Rudolf Lucaß (auch Rudolf Lucass, geboren 13. April 1902 in Leubnitz; gestorben ?) war ein deutscher Gärtnermeister. Er gehörte zu den entscheidenden Personen, die in der Zeit des Nationalsozialismus die Kräuterplantage am Ostrand des KZ Dachau aufbauten und betreuten.
Leben Rudolf Lucaß war der Sohn eines Schriftsetzers. Von 1916 bis 1920 erlernte er das Gärtnerhandwerk und arbeitete anschließend als Gärtner im Umland von Dresden. Von 1925 bis 1929 war er bei der Chemnitzer Papierfabrik in Einsiedel angestellt. Im Dezember 1928 legte er die Meisterprüfung ab. Ab 1929 war Lucaß Leiter der Gartenanlagen des Akademischen Krankenhauses und anderer Gärten und Gewächshäuser der Universität von Heidelberg. Dort lernte er den Mediziner Ernst Günther Schenck und dessen Doktoranden Karl Otto Bäcker kennen.
1934 wurde er „Sachberater für Heilpflanzenanbau“ beim Hauptamt für Volksgesundheit der NSDAP. Lucaß und Schenck betreuten ab 1935 im Auftrag des Hauptamtes den Heilpflanzenanbau in der Umgebung von Heidelberg, in der Rheinebene und im Odenwald. Der Leiter des Hauptamts Georg Gustav Wegener beauftragte im Herbst 1936 Rudolf Lucaß, in Alt Rehse größere Arzneipflanzenkulturen für Unterrichtszwecke anzulegen.Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. ISBN 978-3-525-31169-1, S. 110 ff, 133 ff, 264 f, 637 f.Rainer Stommer, Thomas Beddies, Wilhelm Boes, Judith Hahn, Christoph Kopke, Anja Peters, Matthias Pfüller, Rebecca Schwoch, Nils Köhler: Medizin im Dienste der Rassenideologie. Die "Führerschule der Deutschen Ärzteschaft" in Alt Rehse. Ch. Links Verlag, Berlin, 2017, ISBN 978-3-86153-477-8.
Wenig später schloss sich der Auftrag an, den Anbau und die Erforschung von Heil- und Gewürzkräutern auf dem KZ-Gelände von Dachau vorzubereiten. Beim Aufbau und dem Unterhalt des Dachauer Kräutergartens war Lucaß der entscheidende Fachmann vor Ort. Die für das große Areal abgestellten KZ-Häftlinge bekamen keinen Lohn. Am 29. September 1937 beantragte Lucaß die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.056.403).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/26780696 mini|Zusammen mit Wegener und Schenck geschriebenes Buch von 1938 1938 erschien die „Allgemeine Heilpflanzenkunde“ von Lucaß, Schenck und Wegener. 1940 folgte Lucaß’ zusammen mit Karl Otto Bäcker geschriebenes Buch „Der Kräutergarten“.
Im Lager trat Lucaß stets in SS-Uniform auf. Nach der Befreiung des KZ Dachau Ende Mai 1945 tarnte er sich als Zivilperson. Häftlinge aber identifizierten ihn, worauf die Amerikaner ihn verhafteten. Der ehemalige Häftling Karel Kašák nannte ihn und den Inspekteur der Konzentrationslager Oswald Pohl „Schufte, maulvoll von der Wissenschaft, Medizin, Forschung usw.“Anne Sudrow: Saat der Gewalt. Der "Kräutergarten" in Dachau seit 1945. ISBN 978-3-525-31170-7, S. 10, 17 f, 44. Über den weiteren Verbleib von Rudolf Lucaß ist nichts bekannt.
Einzelnachweise
Kategorie:Gärtner Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben im 20. oder 21. Jahrhundert Kategorie:Mann