Hedley Brian Rycroft (* 26. Juli 1918 in Pietermaritzburg, Südafrikanische Union; † 1. Dezember 1990 in East London, Südafrika) war ein südafrikanischer Botaniker, Hochschullehrer und langjähriger Direktor der National Botanic Gardens of South Africa in Kirstenbosch. Während seiner Amtszeit von 1954 bis 1983 wurde die Institution erheblich erweitert. Rycroft setzte sich insbesondere für die Förderung und öffentliche Vermittlung der südafrikanischen Flora, die Anlage regionaler botanischer Gärten und den Schutz des Fynbos vor invasiven gebietsfremden Pflanzen ein.namibiana Buchdebot: H. B. Rycroft Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.
Frühe Jahre und Ausbildung Hedley Brian Rycroft war der einzige Sohn von Frederick Charles Rycroft und Winifred Fanny Dicks. Die Familie stammte ursprünglich aus Bedford in England. Sein Vater bewirtschaftete zunächst eine Farm bei Howick. Nachdem seine Ehefrau ein kleines Handelsgeschäft in Howick geerbt hatte, gab die Familie die Landwirtschaft auf und zog nach Howick.
Rycroft besuchte zunächst die Schule in Howick und anschließend das Maritzburg College. Dort war er 1936 in seinem letzten Schuljahr Schulsprecher. Bereits im Alter von sechs Jahren begann er, Pflanzen zu sammeln.
Anschließend studierte Rycroft am Natal University College der Universität von Südafrika in Pietermaritzburg Ökologie. Seine Hauptfächer waren Botanik und Geographie. Er schloss das Studium 1939 mit dem Bachelor of Science ab und erwarb 1941 mit Auszeichnung den Mastergrad. Gegenstand seiner Masterarbeit war die Ökologie des Karkloof Forest und seiner Umgebung. Während seines Studiums wurde er insbesondere durch die ökologische Forschungstradition am Natal University College und durch den Botaniker Adolph Bayer beeinflusst.
Da Rycroft eine Tätigkeit in der Forstverwaltung anstrebte und dafür ein forstwissenschaftliches Studium erforderlich war, wechselte er während des Zweiten Weltkriegs an die Universität Stellenbosch. Dort erwarb er 1944 einen Abschluss in Forstwissenschaft. Anschließend wurde er als Forest Research Officer und District Forest Officer an der Forschungseinrichtung Jonkershoek bei Stellenbosch tätig. Von 1945 bis 1953 arbeitete er dort und war daneben als Teilzeitlehrer an der Universität Stellenbosch tätig, unter anderem im Bereich Forstbotanik.
Wissenschaftliche Tätigkeit Während seiner Tätigkeit in Jonkershoek beschäftigte sich Rycroft mit der Vegetation der Bergregion und insbesondere mit dem Fynbos des Westkaps. Ein Schwerpunkt seiner Untersuchungen war der Zusammenhang zwischen Wasserhaushalt beziehungsweise Wasserabfluss und verschiedenen Sukzessionsstadien der Fynbos-Vegetation. Dabei verwendete er quantitative Methoden. Seine Untersuchungen bildeten die Grundlage für seine Promotion an der Universität Kapstadt, die er im Juni 1951 abschloss.
Rycroft beschäftigte sich außerdem mit der Familie der Proteaceae und insbesondere mit den Gattungen Protea und Mimetes. 1960 erhielt er ein Forschungsstipendium der Royal Society of South Africa und der Nuffield Foundation, das ihm Studien an Herbarien in Großbritannien ermöglichte. Mit Unterstützung des Cape Tercentenary Fund setzte er die Untersuchungen anschließend auf dem europäischen Kontinent fort.
Seine wissenschaftliche Publikationstätigkeit blieb im Vergleich zu seiner späteren Tätigkeit als Direktor der National Botanic Gardens begrenzt. Bei seiner Aufnahme als Fellow der Royal Society of South Africa lagen 16 wissenschaftliche Veröffentlichungen vor.
National Botanic Gardens und Kirstenbosch
Durch seine Beschäftigung mit der einheimischen Vegetation kam Rycroft früh mit den National Botanic Gardens of South Africa in Kirstenbosch und der Botanical Society of South Africa in Kontakt. Der Gesellschaft trat er 1945 bei. 1950 wurde er Mitglied des Wild Flower Protection Committee und 1952 in den Council der Gesellschaft gewählt.
Nach dem Ausscheiden von Harold Compton, der die National Botanic Gardens seit 1919 geleitet hatte, wurde Rycroft aus neun Bewerbern einstimmig für dessen Nachfolge ausgewählt. Er trat das Amt des Direktors am 1. Januar 1954 an. Mit dem Direktorenamt hatte er zugleich den Harold-Pearson-Lehrstuhl für Botanik an der Universität Kapstadt inne.
Rycroft leitete die National Botanic Gardens 31 Jahre lang. In dieser Zeit wurde die Institution erheblich ausgebaut und Kirstenbosch international stärker bekannt. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Entwicklung eines Netzes regionaler botanischer Gärten. Zu den unter seiner Leitung neu eingerichteten beziehungsweise in die Organisation einbezogenen Gärten gehörten der Orange Free State Garden in Bloemfontein, der Harold Porter Garden bei Betty’s Bay, der Drakensberg Garden bei Harrismith, der Natal Garden bei Pietermaritzburg und der Lowveld Garden bei Nelspruit. Auch die Anlage des Witwatersrand Garden bei Roodepoort, die erst nach seinem Eintritt in den Ruhestand erfolgte, war von ihm vorbereitet worden.
Das Konzept sah vor, dass die einzelnen regionalen Gärten Pflanzen der jeweiligen Region kultivierten, untersuchten und der Öffentlichkeit präsentierten. Neben wissenschaftlichen und naturschutzbezogenen Zielen wurde auch die Vermittlung der einheimischen Flora an die Bevölkerung verfolgt.
Ein weiterer Schwerpunkt von Rycrofts Tätigkeit war die öffentliche Darstellung der südafrikanischen Flora. Bereits während seiner Zeit in Jonkershoek organisierte er Ausstellungen einheimischer Wildblumen. In Kirstenbosch setzte er diese Arbeit fort und initiierte gemeinsam mit der Botanical Society eine jährlich stattfindende Blumenschau. Die Veranstaltungen dienten unter anderem dazu, das öffentliche Interesse an einheimischen Pflanzen zu fördern und deren Kultivierbarkeit zu demonstrieren.
1963 organisierte Rycroft anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Kirstenbosch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Dazu gehörte eine botanische Rundreise durch Südafrika, an der 45 Botaniker aus Europa, Nordamerika und Australien teilnahmen. Zu den eingeladenen Wissenschaftlern gehörten unter anderem George Taylor, der damalige Direktor der Royal Botanic Gardens, Kew, und Richard Howard vom Arnold-Arboretum.
Auch international wurde die südafrikanische Flora durch Ausstellungen und Pflanzensendungen aus Kirstenbosch präsentiert. Seit 1977 war die Einrichtung regelmäßig mit einem Stand bei der Chelsea Flower Show in London vertreten, der mehrfach mit Goldmedaillen ausgezeichnet wurde. Rycroft nutzte internationale botanische Veranstaltungen außerdem zur Förderung der Bekanntheit von Kirstenbosch und der südafrikanischen Pflanzenwelt.
Naturschutz Ein bedeutendes Tätigkeitsfeld Rycrofts war der Schutz des Fynbos vor invasiven gebietsfremden Pflanzen. Bereits in den 1950er Jahren setzte er sich öffentlich für deren Bekämpfung ein. In den folgenden Jahrzehnten unterstützte er die Bildung privater Gruppen zur Entfernung invasiver Pflanzen und trug dazu bei, dass staatliche Stellen finanzielle Mittel für entsprechende Maßnahmen in den Wassereinzugsgebieten der westlichen Kapregion bereitstellten.
In Kapstadt engagierte sich Rycroft außerdem gegen den Ausbau einer Straße durch das Gelände von Kirstenbosch. Nachdem zunächst eine Verlegung der Straße außerhalb des Gartens erreicht worden war, wandte er sich in den 1970er Jahren gegen einen Plan, eine mehrspurige Schnellstraße auf einer erhöhten Brücke über den Eingangsbereich des Gartens zu führen. Der Plan wurde schließlich aufgegeben.
Herbarium und botanische Forschung Auch während seiner Tätigkeit als Direktor blieb Rycroft mit der botanischen Forschung verbunden. Eine wichtige Entwicklung war die Übernahme des Herbariums des South African Museum durch die National Botanic Gardens. Rycroft setzte sich dafür ein, die botanischen Sammlungen in Kapstadt zu erhalten und sie im Compton Herbarium unterzubringen. 1956 wurde das Herbarium des South African Museum zusammen mit seiner Kuratorin Joyce Lewis langfristig an die National Botanic Gardens übergeben. Dadurch wurden die Voraussetzungen für eine Erweiterung der botanischen Forschung und insbesondere der systematischen Botanik in Kirstenbosch verbessert.
Rycroft förderte insbesondere die taxonomische Forschung und setzte sich für die Weiterentwicklung des Compton Herbarium ein. Die wissenschaftliche Arbeit an den Proteaceae führte er jedoch aufgrund seiner zunehmenden administrativen Aufgaben nicht in dem ursprünglich vorgesehenen Umfang weiter. Ein geplantes umfassendes Werk über die Protea-Arten gab er schließlich an den Botaniker John Patrick Rourke weiter; Teile der dafür angefertigten Illustrationen wurden später in Rourkes 1980 erschienenem Werk über die Gattung verwendet.
1968 war Rycroft Mitbegründer der South African Association of Botanists.
Rycroft hat diverse neue Pflanzentaxa erstbeschrieben beziehungsweise revidiert, darunter Leucospermum arenarium , Protea restionifolia t sowie Protea scorzonerifolia . Protea pulchra ist ein Synonym von Protea burchellii .
Hochschullehre Als Professor an der Universität Kapstadt unterrichtete Rycroft insbesondere Ökologie für Studierende des dritten Studienjahres. Einen Teil der Ausbildung bildeten mehrtägige Exkursionen in verschiedene Vegetationsgebiete Südafrikas, unter anderem nach Namaqualand, in die Kleine Karoo und in den Knysna Forest.
Mit zunehmenden Verwaltungsaufgaben in Kirstenbosch nahm seine Beteiligung am regulären Lehrbetrieb ab. Rycroft war der letzte Inhaber des Harold-Pearson-Lehrstuhls, der noch aktiv am akademischen Programm des Botanischen Instituts der Universität Kapstadt beteiligt war.
Auszeichnungen und Dedikationsnamen. Für seine Leistungen in der Förderung der südafrikanischen Flora und des Gartenbaus erhielt Rycroft mehrere Auszeichnungen. Die Royal Horticultural Society verlieh ihm 1963 die Veitch Memorial Gold Medal. 1980 wurde er zum Honorary Fellow der Royal Horticultural Society ernannt und 1981 zu einem ihrer Vizepräsidenten gewählt.
Im März 1980 erhielt Rycroft die Decoration for Meritorious Service, eine staatliche Auszeichnung für besondere Verdienste um Südafrika. Die Auszeichnung wurde ihm vom Staatspräsidenten Marais Viljoen überreicht.
Rycroft wurde zudem zum Fellow der Royal Society of South Africa gewählt.
Nach Rycroft wurde die Art Aspalathus rycroftii benannt.
Ruhestand und Tod Rycroft trat Ende Juli 1983 als Direktor der National Botanic Gardens in den Ruhestand. Anschließend zog er mit seiner zweiten Ehefrau Joan Gertrude an die Südküste der Provinz Natal. Dort kümmerte er sich unter anderem um ein Arboretum und war als Berater des Forstministeriums für die nationalen Arboreten tätig.
Nach einer Krebserkrankung, die Ende 1986 festgestellt worden war, zog das Ehepaar schließlich nach Hogsback in den Amathole-Bergen im heutigen Ostkap. Auch dort beschäftigte sich Rycroft mit Garten- und Pflanzenfragen und war zeitweise an der nahe gelegenen University of Fort Hare tätig.
Hedley Brian Rycroft starb am 1. Dezember 1990 im Krankenhaus von East London, nachdem er wenige Tage zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte. Am 13. Dezember 1990 fand in Kirstenbosch eine Gedenkfeier statt. Seine Asche wurde anschließend unter einem von ihm selbst gepflanzten Baum im National Botanic Garden beigesetzt.
Privates Rycroft heiratete 1947 Maureen Alfreda Starke, eine Musikpädagogin. Aus dieser Ehe, die 1973 geschieden wurde, gingen drei Kinder hervor. Anschließend heiratete Rycroft Joan Gertrude.
Literatur Hugh F. Glen, Gerrit Germishuizen (Hrsg.): Botanical exploration of southern Africa. 2. Aufl., Strelitzia 26, South African National Biodiversity Institute, Pretoria 2010, ISBN 978-1-919976-54-9, S. 373. (auf biodiversitylibrary.org)
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Einzelnachweise
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