mini|Stammwappen der Coccapani zu Carpi bzw. Florenz mini|Wappen der Coccapani aus Carpi, gemäß Wappenbesserungen 1530, 1590, auch Wappen der nachmaligen Marchesi Coccapani zu Rocco Coccapani in Spezzano und zu Fiorano Modenese, sowie Siebmacher, Band 4, um 1701 Coccapani ist der Name einer aus Carpi stammenden adeligen Familie. Bereits im 15. Jahrhundert stellte sie mit Bartolomeo einen Bischof von Rimini, im 17. Jahrhundert mit Paolo einen Bischof von Reggio. Eine Linie übersiedelte im 16. Jahrhundert nach Florenz, der mehrere Künstler, Architekten, Mathematiker und Goldschmiede angehörten. Zu den bedeutendsten Mitgliedern zählen der Architekt und Mathematiker Giovanni Coccapani (1582–1649) sowie dessen jüngerer Bruder, der Maler, Zeichner und Architekt Sigismondo Coccapani (1583–1643). Daneben sind insbesondere der Goldschmied Giovanni Battista Coccapani und der Goldschmied und Juwelier Regolo Francesco Coccapani dokumentiert. In einer anderen Linie stiegen die Coccapani aus Carpi zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu regierenden Feudalherren mit dem Adelstitel Marchese auf.
Geschichte mini|Coccapani Familien-Stammbaum (1260 bis 1685) Die Familie gehörte dem Adel der estensischen Staaten an: Sie kam ursprünglich aus der Provinz Salerno und verbreitete sich nach Rieti, Rimini, Modena, Carpi, Mantua, Ferrara und Florenz. 1430 wurden sie in das Patriziat von Modena eingetragen, sowie in den Adel von Carpi.Annuario della nobiltà italiana, Bari 1896, S. 468–470.
Regolo Francesco Coccapani übersiedelte von Carpi nach Florenz und begründete dort den florentinischen Zweig der Familie. Seine Söhne Giovanni, Giovanni Battista und Sigismondo gingen unterschiedlichen Berufen nach. Ein weiterer Sohn, Vincenzo Coccapani (1589–1630), ist ebenfalls belegt, ohne dass seine berufliche Tätigkeit näher bekannt ist.
mini|Ercole Coccapani-Imperiale, marchese di Spezzano, patrizio modeneseAnnuario della nobiltà italiana, Bari 1896, S. 579. (Markgraf von Spezzano, Patrizier von Modena; 1803–1861), Kammerherr des Franz V., Erzherzogs von Österreich-Este, des letzten regierenden Herzogs von Modena und Reggio sowie Herzogs von Massa und Fürsten von Carrara, nachmals „Bevollmächtigter Minister für das politisch-militärische Bündnis zwischen der Toskana, Modena, Bologna und Parma“, 1860–1861 Senator des Königreichs Sardinien; 1861 bis † 1861 Senator des Königreichs Italien, Gemälde 1860 1519, zu Beginn der Regierungszeit Karls V., bekam Julian Cochapani (Cocapani), gewesener Gesandter Kaiser Maximilians bei mehreren Päpsten, seine Söhne Thomas, Peter, Franz, Caesar, Herkules (Ercole), sein Enkel Hieronymus, sowie die Enkel seines Bruders Niklas Maria, eine Wappenbesserung im Adelsstand, dann ad personam den Ritterstand und Palatinat.Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel RAA 67.32, Titel: Cochapani (Cocapani), Julian, gewesener Gesandter Kaiser Maximilians bei mehreren Päpsten, seine Söhne Thomas, Peter, Franz, Caesar, Herkules, sein Enkel Hieronymus, und die Enkel seines Bruders Niklas Maria, Wappenbesserung im Adelsstand, dann ad personam Ritterstand und Palatinat, 1519. Am 12. April 1530 erhielt der Doktor der Rechte Anton Cocapani (Cochapani) aus Carpi zu Mantua eine Wappenbesserung im Adelsstand ausgestellt, sowie ad personam den Ritterstand.Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel RAA 67.26, Titel: Cocapani (Cochapani), Anton, JUDr., aus Carpi, Wappenbesserung im Adelsstand, und ad personam Ritterstand, 12. April 1530 Am 20. Januar 1590 erhielt zu Prag Herkules Coccapani, und sein Vater Guido Coccapani, Schlosshauptmann zu Ferrara, eine Wappenbesserung im Adelsstand, und ad personam das Palatinat.Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel RAA 67.27, Titel: Coccapani, Herkules, und sein Vater Guido, Schlosshauptmann zu Ferrara, Wappenbesserung im Adelsstand, und ad personam Palatinat, 20. Januar 1590 Das Castello di Spezzano (auch Rocca Coccapani genannt) gehörte den Markgrafen (italienisch Marchesi) Coccapani. Sie erschienen schon 1581 urkundlich im Grafenstand (conti); 1623 conti di Giandeto e d'Orfiano. 1629 marchese di Spezzano (primogenitur): Nach dem Tod von Markus III. Pio di Savoia 1599 fiel die Burg an den Herzog von Modena und Reggio, Cesare d’Este, in dessen Familie sie für 30 Jahre blieb, bis 1629 das gesamte Lehen und die Burg an den Markgrafen Guido Coccapani fielen.Gianna Dotti Messori, Alberto Venturi: Fiorano Modenese oggi, da settemila anni. Mit Fotografien von Beppe Zagaglia. Fiorano Modenese 2001. S. 103–114. Kapitel: Il Castello di Spezzano.
Alfonso Coccapani, marchese di Spezzano, Sohn des Guido, nahm Fiorano Modenese Anfang Juni 1651 formal in Besitz. Er erhielt 1651 die Titel marchese (für alle männlichen Nachkommen) und signore di Fiorano (primogenitur), nob. e patr. modenesi (Adeliger und Patrizier von Modena; für alle männlichen Nachkommen) verbrieft. Spezzano blieb der Hauptort der Markgrafschaft und die Burg wurde Sitz der Verwaltung.Guido Bucciardi: Fiorano nelle vicende storiche del castello e del santuario dalle origini al 1859. Tipografia Pontificia ed Arcivescovale dell’“Immacolata Concezione,” 1934. S. 167–204. Kapitel: Il feudo Coccapani. Nach ihm erbte Filippo Antonio Coccapardi (1660–1723) die Burg. Er beschloss, eine Kapelle bauen zu lassen, die der Jungfrau Maria geweiht war, und ließ 1699 einen Altar mit Antependium von dem Künstler Giammarco Mazzelli aus Carpi errichten.Gianna Dotti Messori: Spezzano una comunità, un castello. Comune di Fiorano Modenese, Fiorano Modenese 1990. S. 25–30. Kapitel: Il castello. 1823 erfolgte die Wappen- und Namensvereinigung mit dem der Imperiali. Die Marchesi Coccapani(-Imperiali) bewohnten die Burg bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Dann wurden die verwandtenAnnuario della nobiltà italiana, Bari 1896, S. 470. Grafen Pignatti Morano Eigentümer.
Familienmitglieder (Auswahl) Bartolomeo Coccapani († im August 1485) war ein katholischer Bischof von Rimini im 15. Jahrhundert. Er übernahm das Bistum am 4. Mai 1472 und blieb bis zu seinem Tod im August 1485 im Amt. Das Historische Diözesanarchiv von Rimini führt ihn entsprechend für die Jahre 1472–1485. Besonders interessant ist seine Tätigkeit im Jahr 1477: Unter Bartolomeo Coccapani wurden ältere Synoden und kirchenrechtliche Bestimmungen der Diözese Rimini gesammelt bzw. in den Statuta episcopatus Ariminensis zusammengeführt. Damit ist sein Name auch für die mittelalterliche Kirchen- und Rechtsgeschichte Riminis relevant.Miscellanea di storia italiana, Band 15, Turin 1874, S. 126–127. mini|Paolo Coccapani, Bischof von Reggio 1625 bis 1650, Gemälde 1625 Regolo Francesco Coccapani (* 12. August 1546 in Carpi; † 21. Januar 1620 in Florenz) war Goldschmied und Juwelier. Er stammte aus einer adligen Familie und folgte seinem Onkel Sigismondo di Niccolò, der als Hauptmann der Kavallerie an der Unterwerfung Sienas beteiligt gewesen war, nach Florenz. Dort heiratete er Maria Margherita Chiosi. Regolo Francesco begründete den in Florenz ansässigen Zweig der Familie. Er betrieb eine Goldschmiedewerkstatt und übergab diese 1612 an seinen Sohn Giovanni Battista. Regolo Francesco wurde in Santa Maria Maggiore in Florenz beigesetzt. Giovanni Coccapani (* 19. Mai 1582 in Florenz; † 31. Oktober 1649 ebenda) war Architekt und Mathematiker. Er war der älteste Sohn Regolo Francescos und der ältere Bruder Sigismondo Coccapanis. Neben seinen mathematischen und architektonischen Studien beschäftigte er sich mit Mechanik, Hydraulik und Festungsbau. Nach Angaben des Dizionario Biografico degli Italiani war er promovierter Jurist. Von 1638 bis 1640 war Giovanni Coccapani erster Lektor für Mathematik an der Accademia delle Arti del Disegno in Florenz. Zu seinen wissenschaftlichen und technischen Interessen gehörten mathematische Studien, Maschinenbau und hydraulische Anlagen. Er stand in Verbindung mit Galileo Galilei und mit Künstlern und Gelehrten seines Umfelds. In den Quellen werden verschiedene architektonische Projekte genannt, darunter Vorhaben für die Casa degli Zati in der Via Ghibellina und für die Kirche und das Monastero di Santa Teresa in Florenz. In Volterra werden ihm Projekte für die Kirchen San Giusto und San Clemente zugeschrieben. Außerdem wurde er zu architektonischen Projekten für die Villa Poggio Imperiale, die Kirche San Firenze und das Collegio dei Nobili in Modena konsultiert. Die Zuschreibungen einzelner Bauprojekte sind teilweise nicht urkundlich gesichert. Giovanni war mit Domenica di Michele Fortunati verheiratet. Aus der Ehe stammte unter anderem Regolo Silverio Coccapani (1647–1719), der später in den Piaristenorden eintrat und 1683 Schriften über seinen Vater veröffentlichte. Giovanni wurde ebenfalls in Santa Maria Maggiore in Florenz bestattet. Giovanni Battista Coccapani (* nach 1589 in Florenz; † 12. August 1644 ebenda) war Goldschmied und Juwelier. Er war ein Sohn Regolo Francescos und Bruder von Giovanni und Sigismondo Coccapani. 1612 übernahm er die väterliche Goldschmiedewerkstatt am Ponte Vecchio in Florenz. Am 17. April 1613 wurde er bei der Florentiner Zunft Arte di Por Santa Maria immatrikuliert. Seine Werkstatt war sowohl für private Auftraggeber als auch für verschiedene Florentiner Kirchen tätig, darunter Santa Maria del Fiore, San Jacopo sopr’Arno und Santa Trinita. Werkstattunterlagen Giovanni Battista Coccapanis befinden sich im Staatsarchiv Florenz (italienisch: Archivio di Stato di Firenze). Dazu gehören Notizhefte und Empfangsbestätigungen, die seine umfangreiche Tätigkeit dokumentieren. Giovanni Battista war mit Maria Maddalena Signorini verheiratet. Aus der Ehe gingen Domenico, der Mönch im Konvent San Bartolomeo a Monteoliveto wurde, und Margherita, die Nonne in San Barnaba wurde, hervor. Sigismondo Coccapani (auch Gismondo Coccapani; * 10. August 1583 in Florenz; † 3. März 1643 ebenda) war ein italienischer Maler, Zeichner und Architekt des Barock. Er war der Sohn des Goldschmieds Regolo Francesco Coccapani und der jüngere Bruder Giovanni Coccapanis. Seine künstlerische Ausbildung begann bei Bernardo Buontalenti; anschließend studierte er bei Lodovico Cardi, genannt Cigoli. Am 7. April 1609 wurde er in die Florentiner Accademia del Disegno aufgenommen. 1610 bis 1612 arbeitete er in Rom als Mitarbeiter Cigolis an der Ausmalung der Cappella Paolina in der Basilica di Santa Maria Maggiore. In Rom kam Coccapani mit dem naturwissenschaftlichen Denken Galileo Galileis in Berührung. Nach dessen experimenteller Methode führte er Naturbeobachtungen durch und beschäftigte sich insbesondere mit hydraulischen Fragen. Zwischen 1612 und mindestens 1634 arbeitete er an einem Manuskript über die Regulierung des Arno.
Aus der folgenden Generation ist insbesondere Regolo Silverio Coccapani (1647–1719), der Sohn Giovanni Coccapanis, bekannt. Er trat in den Piaristenorden ein und verfasste unter dem Namen Orsilio Felluntino bukolische Dichtungen. Ab 1674 war er Rektor des Konvents Santa Maria de’ Ricci in Florenz. 1683 veröffentlichte er Schriften über seinen Vater. Der Biograph Filippo Baldinucci stützte sich bei seinen Nachrichten über Sigismondo Coccapani nach Angaben der Forschung unter anderem auf Aufzeichnungen und Briefe eines gleichnamigen geistlichen Neffen aus der Familie. Ein weiterer Verwandter war Paolo Coccapani (1584–1650), Erzpriester in Carpi von 1617 bis 1625, ab 1625 Bischof von Reggio (Reggio Emilia), gestorben 1650 ebenda.Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, Band 17, Wien 1896, S. 217. Er wird in den biografischen Quellen als bedeutender Sammler bezeichnet.
Bedeutung und Sammlertätigkeit