Alf Tollef Pettersen (* 6. Dezember 1911 in Mysen; † 23. März 1986) war ein norwegischer Polizist und Widerstandskämpfer, der während der deutschen Besatzung Norwegens etwa 1000 Menschen, darunter hunderte Juden, zur Flucht nach Schweden verhalf.

Leben Alf Pettersen wuchs in Mysen auf und war zu Beginn der deutschen Besatzung Polizist in Oslo. Er geriet in Schwierigkeiten, da er den Hitlergruß gegenüber deutschen Offizieren verweigerte, der den Polizeiangestellten vorgeschrieben worden war. Daraufhin verlor er seine Anstellung bei der Polizei und nahm eine Arbeit in der Transportvermittlung Oslo auf, wo er unter Inspekteur Reidar Larsen arbeitete.

Ende Oktober 1942 wurde Alf Pettersen von Rolf Syversen kontaktiert. Dieser hatte am 26. Oktober vier junge jüdische Männer, die der beginnenden Verhaftungswelle im besetzten Norwegen knapp entgangen waren, in seiner Gärtnerei versteckt. Pettersen hatte bereits einige Monate zuvor eine Route erkundet, auf der man mit Lastwagen die schwedische Grenze erreichen konnte. Unter dem Decknamen Carl Fredriksens Transport (CFT) organisierten die beiden, gemeinsam mit anderen Helfern, Fluchttransporte nach Schweden. Unterstützt wurden sie unter anderem durch Pettersens schwangere Frau Gerd, die als Telegrafistin eine wichtige Rolle für das Warnsystem der Gruppe einnahm und Syversens ebenfalls schwangere Ehefrau Klara, die die Organisation der Flüchtlinge am Versammlungsort übernahm. Alf Pettersen organisierte einen Lastwagen, um die vier Männer zur Grenze zu bringen, musste sie aber letztlich zu Fuß und mit einem Boot über die Grenze bringen, da die Fahrerlaubnis nicht für die richtige Region ausgestellt war. Aus der ersten Tour entwickelte sich ab Ende November, als die Verhaftung jüdischer Frauen und Kinder begann, eine permanente Fluchthilfe und Pettersen begleitete bewaffnet die Flüchtlingstransporte.Mats Tangestuen: Carl Fredriksens Transport – krigens største redningsbragd. URO/KORO, 2010 (norwegisch)

Insgesamt gelang innerhalb von sechs Wochen rund 1000 Personen die Flucht per LKW nach Schweden. Darunter befanden sich etwa 500 Juden.

Anfang 1943 wurde die Fluchtorganisation verraten. Am Morgen des 14. Januar suchte die Gestapo Pettersen auf, der jedoch nicht öffnete und später mit Hilfe Syversens untertauchen konnte. Alf Pettersen, seine hochschwangere Frau Gerd, Reidar Larsen und Fahrer Paul Danielski flüchteten mit dem Auto nach Schweden. Syversen entschied sich, in Oslo zu bleiben, die Fluchtrouten neu zu organisieren und verhalf unter anderem weiteren Helfern des CFT zur Flucht. Er wurde im Juli 1943 verhaftet, inhaftiert und am 30. oder 31. Oktober 1944 im Wald von Trandum (Trandumskogen) nahe Oslo erschossen.Rolf Alexander Syversen auf der Webseite der Gedenkstätte Trandum

Nach dem Krieg Pettersen kehrte nach dem Krieg nach Oslo zurück. 1947 sagte er als Zeuge gegen zwei Fluchthelfer der Milorg aus, die das jüdische Ehepaar Feldmann während einer Fluchtoperation getötet hatten. Während die Milorg-Mitarbeiter auf Notwehr aus Angst vor Entdeckung durch die Deutschen plädierten, weil eine Flucht nicht durchführbar gewesen sei, nannte Pettersen, der am gleichen Tag nur wenige Kilometer entfernt erfolgreich vier Menschen nach Schweden eskortiert hatte, die Tat einen nicht zu rechtfertigenden Mord. Durch die Verteidigung wurde CFT, die sich auf Pettersens Forderung hin nie der Milorg angeschlossen hatten, als verantwortungslose Organisation dargestellt und Pettersens eigene Verdienste diskreditiert. Die Milorg-Helfer wurden freigesprochen und nur für den Diebstahl der Wertsachen der Feldmanns verurteilt.Glemte krigshelter: Var los for jøder og motstandsfolk på flukt. Dagbladet, 7. November 2017 (norwegisch)Simon Stranger: Likene i Skrikerudtjern. Fortene, 4. Dezember 2024 Pettersen litt stark unter den Folgen des Krieges und des Prozesses und kämpfte Jahrzehnte mit psychischen Problemen und Schlaflosigkeit.

Erst viele Jahre nach Kriegsende wurden die Leistungen der Männer und Frauen von Carl Fredriksens Transport gewürdigt. 2016 wurde Alf Tollef Pettersen posthum gemeinsam mit Gerd Pettersen und anderen Mitgliedern des CFT von der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet und an der Ehrenmauer verewigt.Alf Pettersen, Eintrag der Gedenkstätte Yad Vashem

In Oslo erinnert die Gedenkstätte Dette er et fint sted seit 2013 an den Carl Fredriksens Transport.

Weblinks Alf Pettersen. Biographie der Gedenkstätte Stille Helden

Einzelnachweise

Kategorie:Gerechter unter den Völkern (Norwegen) Kategorie:Polizist (Norwegen) Kategorie:Norweger Kategorie:Norwegischer Emigrant in Schweden Kategorie:Geboren 1911 Kategorie:Gestorben 1986 Kategorie:Mann