Die Schule am Ried (häufig mit SaR abgekürzt) ist eine Kooperative Gesamtschule in Frankfurt am Main-Bergen-Enkheim. Mit etwa 1.400 Schülern ist sie eine der größten Schulen Frankfurts. Sie wurde 1972 als Gesamtschule Bergen-Enkheim durch die damals noch selbständige Stadt Bergen-Enkheim gegründet. Der Neubau entstand südlich der bereits bestehenden Schule am Hang und erhielt den Namen Schule am Ried. Beide Schulnamen sind von den nahegelegenen Naturschutzgebieten Berger Hang und Enkheimer Ried abgeleitet.

Geschichte Direktoren der Schule am Ried Zeitraum Direktor 1972–1989 Walter Reul 1990–1996 Dieter Lenz 1997–2014 Beate Lahmann-Hartung 2016–2021 Christof Gans Seit 2023 Elke Schmidt1953 wurde die ursprüngliche Bergen-Enkheimer Volksschule um einen Realschulzweig, damals Mittelschule genannt, erweitert. Weil die alten Schulräume in Bergen (Schule am Landgraben) und in Enkheim (Schule am Kirchweg) nicht für die erheblich gestiegenen Schülerzahlen ausreichten, entstand mit der Schule am Hang ein neues Schulzentrum mit Grund-, Haupt- und Realschulzweig, das zwischen beiden Ortsteilen gelegen war. Nach dessen Einweihung am 27. April 1957 wurden hier über 990 Schüler unterrichtet. 1966 wurde beschlossen, die Schule am Kirchweg zu schließen und die Grundschulklassen in einen Neubau, die Schule am Ried, zu verlegen. Am 5. September 1968 wurde der Neubau bezogen.

1968 plante der Landkreis Hanau in seinem Schulkonzept die Einrichtung von acht integrierten Gesamtschulen mit obligatorischer Förderstufe, davon eine in Bergen-Enkheim. In der Öffentlichkeit wurde das Vorhaben mit der chinesischen Kulturrevolution verglichen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichte im April 1969 einen ausführlichen Artikel zum Hanauer Schulkonzept unter der Überschrift „Landrat Woythals mittlere Mao-Phase“. Da der Standort der Schule am Hang nicht erweiterungsfähig war, beantragte der Kreisausschuss am 7. August 1969 die Errichtung der Gesamtschule am Ried zum 1. August 1972, als Erweiterung des gerade neueröffneten Grundschulstandortes.

Zum 1. August 1970 wurden die Jahrgänge 5 und 6 der Schule am Hang als Förderstufe organisiert. 1971 begann der Neubau der Schule am Ried. Die Baukosten betrugen, einschließlich einer Turnhalle, 15 Millionen DM. Das hessische Kultusministerium entschied sich am 14. April 1972 gegen das Hanauer Konzept für die Gründung einer additiven Gesamtschule zum 1. August 1972, in der die einzelnen Schulformen formal nebeneinander bestehen (siehe kooperative Gesamtschule.Festschrift 50 Jahre Schule am Ried, S. 26–27 Förderstufe, Haupt- und Realschulzweig gingen aus der Schule am Hang hervor, der Gymnasialzweig – zunächst nur bis Jahrgangsstufe 10 – wurde mit der Schulgründung neu errichtet.Festschrift 50 Jahre Schule am Ried, S. 70 Die bisherigen Grundschulklassen der Schule am Ried wechselten zum gleichen Zeitpunkt zur Schule am Hang. Der 1. August 1972 gilt als offizielles Gründungsdatum der Schule am Ried. Im ersten Schuljahr hatte sie 702 Schüler, die von 32 Lehrern unterrichtet wurden.

In den folgenden Jahren wurde die Schule planmäßig ausgebaut und erweitert. Am 12. Juni 1974 wurde die Aula mit einem Schulkonzert eröffnet. Im selben Jahr absolvierten die etwa 60 Hauptschüler der Jahrgänge 8 und 9 erstmals ein dreiwöchiges Betriebspraktikum. Im Schuljahr 1974/75 hatte die Schule am Ried rund 900 Schüler. Um die Zeit bis zur Einrichtung einer eigenen Oberstufe zu überbrücken, durften aufgrund einer Vereinbarung mit dem Schulamt Frankfurt am Main die Gymnasialschüler der Schule am Ried nach der 10. Klasse auf die Herderschule im Frankfurter Ostend wechseln, über die damalige Kreisgrenze hinweg.

Mit der Eingemeindung Bergen-Enkheims übernahm die Stadt Frankfurt am Main am 1. Januar 1977 die Trägerschaft der Schule. Damals durften die Schüler der 5. Klassen erstmals ihre Klassenfahrten im städtischen Kinderdorf Wegscheide verbringen. 1977 bis 1979 wurde der zweite Bauabschnitt der Schule am Ried errichtet, der unter anderem die neue gymnasiale Oberstufe aufnahm. Die Schülerzahlen stiegen 1978 auf 1169 und 1980 auf 1357. Am 18. Januar 1980 bestätigte das Hessische Kultusministerium die ersten Schulpartnerschaften mit zwei Schulen in Rillieux-la-Pape, einem Vorort der Frankfurter Partnerstadt Lyon. Im selben Jahr absolvierte der erste Jahrgang die Abiturprüfung an der Schule am Ried.

Der dritte Bauabschnitt entstand 1979 bis 1981 mit zusätzlichen Unterrichtsräumen, Fachräumen für Naturwissenschaften und Musik sowie die neue integrierte Schul- und Stadtteilbibliothek, die Kulturdezernent Hilmar Hoffmann am 7. Mai 1981 eröffnete. 1982 besuchten 1408 Schüler die Schule am Ried, die von 72 Lehrern unterrichtet wurden. Die demographische Entwicklung führte dazu, dass die Schülerzahlen in den folgenden Jahren von diesem Höchststand allmählich wieder sanken auf 1110 (1987) und 1003 (1989). 1990 konnte erstmals ein Betriebspraktikum der 9. Klassen in Birmingham, einer Partnerstadt Frankfurts, stattfinden. Im gleichen Jahr wurde die bis heute bestehende Partnerschaft mit dem Lycée Louis Aragon in Givors begründet, einer Stadt im südlichen Umland von Lyon. 1994 wirkte die Schule am Ried am Jubiläumskonzert zur 1200-Jahr-Feier der Stadt Frankfurt am Main in der Alten Oper mit.

1999 wurden erstmals die Schwerpunktklassen in Musik und Sport eingeführt. 2002 wurde die Förderstufe abgeschafft; Schüler in den Jahrgangsstufen 5 und 6 werden seitdem in den drei Schulzweigen unterrichtet. Nach der Jahrhundertwende stiegen die Schülerzahlen mit der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung in Frankfurt wieder an. Mit dem Schuljahr 2009/2010 wechselte der Gymnasialzweig zum Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe (G8), das ab dem Schuljahr 2014/2015 wieder revidiert wurde. Im November 2011 erhielt die Schule am Ried erstmals das Prädikat Umweltschule in Europa.

Zum Schuljahr 2013/14 wurden die ersten MINT-Schwerpunktklassen eingerichtet, anfangs für Naturwissenschaften, seit 2018/19 auch mit dem Schwerpunkt Informatik. 2017 wurden die ersten MINT-EC-Zertifikate an Abiturienten verliehen. Seit 2014 gab es Intensivklassen, um der steigenden Zahl von Schülern ohne Deutschkenntnisse zu begegnen und sie so zu fördern, dass sie nach und nach am Regelunterricht teilnehmen können. Nach den Erfahrungen der COVID-19-Pandemie in Deutschland erhielt die Schule 2022 ein flächendeckendes WLAN.

Seit November 2024 ist die Schule am Ried Mitglied des Netzwerks Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Die Patenschaft übernahm Emis Gürbüz, deren Sohn Sedat bei dem rechtsextremistischen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 ermordet worden war.

Standort und Architektur Das etwa 42.000 Quadratmeter große Schulgelände liegt im Osten des Stadtteils Enkheim zwischen Barbarossastraße im Süden und Bornweidstraße im Norden. Im Westen grenzt es an die Wohngebäude entlang der Rangenbergstraße. Unmittelbar östlich der Schule, nur durch die Straße Leuchte getrennt, beginnt das Naturschutzgebiet Enkheimer Ried im Frankfurter Grüngürtel.

Das Hauptgebäude wurde 1971 bis 1981 in drei Bauabschnitten von West nach Ost errichtet. Zunächst entstand ein 1972 bezogener Klassenraumtrakt, der auch provisorische Fachräume für die Naturwissenschaften aufnehmen musste. 1974 wurde die Aula ihrer Bestimmung übergeben. Erst im März 1981 konnte der Neubau vollständig bezogen werden. Da beim Bau der Dächer Asbest verwendet worden war, musste der Bau bereits in den 1980er Jahren saniert werden. Die lange Bauzeit bei einer eher schlichten Bauweise sorgte für sarkastische Kommentare: In der Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum fragte ein Kommentator den Architekten rhetorisch, ob er vielleicht die Baupläne verwechselt habe, etwa mit den Plänen vom Großkrotzenburger Toom-Markt, oder einer Lagerhalle bei Messer Griesheim. 2005 wurde das Hauptgebäude umfassend renoviert.

Die beiden ältesten, 1968 noch für die damalige Enkheimer Grundschule errichteten, Gebäudeteile wurden Anfang 2021 abgerissen. Das 2017 vom Magistrat beschlossene Konzept sah an ihrer Stelle einen barrierefreien, zweigeschossigen Erweiterungsbau mit Passivhauskomponenten vor. Im Erdgeschoss befinden sich die Aula mit Bühne, eine Mensa, die Mischküche, Lager und Werkstatt, die zentralen Sanitäranlagen sowie Räume für die Jugendhilfe und den Elternbeirat. Die Aula ist von einer zur Mitte hin ansteigenden Glaskuppel mit außenliegendem Sonnenschutz überdeckt. Das Obergeschoss beinhaltet unter anderem Unterrichtsräume, Lernflure und einen Lehrerbereich. Es wird über zwei außenliegende Treppenanlagen erschlossen: zusätzlich führt eine innenliegende Treppe vom Foyer im Erdgeschoss in den Lernflur des Obergeschosses. Die Baukosten wurden in der Vorlage auf 26,4 Millionen Euro geschätzt, statt der ursprünglich genehmigten 13,5 Millionen. Der Neubau sollte 2023 eingeweiht werden. Das Revisionsamt hatte den Stadtverordneten empfohlen die Vorlage abzulehnen. „Die enorme Kostensteigerung sei der extravaganten Architektur geschuldet. Als Beispiel verwiesen die Revisoren auf die Glaskuppel, auch die Bühnentechnik entspreche eher den Anforderungen einer kommerziellen Konzerthalle als einer schulischen Aula.“

Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte der Neubau im 1. Halbjahr 2023 bezogen werden. Beim Richtfest Ende 2022 ging Schuldezernentin Weber von einer Eröffnung „im Frühjahr 2024“ aus. Trotz einer „Schulbauinitiative“ der zuständigen Dezernentin verzögerte sich die Fertigstellung des Neubaus erheblich. Im August 2026 konnte ein Teil des Gebäudes mit Klassenräumen sowie die Mensa in Betrieb genommen werden. Die Fertigstellung der übrigen Bauteile, insbesondere der Aula, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Aufgrund von Schäden im Dach und der Dachkonstruktion musste die kleinere der beiden Sporthallen im Oktober 2023 vorübergehend geschlossen werden. Eine Sanierung ist derzeit für 2027 geplant.

Schulprofil Das Profil der Schule am Ried ist durch drei Schwerpunkte geprägt, seit 1999 in Sport und Musik sowie seit 2013 in Naturwissenschaften:

Schüler mit Schwerpunkt Sport haben in der Jahrgangsstufe 5 sechs und in Stufe 6 vier Stunden Sportunterricht in der Woche, dazu zwei Trainingsstunden bei örtlichen Sportvereinen, abwechselnd in Hockey oder Tennis. Eine freiwillige Skifreizeit wird in Jahrgangsstufe 8 angeboten. Außerdem organisiert die Schule regelmäßige Sportveranstaltungen; neben den Bundesjugendspielen in Leichtathletik gehört dazu der Riedlauf in der Woche vor den Herbstferien. Die Schule beteiligte sich erfolgreich an verschiedenen Mannschaftswettbewerben bei Jugend trainiert für Olympia. In den Schwerpunktklassen Musik der Jahrgangsstufe 5 und 6 erlernen die Schüler ein Orchesterinstrument. Hierzu erhalten sie in der Woche eine Stunde Instrumentalunterricht in Kooperation mit der Musikschule Bergen-Enkheim sowie eine Stunde Orchester. In den Klassen 7 bis 9 bilden interessierte Schüler mit Schwerpunkt Musik eine eigene Klasse. In der Oberstufe werden neben Musik-Grundkursen auch ein Musik-Leistungskurs angeboten. Die Schule am Ried hat zwei Chöre (Jahrgänge 5/6 und Jahrgänge 7–12) sowie zwei Orchester (Vororchester der Jahrgänge 5–8, Großes Orchester der Jahrgänge 7–12). Jährlich werden zwei Schulkonzerte veranstaltet, in der Regel in der Stadthalle Bergen. Chor- und Orchesterproben für die Konzerte finden im Rahmen einer Schulfreizeit auf Burg Breuberg im Odenwald statt.