mini|hochkant|Eva Eyquem in Paris um 1930 Eva Eyquem, geborene Eva Haruko Plaut (* 16. April 1915 in Yokohama; † 4. Oktober 2009 in Verderonne) war eine französische Kunstpädagogin, Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin, die als Schülerin von Johannes Itten ausgebildet wurde. Ihr kunstpädagogischer Ansatz knüpfte an Elemente der Bauhaus-Pädagogik an.Sabine Richter: Einblick in ein kunstpädagogisches Skizzenbuch. Leben und Werk von Eva Eyquem. FAU University Press, Erlangen 2017. (fau.de PDF (7,17 MB))Sabine Richter (Hrsg.): Eva Eyquem im Kontext der Bauhaus-Pädagogik. Tagungsband zum Symposium 2018, Schriften und Interviews. FAU Kunst und Bildung, Bd. 7, FAU University Press, Erlangen 2021.
Leben Eyquem wurde als Tochter deutscher Eltern in Japan geboren und verbrachte dort ihre frühen Lebensjahre, bevor die Familie 1929 nach Berlin zog. Von 1932 bis 1934 besuchte sie die Itten-Schule in Berlin, wo sie die von Johannes Itten entwickelte Gestaltungslehre unmittelbar kennenlernte.
Nach ihrer Berliner Ausbildungsphase kehrte sie 1935 nach Japan zurück und erteilte dort privaten Kunstunterricht. Yoshimasa Kaneko zufolge gab Eyquem von 1935 bis 1937 Seminare in Japan, die auf Ittens Lehrmethode basierten.Yoshimasa Kaneko: Die Kunstpädagogik Johannes Ittens an der Itten-Schule und deren Rezeption in Japan. In: Sabine Richter (Hrsg.): Eva Eyquem im Kontext der Bauhaus-Pädagogik. Tagungsband zum Symposium 2018, Schriften und Interviews. FAU Kunst und Bildung, Bd. 7, FAU University Press, Erlangen 2021.
1937 ging sie nach Europa und studierte bis 1939 an der Académie de la Grande Chaumière in Paris.
In Paris war Eyquem zeitweise auch kuratorisch tätig. Nach den von Richter rekonstruierten Lebensdaten führte sie Anfang der 1960er Jahre eine eigene Galerie und leitete später die Galerie Maywald. Nach Richter zeigte sich eine enge Verbindung zwischen kunstwissenschaftlicher Reflexion, Ausstellungspraxis und Lehre.
Von 1970 bis 1987 lehrte Eyquem an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne im Bereich Bildende Kunst, Kunstwissenschaft und Ästhetik. Parallel war sie bis 1988 an der École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris tätig. Sie bot Seminare zur Farbe, Form, Struktur und Wahrnehmung an. Ihr Ansatz verband schulische Kunsterziehung mit künstlerischer Praxis, Theorie und ästhetischer Schulung miteinander.
Seit 1972 arbeitete Eyquem außerdem regelmäßig in Nürnberg, vor allem in Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen im Germanischen Nationalmuseum. Dort unterrichtete sie bis 1999 in der Kunsthalle, am Kulturpädagogischen Zentrum, am Bildungszentrum, an der Akademie der Bildenden Künste sowie am Lehrstuhl für Kunstpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In ihren letzten Wirkungsjahren war sie im Werkbund Werkstatt Nürnberg tätig, wo sie Grundlagen der Gestaltung vermittelte.
Werk Laut der FAU-Zusammenfassung zu Richters Monographie knüpfte Eyquems Ansatz an Johannes Ittens Lehre an und verband diese mit avantgardistischen künstlerischen Positionen und Kunstpädagogik. Laut Richter ist diese mehr als Technikvermittlung, sondern ein Prozess der Wahrnehmungsbildung, Selbstentfaltung und Weltaneignung.
Zu Eyquems Arbeitsformen zählten performative Übungen zu Körper und Raum, expressive Naturstudien, ostasiatische Tusch- und Fingermalerei sowie gestalterische Studien zu Klang, Farbe und Partitur. Der kunstpädagogische Prozess zielte dabei auf Wahrnehmung, leibliche Erfahrung, künstlerische Selbsttätigkeit und die Verbindung von gestalterischer Praxis mit Reflexion.
Yoshimasa Kaneko zufolge veranstaltete Eyquem während ihres Japan-Aufenthalts in Tokio Seminare zu Ittens Lehrmethode. Er betont, dass Eyquem nicht nur Rezipientin von Ittens Pädagogik war, sondern auch zu deren Vermittlung an eine jüngere japanische Generation beitrug.
Kaneko verweist auf Eyquems Nähe zur japanischen Kultur und auf ihre Verbindung zum Unterricht des Malers Yumeji Takehisa an der Itten-Schule. Sabine Richter hebt in diesem Zusammenhang hervor, dass Eyquem die japanische Pinselmalerei nicht nur rezipierte, sondern später in ihrer eigenen kunstpädagogischen Praxis weiterführte.
Die wissenschaftliche Rezeption Eyquems ist derzeit durch zwei Publikationen geprägt: die Monographie Einblick in ein kunstpädagogisches Skizzenbuch. Leben und Werk von Eva Eyquem von Sabine Richter aus dem Jahr 2017 sowie den von Richter herausgegebenen Band Eva Eyquem im Kontext der Bauhaus-Pädagogik von 2021.
Im Rahmen des Bauhaus-Jubiläums wurde Eyquems Werk zudem institutionell sichtbarer. 2018 fand ein Symposium zu Eyquem im Kontext der Bauhaus-Pädagogik statt. 2019 wurden Materialien aus ihrem Archiv in Ausstellungen in Nürnberg und Berlin gezeigt.
Eyquem war in Berlin, Paris und Nürnberg kunstpädagogisch tätig. Ittens Gestaltungslehre übertrug sie hierbei auf verschiedene institutionelle Bereiche und kulturellen Umgebungen.
Archiv Das Archivmaterial zu Eva Eyquem befindet sich seit 2025 im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.
Der Bestand an deutschsprachigen Büchern wurde vom Deutschen Kunstarchiv nicht übernommen. Er befindet sich in der Bibliothek der Evangelischen Hochschule Nürnberg und soll dort katalogisiert werden; nach dem Umzug in ein neues Campus-Gebäude im Jahr 2027 soll er dort öffentlich zugänglich sein.
Literatur
Yoshimasa Kaneko: Johannes Itten’s Philosophy of Human-Centered Art Education – Content Analysis of „Tagebuch von Johannes Itten“ Based on a Conversation with Eva Plaut. In: Bijutsukyoikugaku. The Journal for the Association of Art Education, Nr. 28, 2007, S. 143–155. DOI:10.24455/aaej.28.0_143 Yoshimasa Kaneko: Johannes Itten and Zen. In: Christoph Wagner (Hrsg.): Esoterik am Bauhaus. Eine Revision der Moderne? Schnell & Steiner, Regensburg 2009, S. 150–172. ISBN 978-3-7954-2093-2 Yoshimasa Kaneko: Die Kunstpädagogik Johannes Ittens an der Itten-Schule und deren Rezeption in Japan. In: Sabine Richter (Hrsg.): Eva Eyquem im Kontext der Bauhaus-Pädagogik. Tagungsband zum Symposium 2018, Schriften und Interviews. FAU Kunst und Bildung, Bd. 7, FAU University Press, Erlangen 2021, S. 40–53, ISBN 3-96147-392-7 Sabine Richter: Einblick in ein kunstpädagogisches Skizzenbuch. Leben und Werk von Eva Eyquem. FAU University Press, Erlangen 2017. ISBN 978-3-96147-060-0 Sabine Richter (Hrsg.): Eva Eyquem im Kontext der Bauhaus-Pädagogik. Tagungsband zum Symposium 2018, Schriften und Interviews. FAU Kunst und Bildung, Bd. 7, FAU University Press, Erlangen 2021. ISBN 978-3-96147-392-2
Weblinks
Eva Eyquem in der Deutschen Biographie Einblick in ein kunstpädagogisches Skizzenbuch. Leben und Werk von Eva Eyquem bei FAU Open Research Eva Eyquem im Kontext der Bauhaus-Pädagogik bei FAU University Press Eva Eyquem – Vermittlerin der Bauhaus-Pädagogik in Nürnberg. bei Bayern Design
Einzelnachweise
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