mini|Museo diocesano e cripta di San Rufino in Assisi Museo diocesano e cripta di San Rufino (Krypta 11. Jahrhundert; Museum eröffnet am 3. September 1941) ist ein Diözesanmuseum in Assisi in der italienischen Region Umbrien. Es ist in der Krypta der Kathedrale San Rufino, im mittelalterlichen Kreuzgang sowie in den Untergeschossen des angrenzenden Palazzo dei Canonici untergebracht. Das Museum bewahrt archäologische Funde, Fresken, Tafel- und Leinwandbilder, liturgische Geräte und Paramente aus der Kathedrale, aus aufgelösten Pfarreien sowie aus Oratorien der Assisaner Bruderschaften.
Lage Das Museum befindet sich in der Piazza San Rufino 3 im nordöstlichen Altstadtbereich von Assisi. Zugänge bestehen zum einen im Inneren der Kathedrale San Rufino, über eine Treppe neben dem Zugang zur Kapelle des Allerheiligsten Sakraments, zum anderen über den Palazzo dei Canonici an der Piazza San Rufino.
Geschichte mini|Krypta der Kathedrale San Rufino in Assisi, 11. Jahrhundert; heute Teil des Museo diocesano e cripta di San Rufino Die Sammlung geht auf das im Jahr 1941 gegründete Kathedralmuseum (Museo della Cattedrale) zurück. Es wurde am 3. September 1941 von Bischof Giuseppe Placido Nicolini mit dem Ziel eröffnet, die bedeutendsten Kunstwerke aus der Kathedrale sowie aus einigen Oratorien der Assisiner Bruderschaften zu bewahren. Nicolini war von 1928 bis 1973 Bischof von Assisi. Der ursprüngliche Sitz war vom Kircheninneren aus zugänglich und befand sich im Erdgeschoss des Pfarrhauses. Er bestand aus vier Sälen mit angeschlossenem historischem Archiv. Das Museum war zunächst nur auf Anfrage zu besichtigen. In den 1990er-Jahren regte Bischof Sergio Goretti, der von 1981 bis 2005 Bischof von Assisi war, neben der täglichen Öffnung der bestehenden Ausstellungsräume auch den Bau eines neuen, größeren Museumssitzes an. Nach dem Heiligen Jahr 2000 und den Instandsetzungsarbeiten infolge des Erdbebens von 1997 wurden die unterirdischen Räume des Palazzo dei Canonici, der Kreuzgang und die Krypta der Kathedrale wiederhergestellt und restauriert. Das neue Museum, dessen Ausstellungsfläche sich über zwei Ebenen erstreckt, wurde am 15. April 2006 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein zusätzlicher Ausstellungsraum für liturgische Objekte, Silberarbeiten und Gemälde wurde 2014 eröffnet. Laut der Gemeinde Assisi fanden im Jahr 2018 archäologische Fundstücke aus Grabungen an der Kathedrale ihren Platz im Museum. Sie waren zuvor mehr als 17 Jahre lang in Depots der zuständigen Denkmalschutzbehörde (Soprintendenza) aufbewahrt worden.
Archäologischer Befund und Baugeschichte Im Bereich der Kathedrale und ihrer Umgebung konnten mehrere Bauphasen nachgewiesen werden. Laut dem italienischen Kulturministerium befand sich am Standort bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. eine obere Terrasse, deren südliche Front aus einer Mauer in der Bauweise Opus quadratum aus Travertin besteht. Diese Mauer ist sowohl in der Kathedrale als auch in der Krypta sichtbar. In ihrer Nähe, entlang des Glockenturms, befindet sich eine viereckige Zisterne. Im Kathedralbereich wurden zudem die Überreste einer Keramikproduktionsstätte aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. entdeckt. Die Vereinigung der Kirchlichen Museen Italiens (AMEI) und der örtliche Tourismusverband datieren die Nutzung des Areals dagegen bereits auf das 4. Jahrhundert v. Chr. im Zusammenhang mit einem der Gottheit Cupra/Bona Mater geweihten Heiligtum. Somit weichen die vorliegenden Quellen in der Datierung der frühesten Nutzungsphase voneinander ab, sodass sich aus den verfügbaren Angaben keine eindeutige, allgemein anerkannte Chronologie rekonstruieren lässt. Als die einzigen erhaltenen Teile der von Bischof Ugo veranlassten Basilika (der sogenannten „Basilica ugoniana“) gelten die Krypta, der Kreuzgang und der Glockenturm. Die Basilika diente ab 1035 als Kathedrale von Assisi.
Architektur
Krypta mini|Plautilla Nelli und Werkstatt: Heilige Katharina von Siena oder Katharina de’ Ricci, Museo Diocesano, Assisi Die Krypta von San Rufino ist ein romanischer Bau aus dem 11. Jahrhundert. Sie ist dreischiffig mit Apsis angelegt. Ihre Kreuzgewölbe ruhen auf Säulen, die durch Bogenstellungen miteinander verbunden sind. Im Gewölbe sind die Symbole der vier Evangelisten dargestellt: der Engel des Matthäus, der Löwe des Markus, der Stier des Lukas und der Adler des Johannes. Sie werden auf die Mitte des 11. Jahrhunderts datiert. In der Krypta befindet sich die Vorderseite eines römischen Sarkophags aus dem frühen 3. Jahrhundert n. Chr., der den Mythos von Selene und Endymion zeigt. In diesem Sarkophag wurde der Überlieferung nach der Leichnam des heiligen Rufinus beigesetzt. Zudem ist ein Teil einer römischen Mauer in Opus quadratum sichtbar, der unterhalb der Kathedrale freigelegt wurde. Die Krypta gilt als einer der Orte, an denen sich Franz von Assisi zum Gebet zurückzog, wenn er in der Kathedrale predigte.
Kreuzgang Der ebenfalls aus dem 11. Jahrhundert stammende Kreuzgang wird von einem Portikus mit gekuppelten Bögen und Konsolkapitellen, sogenannten Capitelli a stampella, gerahmt. In seiner Mitte befindet sich der sogenannte Pozzo della Mensa, ein Brunnen aus römischer Zeit. Er soll rund 35 Meter tief sein, was jedoch nur durch eine einzelne Quelle belegt ist. Der Kreuzgang war Bestandteil der Basilica Ugoniana.
Palazzo dei Canonici Das Museum nutzt außerdem die Untergeschosse des Palazzo dei Canonici, eines Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert an der Piazza San Rufino.
Sammlung mini|Venezianischer Nachfolger des Jacopo Avanzi: Marientod (Dormitio Virginis), um 1360–1370, Museo Diocesano, Assisi Der Museumsbestand umfasst laut Angaben des italienischen Kulturministeriums rund 300 Werke, von denen etwa hundert im Ausstellungsrundgang gezeigt werden. Der Rundgang gliedert sich in mehrere thematische Abschnitte.
Archäologische Funde und Skulptur
Zu sehen sind archäologische Funde aus der Terrassierung und benachbarten Bereichen sowie Kapitelle aus Kalkstein, die ursprünglich aus der Kathedrale stammen und in der Krypta entdeckt wurden. Sie werden dem 8. bis 12. Jahrhundert zugeordnet. Zu den römischen Zeugnissen zählt die Vorderseite eines Sarkophags aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Sie zeigt Darstellungen von schildtragenden Nikai und einer Libationsszene.
Malerei Die Sammlung umfasst abgelöste Freskoen, die dem sogenannten Meister der Santa Chiara zugeschrieben werden. Dabei handelt es sich um einen anonymen Künstler des 13. Jahrhunderts, der nach der in der gleichnamigen Basilika aufbewahrten Ikone benannt ist. Ursprünglich schmückten die Fresken einen Raum oberhalb der heutigen Kapelle der Madonna del Pianto. Dieser Raum entsprach der ehemaligen linken Apsis der Kathedrale, wurde jedoch im 16. Jahrhundert durch Umbauten nach Plänen von Galeazzo Alessi vom übrigen Kirchenraum abgetrennt. Außerdem ist das Polyptychon des heiligen Rufinus (1462) des aus Foligno stammenden Malers Niccolò di Liberatore, genannt l’Alunno, ausgestellt. Die Predella des Polyptychons zeigt Szenen aus dem Martyrium des Stadtpatrons Rufinus, die wundersame Auffindung seines Leichnams sowie die Überführung seiner sterblichen Überreste in die Stadtmauern. Im selben Raum befinden sich zwei Predellen von Dono Doni (1563) sowie liturgische Geräte und Paramente aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.
Weitere Werke stammen von Matteo da Gualdo, dessen Ädikula im Museum als bemerkenswert gilt, sowie von Dono Doni und Cesare Sermei. Im Kreuzgangbereich sind Ausstattungsstücke aus den Oratorien der Assisaner Bruderschaften sowie mehrere Prozessionsbanner (Gonfaloni) versammelt. Das älteste dieser Banner stammt aus dem Jahr 1378 und gehörte der Bruderschaft des heiligen Franziskus beziehungsweise delle Stimmate. Aus dem Oratorium der Bruderschaft von San Rufinuccio stammen Fresken mit Szenen der Passion Jesu. Sie werden den Giotto-Nachfolgern Puccio Capanna und Pace di Bartolo zugeschrieben, sind auf das Jahr 1334 datiert und orientieren sich an den Freskenzyklen der Basilika San Francesco, insbesondere an den Arbeiten Pietro Lorenzettis. Im Kreuzgangbereich befindet sich ebenfalls ein Prozessionsbanner der Bruderschaft der heiligen Katharina. Auf einer Seite ist das Martyrium der heiligen Katharina von Alexandrien dargestellt, auf der anderen die Heiligen Jakobus und Antonius Abbas. In einem im Jahr 2014 eröffneten Ausstellungsraum sind liturgische Geräte, Silberarbeiten und Gemälde ausgestellt, die dem umbrischen Maler Cesare Sermei zugeschrieben werden. Zu den dort verwahrten Objekten zählen eine silberne Reliquienbüste des heiligen Rufinus, ein Werk des Silberschmieds Paolo Spagna, sowie ein kürzlich restauriertes, großformatiges Leinwandbild Sermeis, das den heiligen Franziskus zeigt, wie er die Stadt Assisi segnet.
Orazio Riminaldis Gonfalon (1626/1627) Ein doppelseitiges Prozessionsbanner (Stendardo bzw. Gonfalone), das Orazio Riminaldi zugeschrieben wird, gehörte ursprünglich zur Confraternita di SS Giacomo e Antonio und stammte aus deren Kirche Santa Caterina in Assisi. Das Banner befindet sich heute im Museo Diocesano in Assisi. Auf der einen Seite ist das Martyrium der Katharina von Alexandrien dargestellt. Die andere Seite zeigt die Heiligen Jakobus und Antonius Abt. In einem Bericht über Riminaldis Arbeiten aus dem Jahr 1787 wird ein von ihm gemaltes Banner mit den Heiligen Jakobus und Philippus erwähnt. Das in diesem Bericht genannte Werk galt lange als verschollen. 1978 schlug der Kunsthistoriker Filippo Todini vor, das erhaltene Banner aus dem Museo Diocesano in Assisi mit diesem in der Quelle genannten Werk zu identifizieren. Die Zuschreibung an Riminaldi wird sowohl mit stilistischen Merkmalen als auch mit der dokumentierten Verbindung zwischen dem Künstler und Bischof Marcello Crescenzi begründet. Für das Banner sind Zahlungen aus den Jahren 1626 und 1627 an den ansonsten nicht näher bekannten Giovanni Battista Muzico dokumentiert. Muzico wird als möglicher Beauftragter beziehungsweise Agent Riminaldis angesehen. Daraus wurde geschlossen, dass das Banner möglicherweise während Riminaldis Aufenthalt in Rom entstand.
Perkins-Zimmer Ein eigener Abschnitt der Sammlung geht auf eine Schenkung des US-amerikanischen Kunsthistorikers Frederick Mason Perkins an die Diözese Assisi zurück. Perkins lebte viele Jahre in Assisi, wo er 1955 auch starb. Der ihm gewidmete Ausstellungsraum zeigt 32 Werke italienischer Künstler, darunter eine dem Umkreis des Francesco di Giorgio Martini zugeschriebene Madonna, eine Holzskulptur, die von einem Teil der Forschung mit Jacopo della Quercia in Verbindung gebracht wird, sowie eine dem Trecento-Maler Jacopo Avanzi zugeschriebene Dormitio Virginis. Letztere wurde am 3. Juli 1944 von deutschen Truppen aus der Villa di Sassoforte in Lastra a Signaentwendet. Die Carabinieri des Kommandos zum Schutz des Kulturguts (Comando Carabinieri Tutela Patrimonio Culturale) in Monza stellten das Gemälde sicher und gaben es im Jahr 2015 an die Sammlung zurück.
Literatur
Erminia Giacomini Miari, Paola Mariani: Musei religiosi in Italia, Milano, Electa, 2005, S. 328–329. Gabriele Crepaldi: Guida ai Musei, Milano, Mondadori, 2007, S. 227–228. Rete Museale Ecclesiastica Umbra (Hrsg.): Musei Ecclesiastici dell’Umbria. Oasi d’arte, Città di Castello, 2011, S. 4–5. Federico Zeri: La collezione Federico Mason Perkins, Torino, U. Allemandi & C., 1988.
Weblinks
Offizielle Website des Museums (italienisch) AMEI Associazione Musei Ecclesiastici Italiani
Einzelnachweise
Kategorie:Museum in Umbrien Kategorie:Diözesanmuseum in Italien Kategorie:Bauwerk in Assisi Kategorie:Museumsgründung 1941 Kategorie:Bistum Assisi-Nocera Umbra-Gualdo Tadino