Die Nag (hindi: नाग, wörtlich: Schlange, abgeleitet von Wort Naga) ist eine indische Panzerabwehrlenkrakete (ATGM) der dritten Generation, die bei jedem Wetter einsetzbar ist, nach dem Prinzip Fire-and-Forget funktioniert und nach dem Start eine Zielverfolgung durchführt. Je nach Variante beträgt ihre Reichweite 500 m bis 20 km.

Entwicklungsgeschichte Die Entwicklung der Nag-Rakete begann 1988 unter der Leitung von A. P. J. Abdul Kalam. Die ersten Tests fanden im November 1990 statt. Die Entwicklung verzögerte sich um mehrere Jahre aufgrund von Problemen mit dem IIR basierten Leitsystem. Die Nag-Rakete durchlief im September 1997 und im Januar 2000 erfolgreiche Tests. Im Jahr 2000 gab das indische Verteidigungsministerium bekannt, dass die Nag voraussichtlich Anfang 2001 in Serienproduktion gehen würde. Bis 2008 beliefen sich die Entwicklungskosten auf 300 Crore Rupien (entspricht ca. 75 Millionen Euro im Jahr 2023). Im Juli 2009 wurde die Nag zur Serienfertigung freigegeben. Die abschließenden Erprobungen durch die Endnutzer wurden im Juli 2010 erfolgreich abgeschlossen. Die Rakete wurde für die Serienproduktion freigegeben. Bharat Dynamics Limited (BDL) plante, jährlich 100 Nag zu produzieren, um die bestehenden Konkour-M und MILAN, welche Panzerabwehrraketen der zweiten Generation sind, im Arsenal der indischen Armee zu ersetzen. Die Nag absolvierte ihre abschließenden Validierungsversuche erfolgreich und sollte voraussichtlich 2011 in das Arsenal der indischen Armee aufgenommen werden.

Im Jahr 2011 kam es zu einer einjährigen Verzögerung des Projekts, da die Armee ihre Anforderungen an die Nag in letzter Minute änderte. Grund dafür war, dass die Rakete bei den Testflügen im Sommer 2011 in Rajasthan das Ziel aus einer Entfernung von 4 km nicht traf. Die Wissenschaftler stellten einen Fehler im aus Europa importierten Wärmesucher fest. Dieser war nicht in der Lage, bei hohen Umgebungstemperaturen und großen Entfernungen zwischen der Wärmesignatur des Ziels und seiner Umgebung zu unterscheiden. Dies führte zur Entwicklung eines besseren, im eigenen Land hergestellten Suchers mit höherer Auflösung und Empfindlichkeit durch das Forschungszentrum Imarat (RCI), der Ziele auch aus großer Entfernung verfolgen und unterscheiden konnte. Die ersten Tests des neuen Suchkopfs wurden am 29. Juli 2013 unter heißen Wüstenbedingungen in Rajasthan durchgeführt. Die Untersuchungen zur aerodynamischen Charakterisierung fanden im 1,2 m großen Trisonic-Windkanal der National Aerospace Laboratories statt.

Das Nag bestand die abschließenden Entwicklungstests des indisches Heer im September 2016 und ebnete damit erneut den Weg für den Serieneinzug des Waffensystems. Seine Trefferwahrscheinlichkeit bei Einzelschüssen lag ursprünglich bei 77 % und wurde später auf 90 % verbessert. Außerdem wurde berichtet das sie über eine zehnjährige, wartungsfreie Haltbarkeit verfügt.

Am 28. Februar 2018 wurde die Rakete erneut für einsatzbereit erklärt, nachdem sie in einem Test unter Wüstenbedingungen zwei Panzer erfolgreich zerstört hatte. Im Jahr 2018 erklärte der DRDO-Chef, dass das Nag-System bis 2019 bei der indischen Armee in Dienst gestellt werden würde. Nach Angaben eines hochrangigen DRDO-Vertreters war die Rakete 2019 einsatzbereit und sollte bis zum Jahresende in Serienproduktion gehen.

Im Jahr 2018 bestand ein Bedarf von rund 3000 Nag-Raketen für die landgestützte Variante der Armee.

Die Entwicklung der Nag ist Teil des Integrated Guided Missile Development Program (IGMDP), das von der Defence Research and Development Organisation (DRDO) geleitet wird. Hergestellt wird sie von Bharat Dynamics Limited (BDL). Das indische Verteidigungsministerium gab am 19. Juli 2019 bekannt, dass die Rakete serienreif sei. Die Organisation für Verteidigungsforschung und -entwicklung (DRDO) hat am 21. Oktober 2020 um 6:45 Uhr auf dem Truppenübungsplatz Pokhran den abschließenden Test der Panzerabwehrrakete Nag mit einem scharfen Gefechtskopf an einem ausgedienten Panzer erfolgreich abgeschlossen.

Konstruktion mini|Nag-Model auf der ILA in Berlin 2012 Die Nag wurde entwickelt, um stark gepanzerte Panzer bei allen Wetterbedingungen sowie bei Tag und Nacht zu bekämpfen, wobei die Reichweite bei der Landvariante zwischen mindestens 500 m und höchstens 4 km liegt. Die Panzerabwehrrakete der dritten Generation ist ein Fire-and-Forget Flugkörper, nutzt einen bildgebenden Infrarot Suchkopf (IIR), der das Ziel vor dem Abschuss erfasst. Die Raketenhülle des Nag besteht aus Verbundwerkstoffen, die eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen feindliche Gegenmaßnahmen aufweisen soll. Die vordere Kuppel beherbergt das Leitsystem, während der mittlere Teil des Rumpfes die Sensorpakete und den Gefechtskopf enthält. Eine Booster-Rakete ist am hinteren Ende positioniert. Die Nag verfügt über vier klappbare Flügel und vier Heckflossen, die sie während des Fluges stabilisieren. Ein Echtzeit-Bildprozessor, der sich neben dem Leitsystem befindet, ermöglicht die automatische Zielerfassung und -verfolgung. Der digitale Autopilot unterstützt nach dem Start die Lenkung, Stabilität und Steuerung.

Ein elektrisches Antriebssystem unterstützt zudem die Flugsteuerung. Das Leitsystem basiert auf einem bildgebenden Infrarot-Suchkopf (IIR), der sowohl im Top- als auch im Frontangriffsmodus eine hohe Zielgenauigkeit gewährleistet. Eine in das Leitsystem integrierte CCD Kamera ist von Vorteil, da sie schwer zu stören ist. Die anfängliche Zielführung erfolgt durch Flächenkorrelation um das Ziel herum, ergänzt durch einen Mechanismus zur Verfolgung des Schwerpunkts. Die Zielverfolgung in der Endphase erfolgt durch Flächenkorrelation um den Schwerpunkt herum.

Varianten mini|Abschuss einer Nag von einem Namica-Raketenträger am 8. Juli 2019 Nag – gelegentlich aus Prospina, ist die Basisvariante der Nag-Familie und wird von der NAMICA Plattform aus abgefeuert. Nag Mk2 – Es handelt sich um eine verbesserte Version der bisherigen landgestützten Nag Variante mit einer Reichweite von 4–10 km. Die Variante wird über ein von der HELINA Variante übernommenes Steuerungssystem mit Strahlrudern verfügen, das für eine verbesserte Manövrierfähigkeit sorgt. Die Rakete wird zudem im Vergleich zur Vorgängerversion eine größere Reichweite aufweisen. MPATGM – Die „Man Portable Anti-tank Guided Missile“ (MP-ATGM) ist eine in Indien hergestellte Panzerabwehrlenkrakete der dritten Generation, die auf der Nag-Rakete basiert. Vor kurzem bestätigte die DRDO, dass die Produktion im Jahr 2021 beginnen soll. Die Rakete befindet sich derzeit in der Phase der Anwendererprobung. mini|Abschuss einer HELINA von einem HAL Rudra am 11. August 2022 HELINA auch Dhruvastra – HELINA (Helicopter-launched Nag) ist eine aus der Luft abgefeuerte Version des Nag mit erweiterter Reichweite. HELINA hat eine Reichweite von 7–8 km, was die feindlichen Panzerkommandanten in hügeligem Gelände erheblich benachteiligen wird. Die Rakete wiegt nur 43 kg, was unter den begrenzten Bedingungen der dünnen Atmosphäre über Ladakh keine Belastung darstellt. Was die Feuerkraft angeht, kann HELINA Panzerungen mit einer Dicke von bis zu 800 mm durchschlagen, was mehr als ausreichend ist, um die Panzerung der an der Grenze eingesetzten leichten und mittelschweren Panzer zu durchdringen. Der Abschuss erfolgt über doppelläufige, an den Flügeln montierte Kurzflügel-Werfer an Bord von HAL Rudra Hubschraubern und HAL Prachand, die von Hindustan Aeronautics Limited (HAL) hergestellt werden. Sie unterscheidet sich konstruktiv von der Nag und wird von einem bildgebenden Infrarot-Suchkopf (IIR) gesteuert, der im „Lock-on-before-Launch“-Modus für den Zielangriff arbeitet. Sie unterstützt sowohl den Angriff von oben als auch den direkten Angriff. HELINA hat bis zum 20. September 2021 alle Arten von Anwendertests abgeschlossen. Die indische Armee ist bereit für die Beschaffung der Raketen, deren Kosten voraussichtlich unter 1 Crore Rupien liegen werden (103.000 UEuro). Der anfängliche Bedarf beläuft sich auf 500 Raketen und 40 Abschussrohre. SANT – SANT (Standoff Anti-tank Guided Missile) ist eine verbesserte Variante der HELINA-Rakete der vierten Generation, die für den Einsatz als luftgestützte Panzerabwehrrakete über große Entfernungen entwickelt wurde.

Trägersysteme

Namica Namica Mk 2 Zorawa HAL Rudra HAL Prachand

Ähnliche Systeme

SAMHO MPATGM PARS 3 LR Spike-ER HJ-10 ALAS

Weblinks

Nag auf der Herstellerwebsite

Einzelnachweise

Kategorie:Panzerabwehrrakete Kategorie:Luft-Boden-Rakete Kategorie:Lenkflugkörper Kategorie:Militärische Ausrüstung (Indien)