mini|hochkant|Architekt Georg Berger mini|Architekturbüro Georg Berger in Wien Georg Berger (* 11. Juni 1856 in Magdeburg; † 8. März 1930 in Wien) war ein deutsch-österreichischer Architekt. Viele seiner Bauten stehen in der Stadt Mährisch Schönberg (Šumperk) in der Region Olmütz, aber keines seiner Werke steht unter Denkmalschutz. Architektenlexikon Wien: Georg Berger (abgerufen am 18. August 2026) Architekt Georg Berger: Šumperský sen (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026)

Leben und Wirken Georg Berger besuchte die Realschule in Magdeburg und die Baugewerkschule Höxter in Westfalen. Danach studierte er an der Technischen Hochschule Stuttgart und war in verschiedenen Architekturbüros in Hannover tätig. Anschließend war er selbständiger Architekt in Magdeburg. Ab 1895 war Berger in Wien als selbständiger Architekt tätig, wo er vor allem bei der Errichtung von Miethäusern im 3. Bezirk am Dannebergplatz beteiligt war. Er war Mitglied des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins (ÖIAV).

Im Jahr 1901 nahm er an einem Architekturwettbewerb für das Deutsche Haus in Mährisch Schönberg teil, wobei sein Entwurf im Stil der nordischen Neorenaissance ausgewählt wurde. Für die Ausführung des repräsentativen Gebäudes mit einem Mehrzwecksaal für gesellschaftliche Ereignisse und Theateraufführungen musste er seinen Entwurf nochmals grundlegend überarbeiten. Eingang und Hauptsaal wurden im Flügel an der Goethestraße (heute Komensky-Straße) angeordnet und die Bühnentechnik in einem Eckturm mit Zinnen untergebracht. Die Fertigstellung und Eröffnung war im Jahr 1902.

Im Jahr 1909 gewann Georg Berger gemeinsam mit Ludwig Schöne (1845–1935) den Wettbewerb für das Rathaus in Mährisch Schönberg und wurde mit der Errichtung beauftragt. Seit dieser Zeit wirkte er hier in M. Schönberg (Šumperk) als selbständiger Architekt und hat zahlreiche Villen entworfen. Da er hier keine eigene Villa besaß, wohnte er im Gästehaus (Pension) des Hotels Seifert, blieb aber stets an der Adresse seines Wiener Ateliers (Wien, Josefstädter Str. 29) gemeldet. Hier in M. Schönberg hat er auch seine zweite Frau gefunden. Seine Popularität bei der deutschen Bevölkerung von M. Schönberg (trotz seiner evangelischen Konfession) beruhte wohl auf einer gewissen Nostalgie in der kulturellen Verbindung zwischen M. Schönberg und Wien. Der Geschmack der lokalen Bauherren verlangte nach malerischen Gebäuden, die an die deutsche Tradition und Geschichte der Region anknüpften. Diese Wunschvorstellung von einem deutschen Haus mit Türmchen, verschiedene Erkern und gegliederten Mansarddächern konnte er perfekt erfüllen. Für die tschechische Bevölkerung wirkten diese Häuser aber oft fremdartig (siehe hierzu auch Cizí dům? - Ein fremdes Haus?). Das könnte auch der Grund dafür sein, dass keines seiner vielen Bauten bisher unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Er verwendete auch neuzeitliche Materialien, z. B. einen speziellen Zementputz, den sogenannten Kunststein, der sehr haltbar ist. Man findet ihn noch heute an zahlreichen Gebäuden in Šumperk, z. B. am Haus der Witwe Emmer, Starobranská 248/21, mit dem Stuckrelief-Porträt des Philosophen Francis Bacon und dem Leitspruch „Wissen ist Macht“ und dem evangelischen Pfarrhaus in Schönberg (1929), seinem letzten Bauwerk. V éře funkcionalismu Berger okouzlil Šumperk zdobnými domy (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026)

Georg Berger kann als typischer Architekt des Späthistorismus bezeichnet werden, der alle Stile der Vergangenheit souverän beherrschte und diese, wie bei den Bauten um den Arenbergpark, auch eigenständig modifizierte. Während seiner Tätigkeit in Wien in den Jahren 1895 bis 1908 blieb er trotz des Übergangs zum Sezessionsstil in dieser Zeit seiner Gestaltungsweise treu. Für seine Entwürfe von Sakralbauten wählte er jedoch mittelalterliche Stile, um die Religiosität zu betonen. Für den Landhaus- bzw. Villenbau bevorzugte er Formen des Heimatstils, weil er damit den romantischen Wünschen seiner Bauherren entgegenkam. Er starb 1930 in Wien und wurde auf dem evangelischen Friedhof in Wien-Matzleinsdorf beigesetzt, sein Grab ist nicht erhalten. Das Heimatmuseum in Šumperk hat im Jahr 2021 eine Ausstellung über den Architekten gezeigt.

Bauten (Auswahl) Kristina Lipenská vom Heimatmuseum (Vlastivědné muzeum Šumperk) hat über zwanzig Gebäude in Šumperk und Umgebung dokumentiert, an denen der Architekt Georg Berger beteiligt war: 1899: Miethaus Schneider in Wien, Pfeiffergasse 6 1901/02: Deutsches Vereinshaus, jetzt Stadttheater in Šumperk, Komenského 312/3 Deutsches Haus auf malaviden.cz (abgerufen am 18. August 2026) Ehemals Deutsches Bundeshaus (abgerufen am 18. August 2026) 1901–1904: Umbau des Rathauses in Olmütz – Olomouc 1902: Villa Hebelka in Šumperk, Jeremenkova 737/2 1902: Wohnhaus in Wien, Köstlergasse 10 1903: Villa des Unternehmers Berger in Šumperk, Husitská 748/12 Šumperské vily Georga Bergera (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026) 1905: Villa Makacz in Zwittau – Svitavy 1906–1908: Miethäuser in Wien, Dannebergplatz (ehemals Arenbergring) 1909–1911: Rathaus Šumperk, náměstí Míru 364/1 Rathaus auf malaviden.cz (abgerufen am 18. August 2026) 1912: Villa Wolf in Arbe - Rab (Kroatien) bei der Kirche St. Justin, ein Wohngebäude im venezianischen Stil Stopy Georga Bergera na Jadranu (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026) 1920–1923: Villa für den Unternehmer Carl Strobach (1870–1929) in Šumperk, Fialova 917/14 Villa Strobach auf malaviden.cz (abgerufen am 18. August 2026) Bergerův nejbližší přítel a mecenáš Carl Strobach ml. (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026) um 1920/21: zwei Verwaltungsvillen in Olšany nad Moravou (Olleschau) und Dlouhá Loučka (Langendorf) für die Papierfabriken von Carl Strobach, dem Generaldirektor der Papier-Industrie-AG Olleschau, Prag, Tschechoslowakei 1921/22: Umbau des Hauses Carl Frömel mit der Meiss-Weinstube und Jugendstilfassade in Šumperk, Lužickosrbská 117/5 Dům Carla Frömela s Meissovou vinárnou (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026) 1923: Kriegerdenkmal bei der Barbarakirche (zusammen mit dem Bildhauer Viktor Kusche) im ehem. Schillerpark (Jiráskovy sady) in Šumperk, nach 1945 abgerissen Památník v Schillerově parku (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026) 1923: Villa Engel in Šumperk, Janošíkova 953/6 1924: Hotel und Pension Anton Seifert in Šumperk, Rooseveltova 684/4 Hotel a penzion Antona Seiferta (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026) 1925: Umbau des Hauses Emmer in Šumperk, Starobranská 248/21 Emmerovo knihkupectví (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026) 1925: Villa Trampisch in Šumperk, 8. května 1049/35 1926/27: Villa Meisinger in Šumperk, 17. listopadu 1081/15 1927: Villa Langer in Šumperk, Puškinova 1141/10 1929: Umbau der deutschen evangelischen Kirche in Šumperk, Šmeralova Práce pro německé evangelíky (tschech.) (abgerufen am 18. August 2026) 1929: Pfarrhaus der evangelischen Kirche in Šumperk, Revoluční 1174/8 Evangelische Kirche auf malaviden.cz (abgerufen am 18. August 2026)

Galerie der Bauten

Literatur Kristina Lipenská: Architekt Georg Berger: Šumperský sen (Der Architekt Georg Berger: Der Schönberger Traum), 2021, Vlastivědné muzeum Šumperk, 104 S., ISBN 978-80-85083-94-1 (tschech.) mit der Darstellung von über zwanzig Bauten von Georg Berger Architekt Georg Berger. Šumperský sen (abgerufen am 18. August 2026)

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Einzelnachweise

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