Frühling ist ein Gedicht von Heinrich Heine, das als dreizehntes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist. Das Gedicht wurde erstmals abgedruckt in der Zeitung für die elegante Welt vom 3. September 1839, 1840 hat Heine es in den 4. Band seines Sammelwerks Der Salon aufgenommen.
Das Gedicht besteht aus drei kreuzgereimten Vierzeilern aus Vierhebern bzw. Dreihebern. Der Vers „Es liebt sich so lieblich im Lenze!“ taucht in Art eines Refrains dreimal auf, nämlich als 2 Vers in der 1. und 2. Strophe und als Schlussvers der 3. Strophe, jeweils gereimt auf „Kränze“.
Text Die Wellen blinken und fließen dahin — Es liebt sich so lieblich im Lenze! Am Flusse sitzt die Schäferin Und windet die zärtlichsten Kränze.
Das knospet und quillt, mit duftender Lust — Es liebt sich so lieblich im Lenze! Die Schäferin seufzt aus tiefer Brust: Wem geb’ ich meine Kränze?
Ein Reiter reitet den Fluß entlang, Er grüßt so blühenden Muthes! Die Schäferin schaut ihm nach so bang, Fern flattert die Feder des Hutes.
Sie weint und wirft in den gleitenden Fluß Die schönen Blumenkränze. Die Nachtigall singt von Lieb’ und Kuß — Es liebt sich so lieblich im Lenze!Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 78f.
Hintergrund und Deutung Der Kommentar der Heine-Säkularausgabe sieht in Heines Gedicht Bezüge und Anspielungen sowohl zu Goethes Schäfers Klagelied (1804), dessen dritte Strophe lautet: Da stehet von schönen Blumen Die ganze Wiese so voll. Ich breche sie, ohne zu wissen, Wem ich sie geben soll.Johann Wolfgang von Goethe: Berliner Ausgabe. Poetische Werke. Band 1. Aufbau, Berlin 1960, als auch zu Schillers Der Jüngling am Bache (1803), dessen Anfangsverse lauten: An der Quelle saß der Knabe, Blumen wand er sich zum Kranz, Und er sah sie fortgerissen, Treiben in der Wellen Tanz. Friedrich Schiller: Sämtliche Werke. Auf Grund der Originaldrucke herausgegeben von Gerhard Fricke und Herbert G. Göpfert in Verbindung mit Herbert Stubenrauch. 3. Auflage. Band 1. Hanser, München 1962, .
Rezeption Das Gedicht wurde vielfach vertont, teils unter dem Titel Frühling oder Der Frühling, teils mit der ersten Zeile Die Wellen blinken und fließen dahin oder dem Refrain Es liebt sich so lieblich im Lenze als Titel. Die bekannteste Vertonung stammt von Johannes Brahms (Es liebt sich so lieblich im Lenze, op. 71 Fünf Gesänge, no. 1, Gesang und Klavier, 1877). Weitere Vertonungen von:
Károly Aggházy (Die Schäferin, aus op. 31 Sechs Lieder für 1 Singstimme mit Pianoforte, no. 1, Gesang und Klavier, 1898) Carl Banck (Die Wellen blinken und fließen dahin) Rudolf Bella (Es liebt sich so lieblich) Leopold Damrosch (Frühling, aus op. 16 Fünf Lieder von Heine, no. 2, Gesang und Klavier, 1871) August Enna (Der Frühling, aus Zehn Lieder für 1 Singstimme mit Pianoforte, no. 1, 1896) Don Forsythe (Frühling, aus Romanzen, no. 13, Gesang und Klavier, ca. 2008) Robert Franz (Frühling, aus op. 38 Sechs Lieder von Heinrich Heine, no. 1, Gesang und Klavier, 1867) Gerald M. Ginsburg (Volkslied, aus Schmerzen zu Lieder, no. 18, 2001) Ferdinand Gumbert (Es liebt sich so lieblich im Lenze, aus op. 62 Drei Lieder, no. 1, Sopran oder Tenor und Klavier, 1854) Friedrich Hinrichs (Romanze, aus op. 4 Sechs Gedichte von Heinrich Heine, no. 1, Sopran oder Tenor und Klavier, 1864) Andrés Isasi (Frühling, aus op. 16 Poemas de H. Heine, no. 3, 1913) Nanna Liebmann (Die Wellen blinken und fließen dahin / Frühling aus 7 Sange, no. 1) Alfred von Lindheim, jun. (Der Frühling, aus op. 6 Neun Lieder für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung, no. 6, 1893) Alexander Mackenzie (Die Wellen blinken und fließen dahin, aus op. 14 Drei Lieder von H. Heine, no. 2, Gesang und Klavier, 1877) Émile Mathieu (Die Wellen blinken und fließen dahin, aus Trois ballades de Heine, no. 2) Rudolph Philipp (Frühling, aus op. 2 Sechs Lieder, no. 2, 1879) Charles Villiers Stanford (Frühling, aus op. 4 Six Songs of Heine, no. 4, Gesang und Klavier, 1874) Wilhelm Stehle (Die Wellen blinken und fließen dahin, aus op. 2 Zwei Lieder, no. 2) Julius Stockhausen (Die Wellen blinken und fließen dahin, aus Lieder, no. 3) Wilhelm Taubert (Es liebt sich so lieblich im Lenze, aus op. 82 Sechs Lieder, no. 2, Gesang und Klavier, 1864) Alfred Tofft (Frühling, aus op. 2 Heine-Album, no. 6, Gesang und Klavier, 1887) Carl Vollweiler (Die Wellen blinken und fließen dahin, aus op. 45 Vier Lieder, no. 4)
Eine Übersetzung ins Russische wurde von Alexander Petrowitsch Koptjajew (deutsch als Frühling, op. 17, Fünf Lieder no. 2, Gesang und Klavier) vertont.
Ausgaben Erstdruck: Frühling. In: Zeitung für die elegante Welt, 3. September 1839. Abdruck als: Frühling. In: Der Salon. Vierter Band. Hoffmann und Campe, Hamburg 1840, S. 149f. Erstausgabe: Frühling. In: Neue Gedichte von H. Heine. Hoffmann und Campe, Hamburg 1844, S. 191f.
Werkausgaben: Frühling. In: Düsseldorfer Heine-Ausgabe. Band 2: Neue Gedichte. Bearbeitet von Elisabeth Genton. Hoffmann & Campe, Hamburg 1983, ISBN 3-455-03002-5, S. 86f. Frühling. In: Heine-Säkularausgabe Band 2 : Gedichte 1827–1844 und Versepen. Hrsg. von Irmgard Möller und Hans Böhm. Akademie Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-05-005297-X, S. 78f. Frühling. In: Werke und Briefe in zehn Bänden. 2. Auflage. Band 1. Aufbau, Berlin und Weimar 1972, .
Literatur Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-005299-6, S. 353–355.
Weblinks
Frühling im LiederNet Archive
Einzelnachweise Irmgard Möller, Hans Böhm: Heinrich Heine Säkularausgabe Band 2. Gedichte 1827–1844 und Versepen. Kommentar I. Akademie Verlag, Berlin 1995, S. 353–355. Frühling im LiederNet Archive, abgerufen am 18. August 2026.
Kategorie:Gedicht Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Werk von Heinrich Heine Kategorie:Literatur (Deutsch)