitz gelangten in die Galleria Nazionale dell'Umbria sowie in den Besitz der Diözese Assisi. Im Jahr 2004 ordnete Bischof Sergio Goretti die Zuweisung von 33 an die Diözese vermachten Werken – darunter Gemälde, eine Holzstatue und einige Zeichnungen – an das Museo diocesano e cripta di San Rufino an.

Werk

Giotto. George Bell and Sons, London 1902. Andrea Vanni. In: The Burlington Magazine for Connoisseurs, Bd. 2, 1903, S. 309–311. The Sienese Exhibition of Ancient Art. In: The Burlington Magazine, Bd. 5, 1904, S. 583. Ancora dei dipinti sconosciuti della scuola senese. In: Rassegna d’Arte Senese, Bd. 4, 1908, S. 8. Su certe pitture sconosciute di Naddo Ceccarelli. In: Rassegna d’Arte Senese, Bd. 5, 1909, S. 5–14. Some Sienese Paintings in American Collections. In: Art in America, Bd. 8, 1920, S. 272–292. Pitture senesi poco conosciute. In: La Diana, Bd. 5–8, 1930–1933. Pittori senesi. 1934.

Literatur

Ernest Samuels: Bernard Berenson: The Making of a Connoisseur. Belknap Press, Cambridge (Massachusetts) 1979, S. 311. Edward Hutton: F. Mason Perkins. In: The Burlington Magazine, Bd. 97, Nr. 633, 1955, S. 391–392. Federico Zeri: La collezione Federico Mason Perkins. U. Allemandi & C., Turin 1988. Pasquale Magro: Museo del Tesoro, Collezione F. M. Perkins, Basilica di San Francesco in Assisi. Origine e sviluppo, itinerario artistico. Assisi 2002. Fausto Nicolai: More than an expatriate scholar: Frederick Mason Perkins as art adviser, agent and intermediary for American collectors of the twentieth century. In: Journal of the History of Collections, Bd. 28, Nr. 2, 2016, S. 311–325. Fausto Nicolai: ‘Primitives’ in America: Frederick Mason Perkins and the Early Renaissance Italian paintings in the Lehman and Blumenthal collections. In: Journal of the History of Collections, Bd. 31, Nr. 1, 2019, S. 131–150.

Weblinks

The Frick Collection Villa I Tatti, The Harvard University Center for Italian Renaissance Studies

Einzelnachweise

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