Das sehr seltene Mineral Schoenfliesit ist ein Magnesium-Zinn-Hydroxid aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Mg2+Sn4+(OH)6. Strukturell gesehen ist Schoenfliesit ein nicht stöchiometrischer Doppelperowskit aus der Perowskit-Supergruppe.

Schoenfliesit kristallisiert mit kubischer Symmetrie und bildet oktaederförmige Kristalle mit Kantenlängen von wenigen Mikrometern bis Millimetern. Die Farbe der wachsglänzenden Kristalle ist gelb bis orange braun.

Die Typlokalität ist ein kontaktmetamorpher Kalkstein nahe eines Granits am Brooks Mountain, der höchsten Erhebung der York Mountains im Port Clarence Mining District, Nome Census Area in Alaska, Vereinigte Staaten.

Etymologie und Geschichte Die ersten Synthesen der Verbindung MgSn(OH)6 führten Hugo Strunz und B. Contag 1960 am Institut für Mineralogie der Technischen Universität Berlin durch. Ausgehend von der Entdeckung des Minerals Stottit (FeGe(OH)6) führten sie systematische Untersuchungen verschiedener Hexahydroxostannate des gleichen Verbindungstyps durch.

George T. Faust und Waldemar T. Schaller vom United States Geological Survey beschrieben das natürliche Vorkommen dieser Verbindung 8 Jahre später (1968) und benannten das neue Mineral nach dem Mathematiker und Kristallographen Artur Moritz Schönflies in Anerkennung seiner Leistung bei der Beschreibung der Raumgruppen.

Klassifikation Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Schoenfliesit zur Gruppe der nicht stöchiometrischen Doppelperowskite mit unbesetzter A-Position in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Burtit, Jeanbandyit, Mushistonit, Nancyrossit, Natanit, Vismirnovit und Wickmanit die Schoenfliesit-Untergruppe.

Obwohl Schoenfliesit bereits 1968 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/F.16-010. Dies entspricht der Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Schoenfliesit zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Vismirnovit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer IV/F.16 bildet.

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Schoenfliesit in die Abteilung „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von OH und/oder H2O sowie der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; eckenverknüpfte Oktaeder“ zu finden, wo es zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Vismirnovit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer 4.FC.10 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Schoenfliesit die System- und Mineralnummer 06.03.06.02. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier ist er zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Vismirnovit und Wickmanit in der „Wickmanitgruppe“ mit der Systemnummer 06.03.06 zu finden.

Chemismus Schoenfliesit ist das Magnesium-Analog von Wickmanit und hat die Endgliedzusammensetzung ☐2Mg2+Sn4+(OH)6, worin ☐ für eine Leerstelle auf der A-Position steht.

Schoenfliesit bildet Mischkristalle mit Wickmanit (MgSn(OH)6) und Natanit (Fe2+Sn(OH)6) entsprechend der Austauschreaktion Mg2+ = Mn2+ (Wickmanit) Mg2+ = Fe2+ (Natanit)

Kristallstruktur Schoenfliesit kristallisiert mit kubischer Symmetrie der und den Gitterparametern a=7,759(6) Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle. Schoenfliesit hat die Struktur von Perowskit. Die von 12 Hydroxid-Ionen kuboktaedrisch umgebene A-Position ist unbesetzt. Die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position ist in 2 Positionen aufgespalten, die von Mangan (Mg2+) und Zinn (Sn4+) besetzt sind. Magnesium und Zinn verteilen sich streng geordnet auf die beiden alternierenden Oktaederpositionen.

Bildung und Fundorte Schoenfliesit ist eine späte, niedrig temperierte Bildung der hydrothermalen Überprägung von Zinn-haltigen Gesteinen.

Bisher (Stand 2026) ist Schoenfliesit an rund 15 Fundorten dokumentiert werden. Seine Typlokalität ist ein kontaktmetamorpher Kalkstein nahe eines Granits am Brooks Mountain im Port Clarence Mining District, Nome Census Area in Alaska, Vereinigte Staaten. Schoenfliesit tritt hier zusammen mit Goethit Maghemit und Hulsit sowie geringer Mengen Fluorit und Hämatit auf.

Siehe auch Liste der Minerale

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise Fundortliste für Schoenfliesit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 28. August 2026.

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