Ermengard von Narbonne (okzitanisch Ermengarda de Narbona, französisch Ermengarde de Narbonne, in lateinischen Briefen Ermengardis, vicecomitissa Narbone, geboren zwischen 1127 und 1129, gestorben 1196 oder 1197) war von 1134 bis 1192 Herrscherin über die Vizegrafschaft Narbonne.
Leben mini|hochkant=1.5|Karte der Vizegrafschaft Narbonne (am Meer, im Süden) und benachbarte Gebiete des Midi. Ermengard war die Tochter des Vizegrafen Aymeric II. Sie hatte keine überlebenden Brüder aber eine jüngere Halbschwester. Ihre Mutter war zwischen 1126 und 1130 aus politischen Gründen verstoßen worden. Ihr Vater verstarb 1134 bei der Schlacht von Fraga, so dass sie im Alter von etwa 6 Jahren faktisch Vollwaise wurde, und gleichzeitig Vizegräfin.
Der Midi war damals geprägt von Machtkämpfen zwischen den Grafen von Toulouse und den Grafen von Barcelona (ab 1137: Könige von Aragón) sowie Aquitanien, das mit England verbunden war. Die wohlhabende Vizegrafschaft Narbonne gehörte zur Grafschaft Toulouse. Alfons Jordan von Toulouse bemühte sich, die junge Ermengard zu heiraten und dadurch die Vizegrafschaft zu übernehmen, sein Plan scheiterte jedoch. Statt ihm heiratete Ermengard Ende 1142 oder Anfang 1143 Don Bernard d'Anduze. Seine Familie gehörte zum Haus Montpellier und war mit Barcelona alliiert. Ermengard war dabei etwa 14, während ihr Mann bereits verwitwet war und mehrere Kinder hatte. Durch diese Hochzeit gelang es ihr, die Eigenständigkeit der Vizegrafschaft zu bewahren.
Ermengard blieb kinderlos. Nach dem Tod ihres Mannes verbündete sie sich 1167, mit ungefähr 39 Jahren, mit einem ihrer Neffen, der wie ihr Vater Aymeric hieß. Dieser zog sich jedoch schon bald in die nahegelegene Abbaye de Fontfroide, ein Zisterzienser-Kloster, zurück. Daher verbündete sich Ermengard mit einem weiteren Neffen, Pierre-Manrique de Lara, der jedoch erst ab 1188 wirklich in Narbonne lebte. Dadurch konnte sie für etwa ein Jahrzehnt die Verwaltung ihres Fürstentums frei regeln, ohne auf einen Mann an ihrer Seite Rücksicht nehmen zu müssen.
In ihren späteren Jahren wurde Ermengard krank und verlor zunehmend an Einfluss. Ihr Neffe Pierre riss die Macht an sich und nannte sich ab 1192 ohne ihre Zustimmung Vizegraf von Narbonne. Sie versuchte Partnerschaften zu schmieden, um ihre Entmachtung rückgängig zu machen. Die Herren von Fabrezan verrieten sie jedoch. Schließlich erklärte sie sich bereit, ihren Neffen zu begnadigen sofern dieser ihre testamentarischen Verfügungen beachten würde. Andernfalls drohte sie, den Grafen von Toulouse als ihren Alleinerben einzusetzen.
Ihr Lebensende verbrachte Ermengard im Exil in Katalonien. Ihr Wunsch, ihre Güter in Albars, Coursn und Pérignan an Ordensgemeinschaften zu übertragen, wurde nicht respektiert.
Kultur Auch heute noch wird Ermengards Hof eng mit der okzitanischen Trobadordichtung verbunden. Er gilt als ein Zentrum der intellektuellen Erweckung des 12. Jahrhunderts. Sie förderte die Trobadore, aber ebenso Juristen und die ersten Ärzte, die sich in der Stadt nieder ließen.
Politik und Kampfhandlungen Im Laufe der Jahre etablierte sich Ermengard als wichtige Persönlichkeit im Midi. Sie verteidigte mit großem Geschick die Interessen und die Selbstständigkeit ihrer Vizegrafschaft in einem oft komplizierten politischen Umfeld, indem sie mit den Mächtigen verhandelte. Sie blieb den Grafen von Barcelona gegenüber loyal, ohne jene von Toulouse völlig zu verstimmen. Obwohl sie eine Frau wahr erhielt sie vom König von Frankreich die Erlaubnis Recht zu sprechen.
1148, also im Alter von etwa 20 Jahren, nahm Ermengard an der Eroberung von Tortosa teil. Die katalanische Stadt wurde durch diese im Rahmen des Zweiten Kreuzzugs von den Mauren für den Grafen von Barcelona, Raimund Berengar IV. gewonnen.
1155 und 1162 nahm sie an der Belagerung der Burg von Les Baux-de-Provence teil. Dazwischen, 1159, war sie vor Toulouse Teil einer Streitmacht mit dem König von England, dem Prinz von Aragon und etlichen anderen Edelleuten aus dem Midi. Schon über 54-jährig nahm sie 1182 an der Belagerung des Puy Saint Front in Périgueux teil. Möglicherweise ist sie hier Eleonore von Aquitanien begegnet.
Wirtschaft Die Vizegrafschaft Narbonne hatte das Privileg, eigene Münzen zu prägen. Um das erforderliche Silber zu bekommen, schloss Ermengard Verträge mit anderen Adeligen der Region, um die lokalen Silbervorkommen auszubeuten.
Sie rühmte sich, den Bau einer Straße in das südlich gelegene Roussillon beauftragt zu haben und bemühte sich auch sonst, die Kontrolle über die Verkehrswege in ihrem Gebiet auszuüben.
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