Amalia Mesa-Bains (* 10. Juli 1943 in Santa Clara, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Chicana-Künstlerin, Kuratorin, Autorin und Kulturtheoretikerin, die für ihre raumfüllenden Installationen auf Grundlage häuslicher Altäre und Ofrendas bekannt geworden ist. Ihr Werk behandelt Themen wie Migration, Spiritualität und die Erfahrungen mexikanisch-amerikanischer Frauen. Als bedeutende Vertreterin feministischer Chicanx-Kunst erhielt sie erst spät eine museale Würdigung ihres Gesamtwerks.
Leben Mesa-Bains wurde als Maxine Amalia Mesa als Tochter mexikanischer Einwanderer geboren, deren Aufenthaltsstatus in den Vereinigten Staaten damals nicht regulär war. Im Jahr 1966 schloss sie an der San José State University ein Malerei-Studium ab, 1971 folgte ein Master in interdisziplinärer Pädagogik an der San Francisco State University; am Wright Institute erwarb sie 1980 einen weiteren Master und 1983 einen Doktorgrad in klinischer Psychologie. Rund zwei Jahrzehnte lang arbeitete sie im öffentlichen Schulsystem San Franciscos, darunter in bilingualer und multikultureller Pädagogik. Später leitete sie 17 Jahre lang bis 2014 das Institute for Visual and Public Art der California State University Monterey Bay. Im Jahr 1992 erhielt sie eine MacArthur Fellowship.
Wirken Im Umfeld der Chicano-Bewegung wandte sich Mesa-Bains der Kunst als Mittel kultureller Selbstbehauptung zu und begann in den 1970er-Jahren mit der Verwendung von Altären und Ofrendas als künstlerisches Medium. Ihre Installationen ehrten zunächst häufig Frauen; Grotto of the Virgins von 1987 war Frida Kahlo, Dolores del Río und ihrer Großmutter gewidmet und wurde zu einem frühen Erfolg. Charakteristisch wurden dichte Arrangements aus Fotografien, religiösen Figuren, Kleidung, Blumen, Spiegeln und persönlichen Erinnerungsobjekten, die individuelle und kollektive Geschichte verschränken. Viele Arbeiten jener Zeit waren ephemer und wurden aus wiederverwendeten Bestandteilen neu zusammengesetzt; nach einer schweren Herz-Lungen-Erkrankung Anfang der 1990er-Jahre begann sie mit der verstärkten Konzeption ihre Installationen als dauerhafte Einzelwerke. Daraus entwickelte sich die vierteilige Serie Venus Envy, die weibliche Räume, Rituale, Körper und Macht anhand von Erstkommunion, Sor Juana Inés de la Cruz, Cihuatlampa und der Curandera betrachtet. In ihrem Essay Domesticana: The Sensibility of Chicana Rasquache betrachtete Mesa-Bains Rasquachismo aus einem feministischen Blickwinkel auf häusliche Räume und Alltagsobjekte von Chicanas. Ihre Installationen richten sich zugleich gegen koloniale und patriarchale Ordnungssysteme und machen marginalisierte Geschichte durch eine von ihr als „Ästhetik der Akkumulation“ bezeichnete Verdichtung von Erinnerung und Material sichtbar. Im Jahr 2023 eröffnete am Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive mit Amalia Mesa-Bains: Archaeology of Memory ihre erste Retrospektive, in welcher die vier Kapitel von Venus Envy erstmals gemeinsam gezeigt wurden. Die Ausstellung wanderte danach nach Phoenix, New York und San Antonio; die Station 2024 im El Museo del Barrio war ihre erste New Yorker Museums-Einzelausstellung seit 1993.
Einzelnachweise
Kategorie:Künstler (Vereinigte Staaten) Kategorie:Autor Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Frau