Marianne Meyer-Weissgerber (* 25. Februar 1910 in Hagen, Westfalen; † 29. Dezember 1991 in Berlin) war eine deutsche Textilkünstlerin und Professorin für Textilgestaltung an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Berlin.Kurzinfo zu Marianne Meyer-Weissgerber auf de.artprice,com (Auktionshaus).
Leben Weissgerber besuchte die Schulen in Hagen und machte 1930 einen Abschluss mit Lehrberechtigung an Volks- und Höheren Schulen in den Fächern Handarbeit, Hauswirtschaft, Turnen. 1931/32 studierte sie ein Semester Stickkunst bei Maria Brinckmann an der Landeskunstschule Hamburg. Anschließend machte sie sich als Weberin selbstständig. 1935 folgten Anstellungen als Lehrerin an Sächsischen Volksschulen, Ende 1935 bis April 1938 an der Spielwarenfachschule Seiffen, 1936 u. a. Mitarbeit am Volkskunstmuseum Dresden, 1938 wechselte sie nach Wetter/Ruhr an die Zweckverbandsberufsschule und begann 1940 ihr Studium am Berufspädagogischen Institut Berlin.Vor 1945 war das Berufspädagogische Institut Berlin (BPI) die zentrale preußische Ausbildungsstätte für Gewerbe- und Berufsschullehrer. Seine Wurzeln reichen auf die im Jahr 1913 in Berlin eingerichteten ersten Seminarkurse für die Lehrerausbildung an gewerblichen Schulen zurück. Ende der 1920er Jahre firmierte die Einrichtung offiziell als BPI. Um 1929 (in der Weimarer Republik) gliederte sich das Institut in fünf Fachabteilungen zur Ausbildung von Lehrkräften: Baugewerbe, Bekleidungsgewerbe, Kunstgewerbe, Metallgewerbe und Nahrungsgewerbe. In der NS-Zeit gabe es eine stärkere Ausrichtung auf weltanschaulich-ideologische Inhalte und Wirtschaftsvorgaben. Parallel studierte Weissgerber vier Semester an der Wirtschafts-Hochschule Berlin ehe sie eine Lehrstelle an der Frauenfachschule des Pestalozzi-Fröbel-Hauses Berlin erhielt. Diese hatte sie trotz der Kriegsereignisse bis Sommer 1945 inne. Im Jahr 1946 heiratete sie Karl Meyer in Berlin († 1965). Außerdem eröffnete sie die Textile Kunsthandwerkliche Werkstatt für Leinenstickerei mit zwanzig Heimarbeiterinnen, die sie bis Anfang 1966 führte. Ihre Produkte präsentierte sie auf zahlreichen Messen in Frankfurt, Hannover und Leipzig. Ausstellungsbeteiligungen nahm sie wahr im Rahmen Evangelischer und Katholischer Kirchentage, 1954 an der X. Triennale Mailand, 1956 an der Ausstellung Arte Liturgica in Germania im Lateran Museum, Rom.Katalog der X. Triennale S. 210; deutschsprachige Ausgabe des Katalogs Arte Liturgica in Germania, S. 33. 1953 nahm sie parallel einen ersten Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Berlin (HfBK) an. 1957 folgte die Dozentur, 1971 die Professur für Textilgestaltung an der HfBK, Berlin, die sie bis zu ihrer Emeritierung 1976 innehatte. Vor dem Mauerbau 1961 war die Künstlerin Christa Jeitner ihre Studentin. Marianne Meyer-Weissgerber wohnte bis zu ihrem Tod in Berlin.
Werk In den Nachkriegsjahren war Marianne Meyer-Weissgerber mit ihrer Werkstatt für Leinenstickerei erfolgreich. Herstellung und Verkauf galten vor allem liturgischen Textilien, da nach 1946 zahlreiche Kirchen repariert wurden und neu ausgestattet werden mussten. Ein zweiter Absatzmarkt betraf Accessoires für die Damenmode aus Leinen wie Kragen, Stulpen, Manschetten, die sie in Illustrierten bewarb.Film und Frau 1950, Heft 29 II, S. 6 und 7Film und Frau 1951, Heft 13 III, S. 12HEUTE, Heft Nr. 140, 4. Juli 1951, S. 26 und 27. Alle Arbeiten orientierten sich an den Bauhaus-Postulaten und zeichneten sich durch Schlichtheit, klare Forme und handwerkliche Präzision in der Leinenstickerei aus.
In der Lehre trat sie für Kreativität und selbstständiges Forschen auf Basis vielfältigster gelernter Grundtechniken ein. Sie hinterfragte die Lehrpläne der Oberschulen, analysierte und verglich die Unterrichtssituation im Fach Werken/Textilarbeit in den deutschen Bundesländern und warb für eine realitätsnahe, an aktuellen Bedürfnissen orientierte Unterrichtsgestaltung.
In den 1960er Jahren begann Meyer-Weissgeerber mit der Stickerei auf Seide und Organza, die sie nach Aufgabe ihrer Werkstatt und der langjährigen Pflege ihres schwer erkrankten Mannes weiterentwickelte. Hier experimentierte sie mit sicherem Farb- und Formgefühl und schuf textile Bilder in abstrakter Komposition. Nicht Kunsttheorien standen am Anfang ihrer Entwürfe, sondern der Schaffensprozess selbst, das handwerkliche Machen und Erproben. Flächen von Wildseide und Organza ornamentierte sie durch Applikationen, die sie mit Baumwoll-, Leinen- und Seidenfäden fixierte. Große dekorative Zierstiche wechselten mit Kräuselungen maschinengenähter Linien auf collageartig zusammengesetzten Seiden. Ihre Arbeiten blieben der Öffentlichkeit weitestgehend verborgen, bis im Jahr 2013 einige ihrer Arbeiten zur Auktion angeboten wurden.Sechs Stickbilder von M. Meyer-Weissgerber in einer Auktion auf mutual.com, abgerufen am 22. August 2026. Friedrich Meschede, Leiter der Kunsthalle Bielefeld, wurde auf sie aufmerksam und integrierte kurzfristig ihre Arbeiten in die Ausstellung To open eyes. Kunst und Textil vom Bauhaus bis heute. Marianne Meyer-Weissgerbers Arbeiten in Seide und Organza befinden sich bisher ausschließlich in privaten Sammlungen in Deutschland, Frankreich und USA. Ein frühes Corporale in Leinen gelangte 1954 in das Landesmuseum Württemberg.
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) 1952: Ausstellung anlässlich der 2. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes, Hannover 1954: Ausstellungen christlicher Bild-, Werk- und Baukunst, 1. – 15. Juli 1954, Leipzig C1, Neues Grassi-Museum anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentags Leipzig 1954 1954: X. Triennale Mailand 1956: Arte Liturgica in Germania, Palazzo Lateranense, Rom (heute Vatikanische Museen) 1976: Textiles Appliqués, Musée Château d’Annecy, Frankreich 2013: To open eyes. Textile Kunst vom Bauhaus bis heute, Kunsthalle Bielefeld 17. November 2013 - 16. Februar 2014
Literatur Friedrich Meschede, Jutta Hülsewig-Johnen (Hrsg.) Kunsthalle Bielefeld ‚To open eyes. Kunst und Textil vom Bauhaus bis heute‘, Katalog der Ausstellung 17. November 2013 - 16. Februar 2014, Bielefeld 2013.
Einzelnachweise
Anmerkungen
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