hochkant|mini|Patriarch Diodoros (1987)
Diodoros, bürgerlicher Name , (geboren 14. August 1923 auf der Insel Chios; gestorben 20. Dezember 2000 in Jerusalem) war von 1981 bis zu seinem Tod Patriarch des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats von Jerusalem.
Biografie Damianós G. Karívalis kam als Jugendlicher 1938 nach Jerusalem, ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina. Er studierte Theologie an der Universität Athen und empfing 1947 die Priesterweihe. Nach seiner Wahl zum Erzbischof von Hierapolis 1962 wurde er 1963 als Patriarchatsvikar nach Amman entsandt.F. Bouwen: Verkiezing patriarch Diodoros, 1981, S. 212 f. Er sprach fließend Arabisch und unterstützte den Bau von Kirchen und Schulen in Jordanien. Damit erwarb er sich viele Sympathien.Friedrich Heyer: 2000 Jahre Kirchengeschichte des Heiligen Landes, Münster u. a. 2000, S. 343.
Am Morgen des 10. Dezember 1980 starb der 89-jährige Patriarch Benediktos im Jerusalemer Hadassa-Krankenhaus. Erstmals seit Inkrafttreten der Kirchenverfassung von 1958 war nun ein neuer Patriarch zu wählen. Die Kirchenverfassung sah vor, dass der Gewählte die Billigung der jordanischen Regierung brauchte. Nachdem Israel 1967 die Jerusalemer Altstadt eingenommen hatte, wo sich der Amtssitz des Patriarchen befindet, war offensichtlich, dass er zusätzlich die Billigung der israelischen Regierung benötigte. Die erste Abstimmung fand am 5. Januar 1981 statt; die meisten Stimmen erhielten der Vakanzverwalter (locum tenens) Metropolit Germanos von Petra, sowie Metropolit Basilios von Caesarea und Erzbischof Diodoros von Hierapolis. Da Diodoros seit Jahren in Amman lebte, galt er als Wunschkandidat der jordanischen Regierung. Hingegen favorisierte die israelische Regierung Gerüchten zufolge Metropolit Basilios. Am zweiten Wahlgang nahmen die in Jerusalem wohnhaften Archimandriten sowie zehn verheiratete arabische Priester teil, die von den Ortsgemeinden entsandt worden waren. Der letzte Wahlgang fand am 16. Februar statt. Germanos hatte seine Kandidatur zurückgezogen; Basilios erhielt fünf Stimmen und Diodoros neun.F. Bouwen: Verkiezing patriarch Diodoros, 1981, S. 211 f. Am Sonntag, dem 1. März 1981 fand die Inthronisation des neuen Patriarchen in der Grabeskirche statt.F. Bouwen: Verkiezing patriarch Diodoros, 1981, S. 213.
Im Verlauf seiner Amtszeit nahm Damianos gegenüber der Ökumene eine immer ablehnendere Haltung ein.Pro Oriente: Griechisch-orthodoxes Patriarchat von Jerusalem Im Jahr 1989 zog sich das Patriarchat aus bilateralen Gesprächen mit der Römisch-katholischen Kirche zurück. Das Jerusalemer Patriarchat gehörte dem Ökumenischen Rat der Kirchen bereits seit dessen Gründung 1948 an, entsandte aber zur 8. ÖRK-Vollversammlung (Harare 1998) keine Delegierten mehr.Anna Koulouris, Bishara Ebeid: Ecumenical Dialogue in the Perspective of the Patriarchate of Jerusalem. In: Pantelis Kalatzidis et al. (Hrsg.): Orthodox Handbook on Ecumenism: Resources for Theological Education. Regnum Books, Oxford 2014, S. 338–351.
Am zwölften Jahrestag seiner Inthronisation, den Patriarch Diodoros am 28. Februar 1993 beging, weihte er in der Grabeskirche den arabischen Priester Symeon Jabra Al-Far zum Bischof von Jamnia. Der 1952 in Beirut geborene Al-Far stammte aus einer palästinensischen Flüchtlingsfamilie aus Ramleh und hatte an der libanesischen Universität Balamand studiert. Seine Bischofsweihe wurde als Zeichen guten Willens des Patriarchen gegenüber dem arabischsprachigen Kirchenvolk gesehen. Dieses hatte im Vorjahr zunehmend darauf gedrängt, nach der Kirchenverfassung arabische Bischöfe zu weihen.F. Bouwen: De Grieks-Orthodoxe Kerk. In: Het Christelijk Oosten, Band 47 (1995), S. 132 f.
Am 13. April 1990 (dem orthodoxen Gründonnerstagstermin) besetzten etwa 150 Aktivisten der religiös-zionistischen Organisation Ateret Kohanim das Johanneshospiz im Christlichen Viertel von Jerusalem. Ateret Kohanim gab an, die Immobilie über eine in Panama registrierte Briefkastenfirma erworben zu haben; später wurde bekannt, dass der Pächter Martiros Matossian, ohne dafür vom Patriarchat bevollmächtigt zu sein, das Johanneshospiz für geschätzt 3,5 bis 5 Millionen Dollar verkauft hatte. Bis zu 40 Prozent der Kaufsumme hatte das israelische Wohnungsbauministerium beigesteuert. Gleich nach der Fußwaschungs-Zeremonie in der Grabeskirche führte Patriarch Damianos eine spontane Demonstration zum Hospiz an. Als es dort zum Handgemenge zwischen Mönchen und Aktivisten kam, zerstreute die israelische Polizei die Menge mit Tränengas, der Patriarch wurde dabei zu Boden geworfen. Das Patriarchat rief das Oberste Gericht Israels an, das am 27. April entschied, während der laufenden Prozesse könne Ateret Kohanim zwanzig Personen in der Immobilie mit Instandhaltungsarbeiten beschäftigen.Michael Dumper: The Politics of Sacred Space: The Old City of Jerusalem in the Middle East Conflict. Lynne Rienner, Boulder 2001, S. 124–127. Es gelang dem Patriarchat bis zum Tod von Damianos (und darüber hinaus) nicht, den Abzug dieser zwanzig Aktivisten aus dem Johanneshospiz zu erreichen.
Im März 2000 empfing Diodoros Papst Johannes Paul II. bei dessen Heilig-Land-Reise. Die Begegnung wurde als Zeichen vorsichtiger Wiederaufnahme ökumenischer Kontakte verstanden.
Im April 2000 empfing der bereits schwerkranke Patriarch den israelischen Unternehmer Benno Zussman, mit dem eine jahrelange gute Beziehung bestand, und den US-amerikanischen Unternehmer Yaacov Rabinovich in Begleitung des Notars Avraham Peri. Zussman und Rabinovich ließen den Patriarchen in dem Glauben, es handle sich um einen Besuch anlässlich des Osterfestes und sie überbrächten Ostergrüße. Tatsächlich hatten sie für das Patriarchat sehr unvorteilhafte neue Pachtverträge für Kirchenland unter anderem im West-Jerusalemer Stadtteil Talbieh vorbereitet und Damianos’ Unterschrift sowie das Patriarchatssiegel gefälscht. Peri erklärte gegenüber der Israel Land Authority und dem Jüdischen Nationalfonds später wahrheitswidrig, er habe selbst gesehen, wie Damianos den Pachtvertrag unterschrieb. Daraufhin erhielten Zussman und Rabinovich 20 Millionen Dollar, die sie dem Patriarchen übergeben sollten, aber in die eigene Tasche steckten. Die Betrüger wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, aber die Behörden konnten nur sieben Millionen Dollar sicherstellen. Der Jüdische Nationalfonds versuchte, sich die restlichen 13 Millionen vom Jerusalemer Patriarchat zurückzuholen. Diese Greek Patriarchate Affair beschäftigte israelische Gerichte bis 2025.
Diodoros starb 77-jährig am 20. Dezember 2000 im Hadassa-Krankenhaus in Jerusalem an Leberschäden infolge seiner Diabetes-Erkrankung.
Literatur Friedrich Heyer: 2000 Jahre Kirchengeschichte des Heiligen Landes. LIT, Münster u. a. 2000. F. Bouwen: Verkiezing patriarch Diodoros. In: Het Christelijk Oosten, Band 33 (1981), S. 211–214.
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Anmerkungen
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