Hans Stein (geboren am 7. Dezember 1894 in Köln; gestorben am 3. Juli 1941 in Harrogate, England) war ein deutscher Historiker und Sozialwissenschaftler. mini|hochkant|Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis 1937, Stein der 2. von rechts Leben Johann Ludwig Stein war ein Sohn des Rechtsanwalts Urban Stein und der Henriette Stein. Er besuchte das Marzellengymnasium in Köln und das St. Michael-Gymnasium in Münstereifel. Er begann ein Studium der Philosophie, Germanistik und Geschichte, wurde aber im Herbst 1914 Soldat im Ersten Weltkrieg und 1918 als Leutnant der Reserve entlassen. 1919 nahm er das Studium in Bonn und Köln wieder auf und wurde 1921 zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. Er engagierte sich in Köln in der sozialistischen Studentengruppe. 1923 wurde er Mitglied der KPD. Er versuchte sich mit Lehraufträgen an der Kölner Universität und einem Forschungsauftrag zur Geschichte der Konsumgenossenschaften wissenschaftlich zu qualifizieren, für den Broterwerb arbeitete er als Vertreter mit Handlungsvollmacht für die Stahlwarenfabrik Roland. Er heiratete Elsbeth Ihlenburg.

Stein erhielt 1925 das Angebot, als freiberuflicher Korrespondent an der Marx-Engels-Gesamtausgabe des Marx-Engels-Instituts in Moskau mitzuwirken. Im Auftrag des Institutsdirektors Dawid Rjasanow ermittelte er in Trier die Abiturarbeit von Karl Marx, in Berlin sah er im Preußischen Geheimen Staatsarchiv die Gerichtsakten zum Kölner Kommunistenprozess durch. Von Dezember 1925 bis April 1926 war er in Moskau an der Redaktionsarbeit zum ersten Band der MEGA beteiligt, 1926/27 an den Bänden mit Marx’ Wirken Köln. Er sandte Kopien aus dem Archiv der Familie Engels nach Moskau.

Ab 1928 arbeitete Stein auch als Rundfunkjournalist für den Westdeutschen Rundfunk (WERAG) und hielt Vorträge zu wirtschaftspolitischen Themen. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde er bei der WERAG gekündigt. Stein floh nach Frankreich und ging Ende 1933 in die Niederlande, aufgrund der schwierigen finanziellen Lage blieb seine Frau zunächst noch in Deutschland. Ab Juni 1935 arbeitete er im Internationalen Institut für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam und wurde 1936 mit der Leitung der Abteilung Mitteleuropa betraut. Er arbeitete mit Boris Nikolajewski an einem Projekt zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation und forschte dazu in Brüssel. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs floh er 1940 in der Gruppe der IISG-Mitarbeiter nach England.

Schriften (Auswahl) mini|hochkant|Dissertation (1921) Der Kölner Arbeiterverein (1848–1849). Ein Beitrag zur Frühgeschichte des rheinischen Sozialismus. Gilsbach, Köln 1921. Digitalisat Ludwig Gall, in: Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, 1932, S. 392–429 Pauperismus und Assoziation : soziale Tatsachen und Ideen auf dem westeuropäischen Kontinent von Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, unter besonderer Berücksichtigung des Rheingebiets, in: International Review of Social History, Leiden: Brill, 1936, S. 1–120 Der Amsterdamer Arbeiterbildungsverein von 1847 und die Vorläufer der modernen sozialen Bewegung in Europa, in: International Review of Social History, Leiden: Brill, 1937, S. 105–170

Literatur Ursula Langkau-Alex: Quellen zur deutschsprachigen Emigration nach 1933 im Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis in Amsterdam, in: Nachrichtenbrief der Gesellschaft für Exilforschung, Nr. 9–10 / Dezember 1988, S. 28–36 Rolf Hecker: Hans Stein – wissenschaftlicher Mitarbeiter und Korrespondent des Moskauer Marx-Engels-Instituts (1925–1929). Teil 1. Zur Mitarbeit an der MEGA1, in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1993, Hamburg: Argument, 1993, S. 17–40, ISBN 3-88619-744-1 Digitalisat Rolf Hecker: Hans Stein – wissenschaftlicher Mitarbeiter und Korrespondent des Moskauer Marx-Engels-Instituts (1925–1929). Teil 2. Die Entdeckung von unbekannten Dokumenten, in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1994, Hamburg: Argument, 1994, S. 150–173, ISBN 978-3-88619-745-3 Digitalisat Renate Schumacher: Hans Stein – "mit allen Wassern der Dialektik gekocht". Mitarbeiter der Westdeutschen Rundfunk AG (1927–1933), in: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1994, Hamburg: Argument, 1994, S. 174–189, ISBN 978-3-88619-745-3 Rolf Hecker: Hans Stein (1894–1941). In: Günter Benser, Dagmar Goldbeck, Anja Kruke (Hrsg.): Bewahren Verbreiten Aufklären. Archivare, Bibliothekare und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung. Supplement. Bonn 2017, ISBN 978-3-95861-591-5, S. 131–137. Online (PDF)

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