mini|Petrarcas Laura Die Unbekannte ist ein Gedicht von Heinrich Heine, das als sechzehntes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist. Das Gedicht wurde erstmals abgedruckt in der Zeitung für die elegante Welt vom 31. Mai 1842. Es besteht aus 8 ungereimten Strophen aus trochäischen Vierhebern.

Text Meiner goldgelockten Schönen Weiß ich täglich zu begegnen, In dem Tuileriengarten, Unter den Kastanienbäumen.

Täglich geht sie dort spazieren Mit zwei häßlich alten Damen — Sind es Tanten? Sind’s Dragoner, Die vermummt in Weiberröcken?

Niemand könnt mir Auskunft geben, Wer sie sei? Bei allen Freunden Frug ich nach, und stets vergebens! Ich erkrankte fast vor Sehnsucht.

Eingeschüchtert von dem Schnurrbart Ihrer zwei Begleiterinnen, Und von meinem eignen Herzen Noch viel strenger eingeschüchtert,

Wagt' ich nie ein seufzend Wörtchen Im Vorübergeh’n zu flüstern, Und ich wagte kaum mit Blicken Meine Flamme zu bekunden.

Heute erst hab’ ich erfahren Ihren Namen. Laura heißt sie, Wie die schöne Provenzalin, Die der große Dichter liebte.

Laura heißt sie! Nun da bin ich Just so weit wie einst Petrarcha Der das schöne Weib gefeiert In Canzonen und Sonetten.

Laura heißt sie! Wie Petrarcha Kann ich jetzt platonisch schwelgen In dem Wohllaut dieses Namens — Weiter hat er’s nie gebracht.Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 80f.

Hintergrund und Deutung Das lyrische Ich begegnet als ein Pariser Flaneur im Garten der Tuilerien einer unbekannten Schönen, begleitet von zwei älteren Anstandsdamen, schnurrbärtig und furchteinflößend wie zwei Dragoner. Nach vielen Bemühungen erfährt er, dass der Name der Schönen Laura sei, genau wie die von Francesco Petrarca aus der Ferne Geliebte Laura de Noves, mit dem er sich ironisch identifiziert, insofern auch ihm nichts übrig bleiben wird, als aus der Ferne „platonisch [zu] schwelgen in dem Wohllaut dieses Namens“ und auf die Angebetete Kanzonen und Sonette zu dichten.

Vertont wurde das Gedicht nur einmal von Don Forsythe (Romanzen, no. 16, Gesang und Klavier, ca. 2008).

Ausgaben Erstdruck: Die Unbekannte. In: Zeitung für die elegante Welt, 31. Mai 1842. Erstausgabe: Die Unbekannte. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 196–198.

Werkausgaben: Die Unbekannte. In: Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Band 2: Neue Gedichte. Bearbeitet von Elisabeth Genton. Hoffmann & Campe, Hamburg 1983, ISBN 3-455-03002-5, S. 88f. Die Unbekannte. In: Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 80f. Die Unbekannte. In: Werke und Briefe in zehn Bänden. 2. Auflage. Band 1. Aufbau, Berlin und Weimar 1972, .

Literatur Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 358f. Jeffrey L. Sammons: Heinrich Heine, the Elusive Poet. Yale University Press, New Haven und London 1969, S. 204.

Weblinks

Die Unbekannte im LiederNet Archive

Einzelnachweise Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, S. 358f. Die Unbekannte im LiederNet Archive, abgerufen am 20. August 2026.

Kategorie:Gedicht Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Werk von Heinrich Heine Kategorie:Literatur (Deutsch)