Ich, die Unwürdigste von allen (Originaltitel: Yo, la peor de todas) ist ein argentinisches biografisches Drama der Regisseurin María Luisa Bemberg, die auch das Drehbuch gemeinsam mit Antonio Larreta verfasste. Der Film hatte am 9. August 1990 seine Erstaufführung, und die Hauptrollen wurden von Assumpta Serna, Dominique Sanda, Hector Alterio und Lautaro Murúa gespielt. In Deutschland wurde er am 5. April 1992 im ZDF unter dem Namen Ich, die Schlechteste von allen ausgestrahlt.

Der Film beschreibt die letzten Lebensjahre der Schriftstellerin, Philosophin und hieronymitischen Nonne Sor Juana Inés de la Cruz (1648–1695) und basiert auf dem Essayband Sor Juana Inés de la Cruz oder die Fallstricke des Glaubens von Octavio Paz.

Handlung

Im Mexiko des 17. Jahrhunderts treffen die beiden neugewählten höchsten Autoritäten des Vizekönigreichs Neuspanien aufeinander: Der Vizekönig vertritt die spanische Krone, der Erzbischof die katholische Kirche. Die Spannung zwischen weltlicher und geistlicher Macht ist sofort spürbar: Während der Vizekönig eine aufgeklärte Sicht vertritt, macht sich der frauenfeindliche Erzbischof große Sorgen über den vermeintlichen Verfall der Sitten.

Der Vizekönig hatte in Spanien viel über die Nonne Sor Juana gehört, die für ihre literarische Begabung große Beachtung genoss. Nun möchte er sie persönlich kennenlernen. Zu diesem Zweck bereitet das Kloster einen Empfang zu Ehren des Vizekönigs und der Vizekönigin vor. Bei diesem werden auch der Erzbischof und andere hochrangige Persönlichkeiten wie der aufgeklärte Universalgelehrte Sigüenza anwesend sein. Es wird ein Theaterstück von Sor Juana aufgeführt. Das anschließende Gespräch mit ihr beeindrucken den Vizekönig und seine Frau sehr.

Dem Erzbischof missfällt es hingegen, dass es im Kloster so locker und fröhlich zugeht. Er trifft sich heimlich mit einigen Schwestern, die er für vertrauenswürdig hält. Gemeinsam organisieren sie eine Kampagne, um die aktuelle Äbtissin durch eine strengere abzulösen und den vermeintlichen Verfall der Sitten im Kloster zu beenden.

Die Vizekönigin besucht Sor Juana, und die beiden Frauen kommen sich näher. Die Vizekönigin erkennt Parallelen zwischen ihren Lebenssituationen. Sie erzählt von einem Autodafé, bei dem sie Zeuge davon wurde, wie Hunderte Unschuldige verbrannt wurden. Sie bittet Sor Juana, vorsichtig zu sein mit dem, was sie sagt oder liest, und äußert den Wunsch, Freundinnen zu werden. In weiteren Treffen zwischen der Vizekönigin und Sor Juana erfahren wir, dass Sor Juana Hofdame war, bevor sie Nonne wurde. Eine frühere Vizekönigin hatte sie an den Hof geholt, für ihre Ausbildung gesorgt und sie gefördert. In einer Rückblende sieht man Juana in weltlicher Kleidung und mit aufwendiger Frisur. Strahlend beantwortet sie die Fragen einer Reihe älterer Gelehrter zur vollsten Zufriedenheit und erntet dafür ihre begeisterte Anerkennung. Zwischen ihnen sitzt ein junger Mann, der sie voller Bewunderung betrachtet. Später, als Juana allein im Garten ist, sucht er sie auf, flirtet mit ihr und küsst sie.

Der Erzbischof versucht, die Bücher von Sor Juana beschlagnahmen zu lassen, da sie mehrere Gedichte über die Vizekönigin verfasst hat, die er als sündhaft bezeichnet. Doch der Vizekönig interveniert und Sor Juana darf die Bücher zunächst behalten. Die Vizekönigin versichert Sor Juana, dass sie, solange sie und ihr Mann in Mexiko sind, unter ihrem Schutz stehen werde. In diesen Jahren verfasst Sor Juana den Großteil ihres lyrischen Werks. Sie setzt sich in vielen Texten für das Recht der Frauen auf Wissen und Bildung ein und vertritt die Ansicht, dass der Verstand und die Seele einer Frau kein Geschlecht haben, ebenso wenig wie die der Männer. Bei einem weiteren Treffen bittet die Vizekönigin Sor Juana, ihre Kopfbedeckung als Nonne abzunehmen. Überrascht gehorcht sie zögerlich. Als Sor Juana nur noch ihre Unterhaube trägt, nimmt die Vizekönigin ihr diese ab, streichelt ihr kurz geschnittenes Haar und küsst sie auf den Mund.

Die Macht der Inquisition nimmt zu und viele Bücher werden verbrannt. Sor Juanas Beichtvater Pater Miranda, der sie zuvor unterstützt und verteidigt hatte, versucht nun, sie davon zu überzeugen, nicht mehr zu schreiben. Der Vizekönig wird abgelöst und muss gemeinsam mit der Vizekönigin nach Spanien zurückkehren. Bevor er abreist, besucht er Sor Juana und bittet sie, der Vizekönigin die Erlaubnis zu erteilen, ihre Werke mitzunehmen und in Spanien zu veröffentlichen. Sor Juana willigt ein.

Der Bischof Santa Cruz, ein politischer Gegner des Erzbischofs, ermutigt Sor Juana, eine Gegendarstellung zu einem der Lieblingstheologen des Erzbischofs zu verfassen. Sor Juana kommt dieser Bitte nur deswegen nach, weil er ihr versichert, dass das Schriftstück nur für den privaten Umlauf bestimmt ist. Das Werk wird jedoch zusammen mit einem Angriff auf Sor Juana veröffentlicht, der angeblich von einer anderen Nonne verfasst wurde und hinter dem der Bischof steckt. Jetzt ohne jeglichen Schutz fällt sie in Ungnade und ihr gesamtes Werk wird verurteilt.

In Spanien ist der erste Band mit Gedichten von Sor Juana erschienen. Die ehemalige Vizekönigin beauftragt Sigüenza, Sor Juana ein Exemplar zu bringen. Diese lebt jedoch zurückgezogen und in Armut in der Abtei und beantwortet keine Briefe mehr. Pater Miranda hat ihr befohlen, Buße zu tun, indem sie auf all ihre weltlichen Besitztümer verzichtet. Als letzten Akt der Reue schreibt Sor Juana einen Brief an das Oberhaupt der Kirche, in dem sie gesteht, ihr Leben wie eine Heidin gelebt zu haben. Inzwischen braucht sie eine Brille, um lesen zu können. Nachdem sie den Brief öffentlich vorgelesen hat, zerbricht sie die Brillengläser mit der Hand und unterzeichnet den Text mit dem Blut ihrer verletzten Hand mit den Worten: „Ich, die Unwürdigste von allen.“

Kritik

In seiner Kritik für das Lexikon des internationalen Films schreibt Johannes Horstmann, dass Maria Luisa Bemberg Sor Juana als eine Frau zeichnet, „die kämpft, um sie selbst sein zu dürfen: Dichterin, Intellektuelle und keinem Mann unterworfen“. Er betont ihre brisante Aktualität als Frau, „die einer Männerkirche zum Dorn im Auge wird“, weil sie auf einem autonomen weiblichen Lebensentwurf bestehe und gesellschaftliche sowie kirchliche Rollenzuweisungen negiere. Er hob die Beherrschung der Kunst des präzise gesetzten, knappen Hinweises und der dramaturgischen Konzentration auf das Wesentliche durch Maria Luisa Bemberg hervor, die dem Interpretationsansatz Octavio Paz’ folget, aber ihn aus feministischer Perspektive akzentuiere.

Auszeichnungen (Auswahl)

Internationale Filmfestspiele von Venedig 1990 OCIC-Preis – Lobende Erwähnung

Huelva International Film Festival 1990 Colón de Oro des Publikums für den besten Spielfilm

Cóndor de Plata 1991 Bestes Szenenbild für Esmeralda Almonacid Bestes Drehbuch für María Luisa Bemberg und Antonio Larreta

Cartagena Film Festival 1991 Bester Film für María Luisa Bemberg

ACE Cinema Awards 1996 Beste Schauspielerin für Assumpta Serna

Literatur Octavio Paz: Sor Juana Inés de la Cruz oder die Fallstricke des Glaubens, übers. von Maria Bamberg, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-518-40339-7

Weblinks Yo, la peor de todas: Informationen und Film in der Website von Maria Luisa Bemberg Emilie Bergmann: Abjection and Ambiguity: Lesbian Desire in Bemberg's Yo, la peor de todas Information über Yo, la peor de todas in der Website von Cine Nacional

Einzelnachweise

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