Franz Heinrich Matthiassen, ab 1710 von Ehrenberg, auch Franz Heinrich Matthias von Ehrenberg (* 24. Juni 1670 in Domhof Ratzeburg;So Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720, S. 88, der Nikolaus Christoph Lyncker zitiert; Matthiassen selbst sah sich stets als Lubencensis (Lübecker) † im Juni 1723), war ein deutscher Verwaltungsjurist und mecklenburg-strelitzscher Regierungsbeamter.
Leben Franz Heinrich Matthiassen war ein Sohn des Advokaten und kaiserlichen Notars Franz Matthiassen und dessen Frau Judith, geb. Neumann. Er wuchs in Lübeck auf und besuchte das Katharineum zu Lübeck, wo für 1689 eine lateinische Rede von ihm, zusammen mit Joachim Wolters verzeichnet ist.Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720, S. 88. Zusammen mit Wolters studierte er ab Mai 1690 an der Universität Jena.Reinhold Jauernig, weitergef. von Marga Steiger: Die Matrikel der Universität Jena. Band 2: 1652–1723, Weimar 1977, S. 506. 1693 war er hier mit Wolters und zwei anderen Kandidaten Respondent einer Disputation zu juristischen Rätseln, die Christian Wildvogel ihnen stellte.Christiani Wildvogeli. ICti Consiliarii Saxo-Vinar. Aulici ... De Aenigmatis Legum ad L. XII. C. d. Legib. Programma Invitatorium : A. O. R. M.DC.XCIII. ; P. P. d. XIX. Martii A. O. R. M.DCXCIII (Digitalisat). Aus diesem Jahr ist auch ein Eintrag von Matthiassen im Album Amicorum von Johann Gottfried Borgehl (1671–1720) erhalten.Eintrag im Repertorium Alborum Amicorum; Borgehl war Mediziner und praktizierte später in Lübeck, ab 1718 als Stadtphysikus, siehe Verzeichnis von Lübeckischen Ärzten der Vorzeit, in Neue Lübeckische Blätter 8 (1842), S. 348. Es folgte eine Studienreise zum Reichskammergericht nach Wetzlar, zum Immerwährenden Reichstag nach Regensburg, an den kaiserlichen Hof nach Wien sowie nach Italien.
1696 wurde er mit einer reichsrechtlichen Dissertation in absentia unter dem Vorsitz von Nikolaus Christoph Lyncker zum Licentiaten promoviert.
Matthiassen praktizierte zunächst als Advokat und Notar in Lübeck, ging jedoch dann nach Schlesien bzw. in die Oberlausitz. Er heiratete Anna Christine, geb. Hohberg, eine Tochter „des sehr vermögenden, gebildeten und über weitreichende Beziehungen verfügenden“ kaiserlichen Hof-Medicus und Stadtphysikus von Liegnitz Martin Hohberg auf Grünthal.Norbert Conrads: Die Durchführung der Altranstädter Konvention in Schlesien: 1707–1709 (= Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands. 8). Böhlau, Köln/Wien 1971, ISBN 3-412-90171-7. Am 26. September 1701 stellte er in Jena den Antrag, zum Dr. jur. promoviert zu werden. Zu diesem Zeitpunkt war er Syndikus der Stadt Lauban. Als solcher erscheint er auch 1703 beim Bau der Laubaner Kreuzkirche.Gottfried Hoffmann: Lebens-Geschichte aller Evangelischen Pastorum Primariorum, Die von 1525. und also von der Reformation an biß auf diese Zeit In der Chur-S. Sechs-Stadt Lauban gelehret und gelebet haben: Nebst einem kurtzen Berichte Von Der Religion und dem öffentl. Gottes-Dienste dieser Stadt ... Vogel, Lauban 1707, S. 49 (digitale-sammlungen.de).
Von den lutherischen Landesältesten in Schlesien erhielt er das Mandat, die schlesischen Stände Augsburgischer Konfession bezüglich der Umsetzung der Altranstädter Konvention von 1707 in Wien zu vertreten. Matthiassen hatte gute Beziehungen zum politischen Führungskreis des schlesischen Protestantismus um Abraham Seyller. Er stand dem schwedischen Unterhändler Henning von Stralenheim nahe und galt den Wiener Behörden als dessen „treuer Handlanger“ und Hauptverantwortlicher für die Veröffentlichung der Korrespondenz zwischen Stralenheim und der Wiener Religionskommission, was seinem Auftrag nicht förderlich war, ebenso wie die Tatsache, dass er Ausländer war. Seine Mission nach Wien im Dezember 1709 scheiterte; er wurde nach Schlesien zurückberufen und nach einer Konferenz der Stände in Breslau am 12. Februar 1710 durch Adam von Stößel ersetzt, der von Graf Joachim Wilhelm von Maltzan (1661–1728),Nr. 486 der Geschlechtszählung. Er war Kaiserlicher Geheimer Rat. Standesherr auf Miltisch, favorisiert worden war. Matthiassen zog sich daraufhin wieder nach Lauban zurück.
mini|1710 verliehenes Wappen Sozusagen als ansehnlichen „Trostpreis“ für die missglückte Vertretung der schlesischen Stände erhob ihn Kaiser Joseph I. mit Diplom vom 3. Juli 1710 als Assessor des Oberamts zu Laußnitz (= Oberamt der Lausitz?) in den böhmischen Adelsstand mit dem Prädikat von Ehrenberg und der Bewilligung, den bisherigen Namen fortzuführen oder fallen zu lassen. Gleichzeitig wurde ihm dieses Wappen verliehen:
1712 ist Franz Heinrich Matthias von Ehrenberg wieder als Syndikus von Lauban aktenkundig, als er gemeinsam mit dem Bürgermeister Johann Tschörtner eine Almosenkasse ins Leben ruft, um ein Waisenhaus zu errichten.Paul Berkel: Geschichte der Stadt Lauban. Reipprich, Lauban 1896, S. 85. Auch 1714 wird er von Samuel Grosser noch in dieser Funktion erwähnt; zugleich ist er Scabinus (Schöffe) und kursächsischer Rat.Samuel Grosser: Lausitzische Merckwürdigkeiten: Darinnen Von Beyden Markgraffthümern in fünff unterschiedenen Theilen Von den Wichtigsten Geschichten, Religions- und Kirchen-Begebenheiten ... zulängliche Nachrichten gegeben, Mit gehörigen Documenten und Anmerckungen bestärcket, Wie auch gehörigen Kupffer-Blättern erläutert worden ... Leipzig/Bautzen 1714, S. 83.
Im März 1714 starb seine Tochter Christine Eleonore von Ehrenberg. Vielleicht war dies einer der Gründe für Matthiassen von Ehrenberg, Lauban zu verlassen. Jedenfalls ging er bald darauf nach Mecklenburg-Strelitz, wo er vor 1718 von Herzog Adolf Friedrich III. zum Geheimen Rat und Geheimerrats-Präsident ernannt wurde. Im Kompetenzstreit des Jahres 1718 zwischen herzoglicher Kammer und Justizkanzlei gab seine Haltung den Ausschlag, fiskalische Fälle nach preußischem Vorbild von der Kammer entscheiden zu lassen. Bis zu seinem Tod 1723 blieb er Präsident des Geheimen Rates und der Kammer.Rudolf Janz: Die Domäneneinkünfte des Landes Stargard von der Entstehung des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz bis zum landesgrundgesetzlichen Erbvergleich (1701–1755). In: Mecklenburg-Strelitzer Geschichtsblätter. Band 4, 1928, S. 1–118, hier S. 17 f.
Über Ort und Datum seines Todes wurden Details bisher nicht bekannt. Seine Leiche wurde zur Beisetzung im Ratzeburger Dom nach Ratzeburg überführt.Überführung der Leiche des Präsidenten von Ehrenberg nach dem Dom in Ratzeburg, Landeshauptarchiv Schwerin Dabei flammten die langjährigen Streitigkeiten zwischen Mecklenburg-Strelitz und dem Magistrat der Stadt Ratzeburg über die Grenzen des Palmbergs und die Hoheitsrechte auf dem Domhof Ratzeburg wieder auf.Streitigkeiten mit dem Magistrat der Stadt Ratzeburg anlässlich der Beisetzung des Präsidenten von Ehrenberg über die Grenzen des Palmbergs und die Hoheitsrechte auf dem Domhof, Landeshauptarchiv Schwerin; siehe auch die Akte Die zwischen Sachsen-Lauenburg und Mecklenburg-Strelitz streitige Hoheit über den Palmberg, speziell das erstererseits beanspruchte Recht des Geleites von Leichen über den Palmberg, LASH, Abt. 210, Nr. 946 Seine wappengeschmückte Grabplatte (Sandstein, 225 × 142 cm) ist erhalten und heute im Kreuzgang-Hof an der Nordwand des Doms aufgestellt.Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. (= Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein, Sonderband). 5. Auflage. Wachholtz, Neumünster 1982, ISBN 3-529-02627-1, S. 382.
Werke Dissertatio Inauguralis, De Immedietate Civium Imperii Romano-Germanici. Jena 1696; .
Literatur Franciscus Henricus Matthiassen von Ehrenbergen. In: Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720, S. 88–93. Johann Moller: Cimbria Literata ... Band 2, Kopenhagen 1744, S. 538. Norbert Conrads: Die Durchführung der Altranstädter Konvention in Schlesien: 1707–1709 (= Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands. 8). Böhlau, Köln/Wien 1971, ISBN 3-412-90171-7.
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