Das große Computer-Viren-Buch Autor Ralf Burger Verlag Data Becker, Düsseldorf Ersterscheinung 1987 Sprache Deutsch Fachgebiet Computersicherheit, Computerviren Umfang 362 Seiten (4. Auflage, 1989) ISBN 3-89011-200-5 (4. Auflage)
Das große Computer-Viren-Buch ist ein 1987 erstmals beim Düsseldorfer Verlag Data Becker erschienenes Fachbuch über Computerviren. Es wurde vom damaligen Hacker und CCC-Mitglied Ralf Burger geschrieben. Es behandelt Grundlagen, Geschichte und Funktionsweise von Computerviren, Gegenmaßnahmen sowie technische Programmierbeispiele. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Buch durch die Veröffentlichung von Viren-Quelltexten. Das Fachmagazin Virus Bulletin brachte mehrere Viren und Varianten, die später in Umlauf waren, mit Code aus Burgers Buch in Verbindung.
Inhalt Das Buch ist in einen allgemeinen und einen technischen Teil gegliedert. Der erste Teil ist eine Einführung mit rechtlichen, historischen und damals aktuellen Aspekten der Virenproblematik. Der zweite Teil dreht sich um die Programmierung von Viren. Der genaue Aufbau von viralem Code wird als Beispiel erklärt. Der Autor veröffentlicht im Buch Beispiellistings in BASIC, Pascal und x86-Assembler, sowie als einfache Stapelverarbeitungsdatei. Nahezu alle dort besprochenen Programmbeispiele beziehen sich auf MS-DOS und IBM-PC-kompatible Rechner. Die englischsprachige Ausgabe beschreibt außerdem die Entstehung und Entfernung von Computerviren und enthält mehrere einfache Demonstrationsprogramme. Der Autor spricht auch ausführlich das Thema Virenschutz und -bekämpfung an, das in diesen Zeiten praktisch nahezu bedeutungslos war. Die bisherige Entwicklung von Malware und selbstreplizierenden Programmen wird erklärt, die im Jahr 1984 noch sehr überschaubar war. Außerdem zitiert der Autor einige Sprecher von Behörden, Industrie und vom Chaos Computer Club. Zudem durchleuchtete Ralf Burger einige rechtliche Aspekte, da derartige Programme diesbezüglich noch einige Fragen aufwarfen. Eine spezielle Gesetzeslage gegen das Programmieren oder Verbreiten vom Computerviren gab es 1987 noch nahezu nirgends auf der Welt. Praktische Beispiele für Viren gab es zum Zeitpunkt der Entstehung des Werkes noch kaum. Neben der Verbreitungsroutinen werden auch Auswirkungen möglicher Payloads, also gezielt integrierte schädliche Funktionen angesprochen.
Umstritten war vor allem die Veröffentlichung von Viren-Quellcode und Hex-Dumps. In seiner Rezension der englischen Ausgabe stellte Jim Bates 1989 fest, dass viele der abgedruckten Beispiele wegen Programmier- oder Druckfehlern nicht funktionierten. Der im Buch wiedergegebene Assembler-Quelltext des Vienna-Virus sei jedoch erkennbar und in der gedruckten Form zwar nicht lauffähig, könne aber mit Änderungen funktionsfähig gemacht werden.
Veröffentlichung Die deutsche Originalausgabe erschien 1987 bei Data Becker. Das Buch wurde in den nächsten Jahren mehrfach überarbeitet und erweitert. Der Katalog der Stadtbibliothek Bielefeld weist für 1989 eine vierte, überarbeitete und erweiterte Auflage mit 362 Seiten, Illustrationen und grafischen Darstellungen nach.
Eine englische Übersetzung erschien unter dem Titel Computer Viruses: A High-Tech Disease. Die beim Abacus-Verlag veröffentlichte Ausgabe von 1988 umfasst 276 Seiten. Das Literaturverzeichnis des im Dezember 1989 veröffentlichten RFC 1135 führt sie als zweite Auflage.
Rezeption und Wirkung Das Buch wurde von Pius Nippgen im Amiga-Magazin 1989 als das umfangreichste hardwareunabhängige Werk über Computerviren bezeichnet. Er hob die Breite der Informationen hervor, kritisierte jedoch spekulative Passagen. Die Veröffentlichung dokumentierter Viren-Quelltexte nannte er umstritten, er sah darin aber zugleich die Möglichkeit, Gefahren zu veranschaulichen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Deutlich kritischer fiel dagegen die Rezension von Jim Bates im britischen Fachmagazin Virus Bulletin aus. Er beanstandete unter anderem fehlerhafte Querverweise sowie die Darstellung von nicht-technischen Themen und Teile der technischen Ausführung. Vor allem stellte er die Veröffentlichung des erkennbaren Quelltexts des Vienna-Virus grundsätzlich infrage. Das Buch wurde auch in der damaligen Sicherheitsliteratur aufgegriffen. Stanley A. Kurzban behandelte Burgers englische Ausgabe 1989 in seinem Beitrag Defending against viruses and worms im ACM SIGUCCS Newsletter.
Im April 1990 berichtete das Virus Bulletin im Rahmen des Editorials Burger's Legacy ein weiteres Mal über Burgers Buch. Darin wurde berichtet, dass das in Westdeutschland entdeckte Virus Vacsina Elemente aus Burgers Vienna-Listing enthielt. Mehrere Varianten des sogenannten VHP-Virus seien ebenfalls auf dem veröffentlichten Code aufgebaut gewesen. Das Magazin schränkte jedoch ausdrücklich ein, dass sich nicht sicher feststellen lasse, ob ihr Autor unmittelbar Burgers Buch, oder bereits eine davon abgeleitete Vienna-Variante verwendet hatte. Für das aus einer anderen Quelle stammende Virus 1260, sowie für Ghostball und Lisbon, stellte das Editorial ebenfalls Bezüge zum im Buch veröffentlichten Code fest. Im selben Beitrag verwies das Virus Bulletin auf eine 1989 verabschiedete Resolution der International Federation for Information Processing, die Verlage dazu aufrief, auf die Veröffentlichung von Viren-Listings zu verzichten.
1993 griff das Virus Bulletin die Debatte erneut auf und schrieb Burgers Buch rückblickend eine Rolle bei der Verbreitung des vielfach modifizierten Vienna-Virus zu. Burger habe erklärt, absichtlich Fehler in den veröffentlichten Vienna-Code eingebaut zu haben; vier Jahre später seien dennoch rund 200 Varianten bekannt gewesen.
Der Payload und die Infektionsroutine des Virus Parity Boot haben ebenfalls deutliche Bezüge zu Passagen aus Burgers Werk.
Ausgaben Ralf Burger: Das große Computer-Viren-Buch. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Data Becker, Düsseldorf 1989, ISBN 3-89011-200-5, 362 Seiten. Ralf Burger: Computer Viruses: A High-Tech Disease. 2. Auflage. Abacus, Grand Rapids 1988, ISBN 1-55755-043-3, 276 Seiten.
Einzelnachweise
Kategorie:Sachliteratur (Informatik) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert)