mini|Hedvig Catharina De la Gardie, geborene Lillie. Ölgemälde, heute im Östergötlands Museum. Hedvig Catharina De la Gardie, geborene Lillie (* 20. September 1695; † 13. Oktober 1745 in Paris, Frankreich), war eine schwedische Gräfin und Salonnière, die für ihren Salon und ihre politische Aktivität bekannt war. Sie war eine bekannte politische Persönlichkeit während des Parteikonflikts im Schwedischen sog. „Zeit der Freiheit“ (: Frihetstiden) und nutzte ihren Einfluss zugunsten der „Partei der Hüte“ (: Hattarne) und ihres Verbündeten Frankreich. Sie war die Großmutter des Grafen Axel von Fersen dem Jüngeren.

Biographie Frühes Leben Hedvig Catharina wurde als Tochter des Grafen Axel Johan Lillie (alternative Schreibweise Lilje oder Lillje; 1666–1696) und Agneta Wrede (1674–1730) geboren. 1709 heiratete sie Graf Magnus Julius De la Gardie (1668–1741), Sohn von Axel Julius De la Gardie (1637–1710) und dessen Ehefrau Sofia Juliana Forbus (1649–1701). Die Ehe war von ihrer Mutter arrangiert worden. Die Familie des Bräutigams hatte 1680 aufgrund der Schwedischen Reduktion (: Svenska reduktioner) Karls XI. von Schweden, bei der der Adel großenteils entmachtet und sein Vermögen an die Krone fiel, unter wirtschaftlichen Problemen gelitten. Die Heirat mit Hedvig Catharina, die aus der wohlhabenden Familie Wrede stammte, rettete ihren Ehepartner vor dem Ruin. Sie hatte sechs Kinder, darunter die Wissenschaftlerin Eva Ekeblad. Ihr Sohn heiratete Cathérine Charlotte De la Gardie und durch die Heirat ihrer jüngsten Tochter Hedvig Catharina De la Gardie mit Fredrik Axel von Fersen (genannt der Ältere; 1719–1794) wurde sie die Großmutter von Axel von Fersen dem Jüngeren.

Ihr Ehemann war ein führendes Mitglied der „Partei der Hüte“, die angeblich in seinem Salon gegründet worden war. Er soll weiterhin den politischen Salon als Institution in Schweden in seinem Haus eingeführt haben, wo sie als Gastgeberin fungierte. Hedvig Catharina De la Gardie wurde als intelligente Schönheit beschrieben und wurde bald selbst eine Sympathisantin und führendes Mitglied der „Partei der Hüte“.

Sie hatte auch einen kulturellen Einfluss. Ihr Salon war das Zentrum des noblen Laientheaters, das in den 1720er und 1730er Jahren in Stockholm seine Blütezeit erlebte und vermutlich eine Rolle bei der Gründung des ersten schwedischsprachigen Berufstheaters im Bollhuset im Jahr 1737 gespielt hat. Ihre Tochter Brita Sophia war die weibliche Hauptdarstellerin der Theatergesellschaft Grev De la Gardies Comoedianter (Comoedianter des Grafen De la Gardie), und als 1737 das erste schwedische Nationaltheater gegründet wurde, wurden dort zwei der ersten weiblichen Schauspieler aus den Bediensteten des De-la-Gardie-Haushalts rekrutiert.

Politische Aktivität Während der schwedischen sog. „Zeit der Freiheit“, als nach dem Großen Nordischen Krieg die absolute Monarchie zugunsten eines parlamentarischen Systems abgeschafft wurde, beteiligten sich auch Frauen an der politischen Debatte und nahmen an Parteikämpfen teil. Frauen wie Hedvig Mörner, Magdalena Elisabeth Rahm und Henrika Juliana Lieven vertraten ihre Meinung in der Öffentlichkeit auf eine andere Art und Weise und es wurde sogar gesagt, dass Frauen die wahren Führerinnen der politischen Parteien seien.Svante Norrhem: Kvinnor vid maktens sida: 1632-1772 (: Frauen auf der Seite der Macht: 1632-1772). Nordic Academic Press. Lund. 2007. ISBN 978-91-89116-91-7. Ausländische Mächte beteiligten sich über ihre Botschafter am politischen Leben, indem sie Agenten rekrutierten, um ihre Agenda voranzutreiben, und Parteifraktionen mit Subventionen unterstützten. Frankreich war schon früh besonders aktiv durch seinen Botschafter in Stockholm, Charles Louis de Biaudos de Casteja, der den Wert weiblicher Agenten erkannte und während seiner Amtszeit in Schweden mehrere rekrutierte, darunter Margareta Gyllenstierna (Ehefrau von Arvid Horn) und Charlotte von Lieven.

Bereits Anfang der 1730er Jahre war Hedvig Catharina De la Gardie eine bekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Zeitgleich wurde sie auch zu einer der bekanntesten weiblichen Figuren im politischen Leben dieser frühen „Zeit der Freiheit“. Ihr Salon war ein Zentrum der „Partei der Hüte“ und sie trug Bänder, um ihre politischen Sympathien zu signalisieren. Insbesondere nutzte die Gruppe auch initiierte Liebesbeziehungen als Mittel zur politischen Einflussnahme am Hof des Königs. 1731 nahm sie zusammen mit Eleonora Lindhielm (Ehefrau des „Hüte“-Parteimitglieds Daniel Niklas von Höpken) an der Kampagne teil, um Hedvig Taube davon zu überzeugen, die Geliebte des Königs zu werden: Ihre Aufgabe bestand darin, Taubes Mutter davon zu überzeugen, zuzustimmen, was ihnen offenbar gelang.Esther Jacobson: Hedvig Taube: en bok om en svensk kunglig mätress. Wahlström & Widstrand. Stockholm. 1919. Taube wurde für die „Hüte“ zu einem wirksamen Instrument, um Druck auf den König auszuüben. Als Hedvig Taubes Rolle als königliche Mätresse 1734 offiziell und ihre Beziehung damit öffentlich wurde, unterstützte De la Gardie sie während der anfänglichen gesellschaftlichen Ächtung Taubes: Er besuchte sie und lud sie selbst auch zu einem Besuch ein.

Die neue öffentliche Beteiligung von Frauen an der Politik durch politische Salons, eine aus Frankreich importierte neue Erfindung in Schweden, wurde in der Presse kritisiert, und De la Gardie war als bekanntes Akteurin besonders der Kritik ausgesetzt. Durch ihr politisches Engagement war sie denselben Verleumdungen ausgesetzt wie andere Politiker, und es kursierten verleumderische Berichte, in denen ihr vorgeworfen wurde, dass ihre Liebesaffären ihre politischen Sympathien beeinträchtigen könnten. Darunter befand sich auch ein von dem Kleriker Fryxell verbreitetes Gerücht, das ihre angebliche Affäre mit einem jungen Adligen aus der Familie Sture aufdeckte. 1733 karikierte der schwedische Dichter und Satiriker Olof von Dalin die politische schwedische Salonwirtin in Then Swänska Argus als „Fru Kättia Sällskapslik“ ( etwa: Frau lüsterne Gesellschaft) und verurteilte sie dafür, dass sie „über die Tugend lachte“, weil sie so viel Zeit mit Männern verbrachte und kokette Witze mit ihnen austauschte.

Im Vorfeld des Reichstags 1734 beauftragte Carl Gyllenborg, ein führendes Mitglied der „Hutpartei“, Hedvig Catharina De la Gardie mit Verhandlungen mit dem französischen Botschafter in Stockholm, Charles Louis de Biaudos de Casteja, um französische Subventionen für die Partei zu sichern. Weiteres Ziel war es, auch ein Bündnis zwischen der Partei und Frankreich zu knüpfen, was ihr auch gelang. Die Zusammenarbeit mit Casteja und ihre Rolle bei der Anbahnung des Bündnisses zwischen „Hutpartei“ und Frankreich zogen allerdings verleumderische Kritik nach sich. Sie wurde als „schönes und wohlerzogenes Pferd“ karikiert, das „lange Zeit mit einem Hengst aus Gallien zusammengeritten“ sei, und es hieß, „die Franzosen hätten die Sinne einiger unserer weiblichen Offiziellen so gründlich durchdrungen, dass sie ihnen bereitwillig ihr Vertrauen geschenkt haben“, womit sie und Casteja gemeint waren.

Als 1738 die Wahlen zum Reichstag anstanden, entzog die „Hutpartei“ dem König gemäß ihrer Strategie ihre Unterstützung für seine Beziehung zu Hedvig Taube und machte sich stattdessen zum Sprachrohr des Volkszorns über diese Beziehung. Hedwig Katharina beteiligte sich an der Kampagne, indem sie in ihrem Privattheater ein französisches Theaterstück zur Feier des Geburtstags des Königs aufführen ließ und die Königin dazu einlud. Die Königin entschuldigte sich jedoch von dem Empfang, als sie erfuhr, dass das Stück in Wirklichkeit eine Karikatur der Beziehung des Königs zu Hedwig Taube darstellte. Dennoch wurde das Stück aufgeführt und trug erfolgreich zur Propaganda für die „Hutpartei“ und deren vorgeblich kritischer Haltung zum Ehebruch des Königs im Reichstag von 1738 bei. Die Reichstagswahl führte zum Sturz der gegnerischen „Mössorna-Partei“-Regierung unter Arvid Horn und zur Bildung einer neuen, von Frankreich unterstützten „Hutpartei“-Regierung.

Nach dem Tod von Daniel Niklas von Höpken im Jahr 1741 wurde De la Gardie zur inoffiziellen Anführerin und zur zentralen Figur der Carl-Gyllenborg-Fraktion innerhalb der „Hutpartei“-Regierung.

Späteres Leben Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1741 ließ sich Hedvig Catharina De la Gardie in Begleitung ihrer Tochter Brita Sophia in Paris nieder, wo sie zum römischen Katholizismus konvertierte, was zu jener Zeit in Schweden noch strafbar war. Berichten zufolge gab sie in Frankreich Millionen Livres aus, verkehrte in der aristokratischen Gesellschaft und galt als ständiger Gast am Hof von Versailles. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1745 hatte sie hohe Schulden angehäuft. Nach ihrem Tod trat ihre Tochter, die mit ihr konvertiert war, in ein Kloster ein und lebte dort bis 1797.

Literatur Hedvig Catharina LiLilliund Wilhelmina Stålberg: Anteckningar om svenska qvinnor. 1864. Svante Norrhem: Kvinnor vid maktens sida: 1632-1772 (: Frauen auf der Seite der Macht: 1632-1772). Nordic Academic Press. Lund. 2007. ISBN 978-91-89116-91-7. Ingemar Carlsson: Parti -partiväsen-partipolitiker 1731–43. Kring uppkomsten av våra politiska partier. Stockholm. 1981.

Weblinks Maria Sjöberg: Eintrag Hedvig Catharina Lillie. Svenskt kvinnobiografiskt lexikon. Abgerufen am 23. August 2026.

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