Sigismondo Coccapani (* 10. August 1583 in Florenz; † 3. März 1643 ebenda, begraben in Santa Maria del Fiore) war ein italienischer Maler, Zeichner und Architekt des Florentiner Barock. Leben
mini|Sigismondo Coccapani (1583–1643): Moses und die Töchter Jitros, 1630er Jahre, Öl auf Leinwand. Detroit Institute of Arts, DetroitSigismondo Coccapani wurde als Sohn des aus Carpi stammenden Goldschmieds Regolo Coccapani geboren, der 1603 das Florentiner Bürgerrecht erhielt. Sigismondo Coccapani war ein Neffe von Paolo Coccapani. Dieser war Erzpriester von Carpi und ab 1617 Bischof von Reggio nell’Emilia. Paolo Coccapani galt als bedeutender Sammler. Ein Sammlerstempel mit einem aufgerichteten Widder (Lugt Nr. 2729) wird der Sammlung Coccapani in Florenz zugeordnet und findet sich auf zahlreichen Zeichnungen, die dieser Sammlung zugeordnet werden konnten.
Sigismondo Coccapani erhielt seine erste künstlerische Ausbildung bei seinem Vater und seinem Bruder Giovanni, bevor er Schüler von Bernardo Buontalenti und anschließend von Lodovico Cardi, genannt il Cigoli, wurde. In dessen Werkstatt könnte er Giovanni Bilivert und Domenico Fetti kennengelernt haben. Am 7. April 1609 wurde er in die Accademia delle Arti del Disegno in Florenz aufgenommen. Zwischen 1610 und 1612 war er gemeinsam mit seinem Mitschüler Vincenzo Boccacci als Gehilfe Cigolis an der Ausmalung der Kuppel der Cappella Paolina in der Kirche S. Maria Maggiore in Rom beteiligt. Vermutlich durch Vermittlung seines Lehrers kam Coccapani mit Galileo Galilei in Kontakt. Nach dessen experimenteller Methode führte er von 1612 bis mindestens 1634 Naturbeobachtungen durch, die er in einer Handschrift zur Regulierung des Arno festhielt. Zudem werden ihm die letzten, bislang unbekannten Kartenzeichnungen im Trattato pratico di prospettiva Cigolis zugeschrieben (Florenz, Uffizien, Gabinetto Disegni e Stampe, Ms. 2660 A). mini|Sigismondo Coccapani: Flautista (Flötenspieler), 1630–1640. Galleria degli Uffizi, Florenz Nach seiner Rückkehr nach Florenz signierte und datierte Coccapani im Jahr 1613 sein erstes eigenständig dokumentiertes Werk, ein Lünettenfresko im Kreuzgang von San Marco. Aufgrund der spärlichen Quellenlage zu seinem malerischen Werk konnte lange kein gesicherter Werkkatalog erstellt werden. Erst die neuere Forschung konnte Coccapani von Alessandro Rosi unterscheiden, dem zuvor ein großer Teil der Sigismondo Coccapani zugeschriebenen Arbeiten galt.
Zwischen 1615 und 1617 schuf er im Auftrag von Michelangelo Buonarroti dem Jüngeren ein Deckengemälde im Familienpalast in der Via Ghibellina. Im Jahr 1617 signierte er das Gemälde Anbetung der Könige (heute in Signa), das 1616 von Schwester Maria Felice Palmieri für den Hauptaltar der Augustinerkirche San Baldassare in Coverciano bei Florenz in Auftrag gegeben worden war. 1619 entstand sein Selbstbildnis (Florenz, Uffizien), dessen Datierung sich aus der Inschrift eines Kupferstichs von Bernardino Curti aus dem Jahr 1644 ergibt. 1620 schuf er das signierte und datierte Gemälde Erminia mit den Hirten (heute in einer englischen Privatsammlung) und 1621 die heute verlorenen Leinwände Magnanimità und Magnificenza für die von der Compagnia dell'Arcangelo Raffaello (delle Scala) ausgerichteten Exequien für Cosimo II. de’ Medici. Zwischen 1621 und 1623 war Sigismondo Coccapani an der Ausmalung des Casino Mediceo beteiligt.
1628 entstand das Puttenkonzert (Florenz, Uffizien) und zwischen dem dritten und vierten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts die Bathseba (Florenz, Privatsammlung). Während der Pestepidemie von 1630 bis 1633 verfasste Coccapani einen heute verlorenen Traktat mit Entwürfen für Hospitäler und Krankenbahre. 1636 lieferte er nachweislich Kartons für die Medici-Teppichmanufaktur. 1638 signierte er das Gemälde Madonna mit Kind und dem heiligen Franziskus (Florenz, Privatsammlung) und übernahm zudem die malerische und architektonische Ausschmückung zweier Kapellen im Dom von Siena. Sein letzter bekannter Auftrag betraf im Jahr 1642 die Dekoration der Cappella Martelli in SS. Michele e Gaetano in Florenz. Seit 1619 war Sigismondo Coccapani als Lehrer an der Kunstakademie des Piero Strozzi tätig und später Mitglied der Accademia del Disegno. Als Mitglied dieser Akademie gehörte er 1633 der Kommission für den Wettbewerb um die Domfassade an, an dem er sich bereits 1630 mit eigenen Entwürfen beteiligt hatte. In Rom lieferte er zudem Entwürfe zur Erweiterung des Palazzo Barberini. Sigismondo Coccapani starb am 3. März 1643 in Florenz und wurde in S. Maria Maggiore beigesetzt.
Werk mini|Sigismondo Coccapani: Die Unbefleckte Empfängnis und der Ewige Vater zwischen Engeln, Fresko, um 1642, Gewölbe der Cappella Martelli, Kirche Santi Michele e Gaetano, Florenz Zu den gesicherten Werken Sigismondo Coccapanis zählen unter anderem:
Florenz, S. Marco, Kreuzgang: Der heilige Antoninus entlarvt zwei falsche Bettler (Lünettenfresko), signiert und datiert 1613 Florenz, Casa Buonarroti: Michelangelo, gekrönt von den vier Künsten, dokumentiert 1615–1617 Rom, S. Maria Maggiore, Cappella Paolina: Kuppelfresken (als Mitarbeiter unter Cigoli), um 1610/12 Signa/Florenz, S. Maria in Castello: Anbetung der Könige, signiert und datiert 1617 Florenz, Uffizien (Depot): Selbstbildnis, 1619; Musizierende Putten, signiert und datiert 1628; Allegorie des Winters (Wandteppich nach Coccapanis Entwurf), dokumentiert 1619 Florenz, Casino Mediceo: Die Künste präsentieren Großherzog Cosimo II. de’ Medici den Erweiterungsentwurf des Casino Mediceo, signiertes Lünettenfresko, um 1621/1623 Florenz, SS. Michele e Gaetano, Cappella Martelli: Predigt des heiligen Vinzenz Ferrer und Gefangenschaft des heiligen Vinzenz von Zaragoza (Lünetten, signiert und datiert 1642) sowie Deckenfresken Castelfiorentino, S. Verdiana: Martyrium des heiligen Bartholomäus, signiert Chambéry, Musée des Beaux-Arts: Kopie des Selbstbildnisses von Cigoli (ehemals) Sammlung Roti Michelozzi, Florenz: Ruhe auf der Flucht, Kupfer
Zeichnungen Coccapanis befinden sich unter anderem in Brünn (Mährische Galerie), Florenz (Uffizien, Biblioteca Marucelliana), Lille (Musée des Beaux-Arts), Lissabon (Museu Nacional de Arte Antiga), New York (Metropolitan Museum of Art) und Paris (École nationale supérieure des beaux-arts, Louvre), Rom (Gabinetto Nazionale delle Stampe) und Santa Barbara (Santa Barbara Museum of Art).
Literatur
Elisa Acanfora: Sigismondo Coccapani. Ricomposizione del catalogo, Aska Edizioni, Florenz 2017. Elisa Acanfora: Sigismondo Coccapani disegnatore e trattatista. In: Paragone, 40, 1989, Nr. 477, S. 71–99. Elisa Acanfora: Sigismondo Coccapani, un artista equivocato. In: Antichità viva, XXIX, 1990, Nr. 2–3, S. 11–25. Fiorella Sricchia Santoro: Coccapani, Sigismondo. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 26, Rom 1982, S. 435–438. Miles Chappell: The Shaping of Giovanni and Sigismondo Coccapani. In: Antichità viva, XXXIII, 1994, Nr. 2–3, S. 32–38. Miles Chappell: The Assumption of the Virgin and the Holy Family in Joseph’s Workshop by Sigismondo Coccapani. In: Source, XXIII, 2004, Nr. 4, S. 19–24. Elisa Acanfora: Sigismondo Coccapani: Trattato del modo di ridurre il fiume di Arno in canale e altri scritti di architettura e di idraulica. Florenz 2002. Francesca Baldassari: La pittura del Seicento a Firenze. Indice degli artisti e delle loro opere, Robilant Voena, Mailand 2009. Elisa Acanfora: Coccapani, Sigismondo. In: Mina Gregori, Erich Schleier (Hrsg.): La pittura in Italia. Il Seicento, Bd. 2, Mailand 1989, S. 697 Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 3: Bülow – Cossin. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Maler des Barock Kategorie:Maler (Italien) Kategorie:Maler (Florenz) Kategorie:Zeichner (Italien) Kategorie:Architekt (Italien) Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1583 Kategorie:Gestorben 1643 Kategorie:Mann