Spaziergang nach Syrakus ist ein deutscher Spielfilm von Lars Jessen aus dem Jahr 2026, der lose auf der Erzählung Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus (1995) von Friedrich Christian Delius basiert. Diese wiederum orientiert sich an der Biografie des DDR-Bürgers Klaus Müller. Der Film beleuchtet die Sehnsucht nach Freiheit und Reisen in der restriktiven Umgebung der DDR der 1980er Jahre.
Handlung Protagonist des Films ist der Rostocker Kellner Paul Gompitz. Zu Beginn des Films, im Jahre 1982, arbeitet er auf einem Ausflugsdampfer im Greifswalder Bodden. Gompitz wird als freiheitsliebender Mensch dargestellt: „Schon als kleiner Junge, wenn die Tür zuschlug, war meine erste Reaktion: raus“. Studieren konnte er nicht, weil es ihm am Enthusiasmus für Staatsbürgerkunde mangelte.
Inspiriert von Johann Gottfried Seumes Reisebericht Spaziergang nach Syrakus (1802) entwickelt er den Wunsch, italienische Kunst und Kultur kennenzulernen und bis nach Sizilien zu reisen. Da diese Reisen von staatlicher Seite verboten sind, bereitet Paul sich sieben Jahre lang akribisch auf eine Ausreise über die Ostsee vor: vom Segeltraining über den Erwerb von Radar- und Funkkenntnissen bis hin zur geheimen Beschaffung von Devisen – Vorbereitungen einer Reise, die Paul allerdings nicht als „Flucht“ definiert, denn er will zurückkommen in seine Heimat und zu seiner Frau.
Pauls Beziehung zu seiner Frau Anne, einer Krankenhausärztin, mit der er sein privates Glück gefunden hat, wird durch Pauls Heimlichtuerei um seine Reisevorbereitung zunehmend belastet. Paul verheimlicht Anne seine Pläne, da sie sich als Mitwisserin einer Republikflucht mitschuldig gemacht hätte. Schließlich beginnt Paul seine Reise: nachts im Segelboot über die Ostsee nach Dänemark, weiter über Bochum und über die Alpen und in verschiedene italienische Städte bis nach Sizilien. Paul kehrt 1989 im Herbst zurück nach Rostock und besucht Syrakus erst wieder 2006.
Das Trennende wie das Verbindende der Eheleute Paul und Anne dient als romantisches Motiv der Sehnsucht im Laufe des Films als emotionale Ebene der Reflexion politisch verwehrter Freizügigkeit: zu gehen, wenn es einem verwehrt wird, aber dann auch zurückzukehren in freier Entscheidung. Der Film zeigt Pauls Reise-Etappen größtenteils als Schlaglichter auf Orte und Begegnungen. Die jeweiligen Zeitebenen werden durch postkartenartige Filmszenen verdeutlicht.
Veröffentlichung Der Film startete in Deutschland am 20. August 2026 in den Kinos.
Rezeption Der Film wurde im Juni und Juli 2026 auf dem Filmfest München gezeigtKalender (abgerufen am 6. September 2026) und erhielt Aufmerksamkeit für seine einfühlsame Darstellung einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Kritiker lobten die sorgfältige Inszenierung, die introspektive Erzählweise und die subtile Darstellung des Alltagslebens in der DDR. Gleichzeitig wurde die distanzierte filmische Form und die mangelnde Spannung einzelner Szenen bemängelt.
Das Filmportal Filmstarts widmete dem Film eine ausführliche Analyse, lobte die Leistung des „brillanten Hauptdarsteller-Duos“ mit dem Fazit, dass es sich bei Lars Jessens „historischer Tragikomödie mit Reisedoku-Versatzstücken“ um „eine sensible Betrachtung von Themen wie Fernweh, Rebellion, Selbstbehauptung und dem Wunsch nach Zugehörigkeit“ handele. Die Fluchtvorbereitung werde jedoch langatmig dargestellt und fühle sich „arg zäh“ an.Spaziergang nach Syrakus filmstarts.de, abgerufen am 21. August 2026
Der Kritiker des Stern sieht den Film in der Tradition von Sonnenallee, Good Bye, Lenin! oder Go Trabi Go. Der Film interessiere sich weniger für die Frage, wie man entkommt, als für die Frage, was danach kommt. Die Geschichte, die bis in die Zeit nach dem Mauerfall reiche, zeige einen Mann, „der seine Freiheit tatsächlich bekommt - und trotzdem nicht weiß, wohin er gehört“, und das mache den Film überraschend gegenwärtig.Kein bleischwerer DDR-Film Der Stern, 20. August 2026, abgerufen am 21. August 2026
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kritisiert einerseits die Sprunghaftigkeit des Films, andererseits aber wünscht sich der Autor Edo Reents, dass der Regisseur und die Drehbuchautoren dem Film „etwas mehr Zeit gelassen hätte, um manches zu vertiefen, ja, überhaupt zu erklären. Eine Stunde zusätzlich hätte bestimmt nicht geschadet“.
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