mini|Ehemaliges Jesuitenkolleg in Lwiw Das Jesuitenkolleg Lemberg (polnisch Kolegium jezuitów we Lwowie, ukrainisch Львівська єзуїтська колегія) war eine vom Jesuitenorden getragene Bildungs- und Ordenseinrichtung in Lemberg im damaligen Polen-Litauen. Das 1608 eingerichtete Kolleg entwickelte sich im 17. Jahrhundert zu einem bedeutenden Bildungszentrum der Region. König Johann II. Kasimir verlieh seiner Schule am 20. Januar 1661 die „Würde einer Akademie und den Titel einer Universität“. Damit bildet das Kolleg einen wesentlichen institutionellen Vorläufer der heutigen Nationalen Iwan-Franko-Universität Lwiw.
Geschichte Die Jesuiten ließen sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts dauerhaft in Lemberg nieder gefördert von Bischof Jan Dymitr Solikowski. Bereits 1596 und 1597 sind Stiftungen und Grundstücksübertragungen zugunsten der geplanten Niederlassung und des Kollegs dokumentiert. Im Jahr 1608 nahm das Kolleg seinen regelmäßigen Lehrbetrieb auf. Unterrichtet wurden zunächst Grammatik, Humaniora (Geisteswissenschaften) und Moraltheologie, später unter anderem Rhetorik, Philosophie, Mathematik und Theologie.
Am 20. Januar 1661 verlieh König Johann II. Kasimir der Schule des Jesuitenkollegs die „Würde einer Akademie und den Titel einer Universität“. Das Privileg bildete eine wichtige Grundlage für die spätere Entwicklung des Hochschulwesens in Lemberg. Seine praktische Umsetzung war jedoch zunächst umstritten, unter anderem aufgrund des Widerstands bestehender Hochschulen in Krakau und Zamość.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Lehrangebot weiter ausgebaut. Zeitweise besuchten mehrere hundert Studenten die Einrichtung; zum Kolleg gehörten auch eine Bibliothek und eine Druckerei.
Mit der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 endete die bisherige Organisationsform. Unter habsburgischer Herrschaft wurde das Hochschulwesen neu geordnet. Kaiser Joseph II. gründete 1784 in Lemberg eine staatliche Universität.
Das Jesuitenkolleg gehörte zu den bedeutenden Bildungsinstitutionen im östlichen Teil der polnisch-litauischen Adelsrepublik. Besondere historische Bedeutung besitzt die Einrichtung aufgrund des königlichen Privilegs von 1661 und ihrer Rolle in der Vorgeschichte der heutigen Universität Lwiw.
Gebäude Das ehemalige Kolleg lag unmittelbar neben der Jesuitenkirche Kirche St. Peter und Paul an der heutigen Teatralna-Straße in der Altstadt von Lwiw. Kirche, Kolleg und weitere Ordensgebäude bildeten einen zusammenhängenden Jesuitenkomplex.
Der historische Jesuitenkomplex liegt innerhalb der zum UNESCO-Welterbe gehörenden Altstadt von Lwiw. Die unmittelbar an das ehemalige Kolleg angrenzende Jesuitenkirche St. Peter und Paul wurde durch Beschluss des Ministerrats der Ukrainischen SSR Nr. 970 vom 23. August 1963 in die nationale Denkmalliste aufgenommen und trägt die Schutznummer 338.
Ehemalige Schüler Jan Stanisław Jabłonowski (1669–1731) Nikolaus Basilius Potocki (1707/8–1782) Ignacy Krasicki (1735–1801) Grzegorz Piramowicz (1735–1801) Franciszek Karpiński (1741–1825) Antoni Angelowicz (1759–1814)
Literatur Oleg Druzdiev: Preconditions for the Establishment of the Facility of the Society of Jesus in Lviv. In: Kyivan Academy, Band 18, 2021, S. 33–47. Stanisław Załęski: Jezuici w Polsce. Krakau 1904. Grzegorz Łuszczak: Nauczyciele i wychowawcy szkół jezuickich we Lwowie 1608–1773. Bronisław Natoński. Laterna Marcin (1552–1598) // Polski Słownik Biograficzny. — Wrocław — Warszawa — Kraków: Zakład Narodowy Imienia Ossolińskich, Wydawnictwo Polskiej Akademii Nauk, 1971. — Band. 16. — S. 565–567
Weblinks
Geschichte der Universität Lwiw Jesuitisches Digitalarchiv – Dokumente zum Kolleg Lemberg Center for Urban History – Jesuitenkomplex Lwiw
Siehe auch Ehemalige Jesuitenkirche in Lemberg
Einzelnachweise
Jesuitenkolleg Kategorie:Hochschule in der Ukraine Kategorie:Ehemaliges Kolleg der Jesuiten Kategorie:Ehemalige Niederlassung der Jesuiten Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1608 Kategorie:Aufgelöst 1773 Kategorie:Kirchengebäude in Europa