mini|Heklina am 18. Februar 2012 in der DNA Lounge in San Francisco Steven Thor Grygelko (* 17. Juni 1967 in Hennepin County, Minnesota; † 3. April 2023 in London, England) war ein US-amerikanischer Schauspieler isländisch-polnischer Abstammung. Er wurde als Drag- bzw. Travestiekünstler und Autor unter dem Namen Heklina bekannt und setzte sich als Aktivist für LGBT-Rechte ein. Wenige Quellen nennen als Geburtsjahr auch das Jahr 1968.
Leben Grygelkos Vater, ein Angehöriger der United States Navy mit Native‑American‑ und polnischen Wurzeln, lernte Stevens Mutter in Island bei einem Tanzabend kennen, während er auf der Insel stationiert war. Trotz des Widerstands der isländischen Großeltern heirateten beide und zogen in die Vereinigten Staaten, wo zunächst eine Tochter geboren wurde. Steven wurde später in Hennepin in der Nähe von Minneapolis geboren.
In den 1980er‑Jahren lebte die Familie mehrere Jahre auf Island: eine prägende Zeit, in der Steven den Künstlernamen „Heklina“ entwickelte – inspiriert vom Vulkan Hekla. Sie zogen regelmäßig um. Seine Eltern kämpften beide mit Alkoholismus und ließen sich schließlich scheiden. Er erinnerte sich in einem Interview an ein Familienessen, bei dem ihm bewusst wurde, „dass er das einzige Mitglied seiner unmittelbaren Familie war, das noch nie im Gefängnis gewesen war.“ Als junger Erwachsener kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und trat mit 18 Jahren – wie sein Vater – der United States Navy bei, um von zu Hause wegzukommen, wurde jedoch während seiner Stationierung in San Diego wegen eines positiven Drogentests unehrenhaft entlassen.
Mit 20 Jahren begab er sich in Island in eine Rehabilitationsmaßnahme und blieb weitere vier Jahre auf der Insel, bevor er in San Francisco seine Karriere auf der Bühne begann. Parallel kämpfte er jedoch sein gesamtes Erwachsenenleben mit Substanzabhängigkeit und lebte zudem viele Jahre mit HIV. Im Jahr 2020 zog er aus San Francisco weg und kaufte ein Haus nahe Palm Springs, nur wenige Häuser von seiner Freundin Nancy entfernt. Beide planten, dort gemeinsam alt zu werden.
Am 3. April 2023 fand Joshua Grannell („Peaches Christ“) Grygelko in der gemeinsam angemieteten Wohnung im Londoner Stadtteil Soho tot auf, von der beide für ihre Show Mommie Queerest probten. Er wurde in Dragkostümierung und in einer ungewöhnlichen knienden Position aufgefunden, die später als „sehr kompromittierend“ beschrieben wurde. Die Polizei wurde um 9:47 Uhr gerufen und Grygelko später für tot erklärt. Eine toxikologische Untersuchung ergab Gamma‑Hydroxy-Buttersäure (GHB) und Methamphetamin in potenziell tödlichen Konzentrationen im Blut.
Sowohl Christ als auch Grygelkos nächste Angehörige, Nancy French, kritisierten die Ermittlungen des Metropolitan Police Service als schlecht geführt und von homophoben Vorurteilen beeinflusst. Im Januar 2025 entschuldigte sich die Polizei für die schleppenden Ermittlungen und neu veröffentlichte Aufnahmen einer Videoüberwachungsquelle zeigten drei Männer, wie diese in der Todesnacht das Apartment verlassen. Die Umstände deuteten laut dem Guardian auf ein einvernehmliches anonymes Sextreffen hin, bei dem Chemsex praktiziert wurde; offiziell wurde dies jedoch – mit Ausnahme der Überdosis als mögliche Todesursache – nie bestätigt.
Grygelko war von 1992 bis zu seinem Tod im Jahr 2023 auf der Bühne aktiv, er wurde 55 Jahre alt.
Karriere Grygelkos erster Auftritt fand 1992 beim „Miss Uranus Pageant“ statt. Da er einen Künstlernamen brauchte, verwendete er „Heklina“, den er sich bereits in Island zugelegt hatte. Obwohl er den Wettbewerb nicht gewann, tauchte er in die Drag‑Szene San Franciscos ein. 1996 arbeitete er in der Schwulenbar „The Stud“ im Stadtteil South of Market (SoMa), südlich der Market Street. Er bekam die Möglichkeit, den schwachen Dienstagabend mit einer eigenen Veranstaltung zu füllen; daraus entstand Trannyshack, eine wöchentliche Mitternachts‑Drag‑Show, die sich rasch zu einem kulturellen Höhepunkt der Szene entwickelte.
Über zwölf Jahre wurde Trannyshack zu einer Institution, mit Ablegern in Los Angeles, Seattle, Portland, New Orleans, Honolulu und zuletzt in London. Prominente wie Sofia Coppola, Gwen Stefani, Pink und Lady Gaga hatten dort Auftritte; Letztere trat dort kurz vor ihrem Durchbruch auf und blieb die ganze Nacht zum Tanzen. Ana Matronic von den Scissor Sisters war dort über drei Jahre fast wöchentlich zu sehen: das Lied Filthy/Gorgeous aus dem Jahr 2004 ist von dieser Zeit inspiriert und Grygelkos hatte als Heklina einen kurzen Auftritt im gleichnamigen Musikvideo.
Grygelko spielte zudem in lokalen Theaterproduktionen – besonders in den „Golden-Girls“‑Parodieformaten als Dorothy Zbornak. Er moderierte zahlreiche Community‑ und Wohltätigkeitsveranstaltungen, darunter die „Folsom Street Fair“ und „San Francisco Pride“. 2004 wurde er als sein Alter Ego Heklina „Community Grand Marshal“ der San Francisco Pride und 2009 erhielt er den „Pride Creativity Award“. Grygelko blieb über Jahre eine zentrale Figur der Drag‑Kultur San Franciscos, gründete aber auch Projekte in Los Angeles.
Im Jahr 2014 wurde er Mitbetreiber des Nachtclubs „The Oasis“ – ebenfalls im SoMa‑District der Stadt. Grygelko und drei Partner hatten ihn im Oktober 2014 übernommen und an Silvester 2014 neu eröffnet. Das Programm umfasst Tour‑Drag‑Acts, Cabaret, Performance‑Künstler, Live‑Musik, DJs und mehr. Am 17. Januar 2015 wurde Trannyshack zu Mother umbenannt und von einer monatlichen zu einer wöchentlichen Reihe weiterentwickelt. Der Name Mother sollte auf mehrere Bedeutungen anspielen: das Format sollte das neue „Mutterschiff“ der Drag‑Szene in San Francisco werden, etwas Warmes und Fürsorgliches haben, und zugleich die Rolle einer „Mutter des Drag“ übernehmen, auch weil der alte Name beim jüngeren Publikum der Szene als nicht mehr zeitgemäß empfunden wurde. Grygelko produzierte und moderierte weiterhin den Drag-Wettbewerb „Miss Trannyshack Pageant“, der als bedeutendster jährlicher Wettbewerb der Stadt galt und regelmäßig ausverkauft war.
Neben seiner Arbeit auf der Bühne als Dragqueen hatte er auch Gastauftritte vor der Kamera und wirkte in der Kurzfilmreihe Tran‑ilogy of Terror mit, in Drag‑Horror‑Parodien von Joshua Grannell (Figur „Peaches Christ“) und übernahm auch im Film Baby Jane? eine Rolle. Er hatte auch wiederholt Gastauftritte in Talk- und Unterhaltungsshows.
Mit den Bühnenshows „Heklina’s Grand Opening“ und „Mommie Queerest“ ging er später auf Tournee. Mommie Queerest war dabei eine Drag‑Parodie des Films Meine liebe Rabenmutter (engl. Mommie Dearest) aus dem Jahr 1981, die er gemeinsam mit Joshua Grannell („Peaches Christ“) entwickelt und mit dem er bereits seit 27 Jahren zusammengearbeitet hatte. Sie traten unter anderem in Palm Springs und Seattle auf und reisten im April 2023 nach England, um die Show in Londons Soho Theatre und in Manchester aufzuführen.
Filmografie (Auswahl) 2001: Season of the Troll (Kurzfilm) 2002: A Nightmare on Castro Street (Kurzfilm) 2003: A Porn Star Is Born (Video) 2004: Whatever Happened to Peaches Christ? (Kurzfilm) 2009: Trauma (Fernsehserie) 2010: All About Evil 2010: Baby Jane? 2011: Creepy KOFY Movie Time (Fernsehserie) 2014: Read the Signs (Kurzfilm) 2015: Hush Up Sweet Charlotte 2016: Here Comes Helen! (Kurzfilm) 2020: Coffee N5 with Lara Schmoisman (Podcast) 2020: Shit & Champagne 2021: The Sherry Vine Variety Show (Fernsehserie) 2022: Anti-Venom for a Snake (Kurzfilm)
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