Johan Wilhelm Heinrich Giess (* 21. Februar 1910 in Frankfurt am Main; † 28. September 2000 in Swakopmund), auch als Willi Giess zitiert, war ein deutscher beziehungsweise namibischer Botaniker und Pflanzensammler. Er war Mitbegründer des staatlichen Herbariums in Windhoek, sammelte umfangreich Pflanzen in Namibia und trug zur Erforschung der Flora des damaligen Südwestafrika bei. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.
Leben Giess kam im Februar 1926 mit seinen Eltern nach Südwestafrika. Er gehörte zu den ersten Studierenden des Agricultural College of Neudamm bei Windhoek und wandte sich anschließend der Landwirtschaft zu. Von 1931 bis 1933 war er am Institut für Tierzucht der Universität Halle tätig, wo er sich auf die Zucht von Karakulschafen spezialisierte. Nach seiner Rückkehr nach Südwestafrika leitete er zunächst eine Karakul-Farm und erwarb 1937 eine eigene Farm bei Dornfontein Süd.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Giess zusammen mit anderen Deutschen in Südafrika interniert. Das Internierungslager Andalusia befand sich bei dem heutigen Jan Kempdorp. Während seiner Internierung erhielt er unter der Leitung des Botanikers Otto Heinrich Volk Unterricht in Botanik. Volk hatte für die Internierten wissenschaftliche Lehrveranstaltungen organisiert; die während dieser Zeit erworbenen Kenntnisse wurden nach Kriegsende als Hochschulbildung anerkannt.
Neben dem theoretischen Unterricht vermittelte Volk praktische botanische Kenntnisse. Gemeinsam mit anderen Internierten legte Giess ein Herbarium aus den innerhalb des Lagergeländes vorkommenden Pflanzen an. Außerdem entstand ein Bestimmungsschlüssel für die Gattungen der südwestafrikanischen Gräser unter dem Titel Bestimmungsschlüssel für Südwest-Afrikanische Grasgattungen. Das Werk wurde mit Holzschnitten illustriert und mit aus Zahnpastatuben gewonnenem Blei gesetzt. Teile des Satzmaterials und der Druckstöcke werden im Museum von Swakopmund aufbewahrt.
Nach seiner Entlassung wurde Giess zunächst als Pflanzensammler an der Universität Stellenbosch beschäftigt. 1953 erhielt er das Angebot, die Stelle des Kurators eines in Windhoek geplanten staatlichen Herbariums zu übernehmen.
Den Grundstock des neuen Herbariums bildete eine Schenkung von 2000 Pflanzenbelegen durch den Initiator des Vorhabens, den Botaniker Heinrich Walter von der Universität Hohenheim. Giess baute in den folgenden vier Jahren die Infrastruktur des Herbariums auf und arbeitete daneben weiterhin auf seiner Farm. Nachdem die Verwaltung von Südwestafrika 1957 die Leitung des Herbariums übernommen hatte, wurde ihm die Kuratorenstelle dauerhaft übertragen. Dieses Amt übte er bis zu seiner Pensionierung 1975 aus.
Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand arbeitete Giess unter seinem Nachfolger M. A. N. Müller weiter mit dem Herbarium zusammen. Während seiner Tätigkeit sammelte er etwa 18.750 sorgfältig beschriftete Pflanzenbelege, die sich in den Herbarien BM, K, LUA, M, NBG, P, PRE und WIND befinden. Seine Sammelreisen führten ihn durch weite Teile Namibias, darunter in abgelegene Gebiete am Okavango, zum Brandbergmassiv, nach Lüderitz, in das Erongogebirge und in das Kaokoveld.
Giess war von 1968 bis 1991 Gründungsherausgeber der botanischen Fachzeitschrift Dinteria. Außerdem erstellte er eine Preliminary Vegetation Map of South West Africa, die 1971 erschien, sowie die 1989 veröffentlichte Bibliography of South West African Botany.
Auszeichnungen und Dedikationsnamen 1968: Silberne Linné-Medaille der Royal Academy of Sciences 1980: Goldmedaille der South African Academy of Sciences 1980: Anerkennung durch die Bayerische Akademie der Wissenschaften für seine Beiträge zu Hermann Merxmüllers Prodromus einer Flora von Südwestafrika
Nach Giess wurden zahlreiche Pflanzentaxa benannt, darunter Isoetes giessii , Aizoon giessii , Salsola giessii , Crassula ausensis subsp. giessii , Indigofera giessii , Zygophyllum giessii , Euphorbia giessii , Commiphora giessii , Heliotropium giessii , Jamesbrittenia giessii , Petalidium giessii , Eriocephalus giessii (ined.), Senecio giessii , Lachenalia giessii , Stipagrostis giessii .. Er wurde zudem mit der Käferart Zophosis giessi sowie mit der Termitenart Okavangotermes giessi geehrt.
Schriften (Auswahl)
Literatur
Hugh F. Glen, Gerrit Germishuizen (Hrsg.): Botanical exploration of southern Africa. 2. Aufl., Strelitzia 26, South African National Biodiversity Institute, Pretoria 2010, ISBN 978-1-919976-54-9, S. 189–190. (auf biodiversitylibrary.org)
Einzelnachweise
Kategorie:Botaniker (20. Jahrhundert) Kategorie:Kurator einer naturwissenschaftlichen Sammlung Kategorie:Deutscher Kategorie:Namibier Kategorie:Geboren 1910 Kategorie:Gestorben 2000 Kategorie:Mann Kategorie:Deutscher Emigrant in Namibia