Der Militärische Aufklärungs- und Sicherheitsdienst (MIDD; lettisch: Militārās izlūkošanas un drošības dienests) ist einer von drei Nachrichtendiensten der Republik Lettland und untersteht dem Verteidigungsministerium. Er nimmt die Aufgaben eines Militärnachrichtendienstes wahr, wozu insbesondere die militärische Aufklärung und der Abschirmdienst zählen.
Auftrag Die Tätigkeit der Behörde ist über das Nationale Sicherheitsgesetz, das Gesetz über die staatlichen Sicherheitsbehörden, das Gesetz über Staatsgeheimnisse, das Gesetz über operative Tätigkeiten und über die Satzung des Militärischen Aufklärungs- und Sicherheitsdienstes geregelt.
Zu den Aufgaben des MIDD zählen die Beschaffung und Bereitstellung von nachrichtendienstlich relevanten Informationen für das Verteidigungsministerium sowie die nationalen Streitkräfte, die Aufdeckung und Verhinderung subversiver Tätigkeiten fremder Nachrichtendienste, Organisationen und Einzelpersonen, der Schutz von Staatsgeheimnissen innerhalb des Geschäftsbereichs des Verteidigungsministeriums und als nationale Einrichtung für die Fernmeldeaufklärung die Durchführung der Aufklärungsarbeit auf diesem Gebiet sowie der Schutz der gewonnenen Informationen.
Organisation Der MIDD untersteht der direkten Weisung des Verteidigungsministers, ist aber auch dem Ministerkabinett Rechenschaft schuldig.
Der Direktor des MIDD ist seit 2002 der 1960 in Stende geborene Indulis Krēķis.
Geschichte Am 26. März 1919 wurde auf Anordnung des Verteidigungsministers die Abteilung für Informationskontrolle in Liepāja gebildet. Wenige Tage später nahm die Behörde ihren Dienst auf und versorgte das Verteidigungsministerium mit Informationen von der lettisch-sowjetischen Front. Im Juni 1919 wurden die lettischen Kampfeinheiten erstmals zu einer Armee, den Lettischen Streitkräften (lettisch: Latvijas Bruņotie spēki), zusammengefasst und in diesem Zug auch eine eigene Nachrichtendienstabteilung eingerichtet, in die im August auch Kräfte des zivilen Staatssicherheitsamtes flossen. Nach dem Sieg über die Bermont-Armee wurde die Abteilung in separate Einheiten aufgeteilt: in eine Auslandsnachrichten- und eine Inlandsnachrichtenbehörde und eine Informationsabteilung.
Nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges 1920 wurde die lettische Armee reorganisiert und der militärische Informationsstab aufgelöst. Eine personell stark verkleinertes militärisches Nachrichtenamt existierte während der Zwischenkriegszeit unter wechselnden Namen, bis 1934 die Nachrichtenabteilung des Generalstabs etabliert wurde.
Die Besetzung Lettlands durch die UdSSR und die anschließenden personellen Säuberungen durch die stalinistische Geheimpolizei NKWD führten zur Verhaftung, Deportation und Ermordung vieler Offiziere und Mitarbeiter. Um die geheimen Informanten des Dienstes nicht den Sowjets auszuliefern, vernichtete dessen Leiter, Oberst F. Celmiņš-Celms, das gesamte Archiv und erschoss sich am 24. Juli 1940, um einer Verhaftung zu entgehen. Mit diesem Ereignis endete die faktische Existenz des militärischen Nachrichtendienstwesens in Lettland.
Gemäß dem Erlass des Verteidigungsministeriums Nr. 108 vom 12. Juni 1992 „Über die Einrichtung einer neuen strukturellen Einheit und eines neuen Stabes“ wurde eine neue Nachrichtendienststelle unter der Aufsicht des Verteidigungsministers eingerichtet – der Nachrichtendienst des Verteidigungsministeriums. Am 9. August 1994 erließ das lettische Ministerkabinett den Erlass Nr. 370-r „Über die Einrichtung des Militärischen Spionageabwehrdienstes des Verteidigungsministeriums“. Dieser Dienst übernahm die Rechte und Pflichten des Nachrichtendienstes. Im Jahr 1998 wurde der Abwehrdienst infolge von Änderungen des Gesetzes über die staatlichen Sicherheitsbehörden vorübergehend Teil der Streitkräfte. Im Dezember 2001 wurde er dann wieder dem Verteidigungsministerium unterstellt.
Im April 2004 verabschiedete die Saeima der Republik Lettland neue Änderungen über die staatlichen Sicherheitsbehörden, wonach die Spionageabwehrbehörde als Militärischer Aufklärungs- und Sicherheitsdienst (MIDD) bezeichnet wurde. Ebenso wurde festgelegt, dass der MIDD der Aufsicht des Verteidigungsministeriums unterstellt sein und militärische Spionageabwehr, Aufklärung sowie weitere Aufgaben wahrnehmen sollte.
Weblinks
Internetpräsenz des MIDD (lettisch, englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Nachrichtendienst Kategorie:Organisation (Riga) Kategorie:Gegründet 1992