Die deutschen Jahrescharts sind eine Chartauswertung des Marktforschungsunternehmens GfK Entertainment, die jährlich veröffentlicht wird. Sie beinhalten die erfolgreichsten Werke auf dem Musikmarkt eines Jahres.

Allgemeine Informationen und Qualifikationskriterien

Die deutschen Jahrescharts (auch deutsche Jahreshitparade) werden aktuell im Auftrag des Bundesverbands Musikindustrie vom deutschen Marktforschungsunternehmen GfK Entertainment ermittelt. Sie erfassen Verkäufe von Bild- beziehungsweise Tonträgern, Downloads und Musikstreamings sowie Radioeinsätze und werden analog der Regeln der Airplay Top 300, Album Top 100, Compilation Top 30 sowie der Single Top 100 für den kumulierten Zeitraum Dezember bis November ermittelt.

Die Jahrescharts beruhten zu Beginn auf Händlerbefragungen und Musikbox-Kontrollen, es zählte also neben dem Schallplattenverkauf auch, wie oft ein Titel in den Musikboxen ausgewählt wurde. In den 1990er-Jahren erfolgte zunächst die Änderung auf eine verkaufsorientierte Rangliste. Seit 2007 werden in Deutschland „Werte-Charts“ ermittelt. Das bedeutet, dass nicht mehr die verkaufte Stückzahl entscheidend ist, sondern der damit erzielte Umsatz.

Geschichte Die ersten offiziellen Jahrescharts der Bundesrepublik Deutschland wurden für die erfolgreichsten Singles des Jahres 1959 erhoben. Die Publikation erfolgte am 20. Dezember 1959 durch den Musikmarkt, der zu diesem Zeitpunkt auch für die Erhebung der deutschen Singlecharts zuständig zeichnete. Seit diesem Jahrgang werden jährlich Single-Jahrescharts erhoben. Es gibt verschiedene Quellen, unter anderem von Günter Ehnert und Wolfgang Gröhl, die teilweise bis ins Jahr 1930 die „Hits des Jahres“ ausgewertet haben, jedoch weichen diese Daten untereinander ab und stammen von keinem offiziellen Chartermittler.

Nachdem am 15. Juli 1962 die deutschen Albumcharts eingeführt wurden, erschien für das Kalenderjahr 1963 auch erstmals eine Jahreshitparade für Musikalben, die ab diesem Zeitpunkt ebenfalls jedes Jahr erhoben wird. Ab dem 6. April 1976 folgte die Erhebung von Airplaycharts durch die Firma Media Control sowie ab 1977 die Publikation jährlicher Chartauswertungen. Die Ermittlung der deutschen Musikcharts wurde ab September 1977 ebenfalls auf Media Control übertragen; 2003 stieg die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit in die Chartermittlung ein, daraus entstand zunächst media control GfK International. Während dieser Zusammenarbeit wurden mit den Jazz-Jahrescharts erstmals weitere Jahresauswertungen im Jahr 2006 erhoben.Jahresauswertung 2006. Musikmarkt, 01/2007, 5. Januar 2007. Ab 2013 übernahm die GfK Entertainment vollständig die Chartermittlung. Mit der vollkommenen Übernahme der GfK wurden fortan weitere Jahreschartsauswertungen publiziert, so unter anderem ab dem Kalenderjahr 2012 regelmäßig Compilation- und Streaming-Jahrescharts sowie in unregelmäßigen Abständen verschiedene Genre-Jahrescharts.

Als Pendant zum wöchentlichen Nummer 1 Award werden seit 2018 auch Jahresawards für die Spitzenreiter der Album- und Single-Jahrescharts verliehen. Während der erste Album-Jahresaward an Helene Fischer und ihr selbst betiteltes Studioalbum Helene Fischer ging, erhielten Dynoro und Gigi D’Agostino für ihre Kollaboration In My Mind den ersten Single-Jahresaward.

Meilensteine Single-Jahrescharts

Als erster Nummer-eins-Hit der Single-Jahrescharts wurde am 20. Dezember 1959 Freddy Quinns Die Gitarre und das Meer gekürt. Der österreichische Sänger ist neben seinem Landsmann DJ Ötzi der einzige Sänger, dem es zweimal gelang, die Chartspitze der Single-Jahrescharts zu belegen. Zusammen mit dem deutschen Rapper Apache 207 ist er auch der einzige, der sich viermal in den Top 3 der Jahrescharts platzieren konnte. Der erfolgreichste Produzent in den Single-Jahreschart ist Horst Nußbaum (Jack White), dem mit Komm gib mir deine Hand (Tony Marshall), Self Control (Laura Branigan) und Looking for Freedom (David Hasselhoff) drei Nummer-eins-Erfolge gelang. White zeichnete zugleich für den Schreibprozess von Komm gib mir deine Hand und Looking for Freedom verantwortlich, womit er auch zu den erfolgreichsten Autoren gehört. Ebenfalls zwei Nummer-eins-Hits schrieben Pierre Kartner, Lotar Olias und Nadir Khayat (RedOne). Die meisten Top-3-Platzierungen als Autor und Produzenten landete Dieter Bohlen. Diesem gelang es im Jahr 2003 als Autor und Produzent die kompletten Top 3 zu belegen. In der Geschichte der Single-Jahrescharts konnten sich lediglich die beiden Lieder Dance Monkey (Tones and I) und Roller (Apache 207) wiederholt in den Top 3 platzieren.

Album-Jahrescharts

Der erste Nummer-eins-Erfolg in den Album-Jahrescharts war My Fair Lady – Deutsche Originalaufnahme. Das Musicalalbum zur deutschsprachigen Aufführung von My Fair Lady platzierte sich in den Jahren 1963 bis 1965 dreimal in Folge an der Chartspitze. Darüber hinaus erreichte das Album im Jahr 1966 nochmals den zweiten Rang. Kein anderes Album konnte sich so oft an der Chartspitze oder in den Top 3 platzieren. Während es einige Alben wiederholt in die Top 3 schafften, konnten sich lediglich 1962–1966 (The Beatles) und Wish You Were Here (Pink Floyd) dreimal in den Top 3 platzieren. Am erfolgreichsten war die deutsche Schlagersängerin Helene Fischer, diese konnte sich in den Jahren 2013 bis 2015 mit den Alben Farbenspiel und Weihnachten drei Jahre in Folge an der Chartspitze platzieren. In den Jahren 2017 und 2018 platziere sie sich ebenfalls wiederkehrend mit Helene Fischer an der Chartspitze. Damit belegte sie in sechs Jahren fünfmal den ersten Rang, so oft wie kein Anderer. Die meisten Top-3-Platzierungen konnte Herbert Grönemeyer für sich verbuchen, der sich insgesamt acht Mal in den Top 3 platzierte. Das erfolgreichste Musiklabel ist Polydor mit neun Nummer-ein-Erfolgen, während die Universal Music Group mit 17 Nummer-eins-Alben der erfolgreichste Vertreiber ist. Zwischen den Jahren 2021 und 2025 platzierten sich fünfmal in Folge von Universal Music vertriebene Alben an der Chartspitze. Zwischen den Jahren 2001 und 2022 war immer ein deutscher Interpret in den Top 3 vertreten.

Chartauswertungen Aktuelle Chartauswertungen Single-Jahrescharts (seit 1959) Album-Jahrescharts (seit 1963) Airplay-Jahrescharts (seit 1977)Top 50 – Media Control Jahres-Rundfunk-Hitparade 1977. Musikmarkt, 24/1977, 15. Dezember 1977. Jazz-Jahrescharts (seit 2006) Konservativ-Pop-Airplay-Jahrescharts (seit 2008) Klassik-Jahrescharts (seit 2010) Compilation-Jahrescharts (seit 2012) Streaming-Jahrescharts (seit 2012) Vinyl-Jahrescharts (seit 2016) Schlager-Jahrescharts (2019–2022; seit 2024) Hip-Hop-Jahrescharts (2022; seit 2025)

Ehemalige Chartauswertungen Independent-Jahrescharts (2011–2013) Newcomer-Jahrescharts (2011–2012) Jugend-Airplay-Jahrescharts (2008–2015) Mainstream-Airplay-Jahrescharts (2008–2015)

Kritik Als Mitte der 1960er-Jahre die Beatles und Rolling Stones für die erste „Absatzkrise“ deutscher Musik sorgten, nutzte die heimische Plattenindustrie die Hitparade als „Wettbewerbsinstrument“. Durch Bargeld-Bestechung, vorgegebene Fragebögen oder auch Werbeartikel beeinflussten Handelsvertreter die Händlerbefragungen. Hierdurch gerieten die Jahreshitparaden in Verruf. 1977 übernahm Media Control die Auswertung der deutschen Musikcharts, hielt jedoch an der Ermittlung der Jahrescharts fest. In den 1990er-Jahren kam es zu mehreren Prozessen wegen Wettbewerbsverzerrung, daraufhin wurde die Ermittlung auf ein verkaufsorientiertes elektronisches System an den Kassen umgestellt.

Jahreshitparade in der Deutschen Demokratischen Republik In der DDR gab es keine Hitparaden nach Verkaufszahlen, wie sie aus der Bundesrepublik Deutschland und dem späteren Gesamtdeutschland bekannt sind. Gründe waren unter anderem die begrenzte Verfügbarkeit von Vinylacetat und unterschiedlich hohe Auflagen. So verkaufte sich das Puhdys-Album Rock ’n’ Roll Music (1976) etwa eine Million Mal, während I.L.D. von Rockhaus (1988) nur rund 20.000 Exemplare erreichte. Zudem wurden viele populäre Lieder zunächst als Rundfunkproduktionen veröffentlicht und im Radio gespielt, ohne als Tonträger zu erscheinen. Verkaufszahlen bildeten daher nur einen unvollständigen Maßstab für die Popularität eines Werkes. Stattdessen ermittelten Radio- und Fernsehsendungen wie Beatkiste, DT Metronom, Tip-Disko und Tip-Parade die beliebtesten Titel. Aus diesen Wertungen entstanden unter anderem die „Hits des Jahres“, die von 1975 bis 1990 ausgewertet wurden.

Liste der Nummer-eins-Hits 1975: Veronika Fischer – In jener Nacht 1976: Puhdys – Lebenszeit 1977: Puhdys – Erinnerung 1978: Karat – König der Welt 1979: Puhdys – Doch die Gitter schweigen 1980: Lift – Am Abend mancher Tage 1981: Puhdys – He, John 1982: Puhdys – Der Außenseiter 1983: Berluc – No Bomb 1984: Puhdys – Rockerrente 1985: Perl – Zeit, die nie vergeht 1986: Stern Meißen – Nicht allein 1987: City – Casablanca 1988: Rockhaus – I.L.D. 1989: Rockhaus – Mich zu lieben 1990: Rockhaus – Wohin?

Literatur Götz Hintze: Rocklexikon der DDR. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1999, ISBN 3-89602-303-9.

Weblinks Deutsche Jahrescharts beim Bundesverband Musikindustrie Deutsche Jahrescharts bei GfK Entertainment

Einzelnachweise

Jahrescharts