Das Marinereservat Akaba (; ) ist ein Meeresschutzgebiet an der südlichen Küste des Golfs von Akaba in Jordanien. Es erstreckt sich über rund sieben Kilometer Küstenlinie und wurde am 8. Dezember 2020 offiziell als erstes Meeresreservat des Landes ausgewiesen. Bereits seit 1997 stand das Gebiet als Meerespark unter Schutz.
Das Schutzgebiet gilt als Lebensraum für wichtige Meereslebewesen wie beispielsweise Seegras. Es ist bekannt für seine außergewöhnliche Fisch- und Korallenvielfalt. Im Meerespark wurden zahlreiche Wasservögel nachgewiesen, insbesondere Möwen, Seeschwalben und Raubmöwen. Im Juli 2026 wurde das Marinereservat nach den Kriterien (ix) und (x) in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.
Beschreibung
Das Marinereservat liegt am nördlichsten Ende des Roten Meeres. Nach Angaben der Aqaba Special Economic Zone Authority (ASEZA) erstreckt es sich über rund sieben Kilometer entlang der südlichen Küste Akabas. Die Schutzgebietsgrenze reicht vom Ufer etwa 350 Meter seewärts und rund 50 Meter landeinwärts. Die als UNESCO-Welterbe eingetragene Fläche umfasst 701 Hektar und wird von einer 2322 Hektar großen Pufferzone umgeben.
Das Gebiet besteht aus einem Mosaik aus Korallenriffen, Seegraswiesen und tiefer gelegenen mesophotischen Riffen. Die Korallen haben sich über einen Zeitraum von rund 10.000 Jahren an hohe Salzgehalte, hohe Sommertemperaturen und marine Hitzewellen angepasst und weisen eine vergleichsweise hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber thermischem Stress auf.
Das Reservat beherbergt mehr als 150 Arten von Steinkorallen, über 500 Fischarten und rund 1000 Arten von Weichtieren. Etwa 61 Prozent der im Roten Meer endemischen Arten von Steinkorallen kommen innerhalb des Welterbegebiets vor. Mehr als 80 Fischarten sind im Roten Meer oder im Golf von Akaba endemisch. ASEZA gibt für das Reservat mehr als 157 Arten von Steinkorallen und 512 Fischarten an. Darüber hinaus kommen drei bedeutende Arten von Seegräsern, Meeresschildkröten wie die Echte Karettschildkröte und die Suppenschildkröte, verschiedene Krebstiere sowie 18 Gattungen benthischer Algen vor.
Eine Besonderheit des Gebiets ist die Lage der Korallenriffe an der nördlichen Verbreitungsgrenze tropischer Korallensysteme. Aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber erhöhten Wassertemperaturen besitzen die Riffe auch Bedeutung für die Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf Korallenökosysteme.
Geschichte
Der Golf von Akaba bildet Jordaniens einzigen Zugang zum Roten Meer. Aufgrund der begrenzten Küstenlinie in Kombination mit der unbedachten wirtschaftlichen und touristischen Nutzung, war das marinen Ökosysteme bereits aus dem Gleichgewicht geraten, bevor es den rechtlichen Status eines Schutzgebietes erhielt.
Eine wissenschaftliche Untersuchung der vorhandenen Artenvielfalt, sowie der Anzahl der Individuen ergab, dass das Gebiet bereits unter Überfischung und demzufolge Verlust von Biodiversität litt. Darauf deutete insbesondere die Tatsache hin, dass folgende Arten hier 2020 überhaupt nicht mehr angetroffen wurden: Makrelen und Thunfische, Schnapper sowie Süßlippen und Grunzer. Zu den weiteren Riffbewohnern, die seltener als erwartet auftraten, zählten Jäger wie Zackenbarsche, Stachelmakrelen und Großkopfschnapper.Omar Attum, Mohammad Al Tawaha, Loren Sieg & Ehab Eid (2023): Minimum soak times of Baited Remote Underwater Video needed to assess the status of a coral reef fish community in the northern Gulf of Aqaba. Zoology in the Middle East, Jun 2023 doi:10.1080/09397140.2023.2203977
Die Ergebnisse dier Studie legen nah, dass die 1997 ergriffenen Maßnahmen, durch die ein Teil der südlichen Küste Akabas nach dem Modell eines Meeresparks unter Schutz gestellt worden war, für dessen effektiven Schutz nicht ausreichten. Auf direkte königliche Anweisung wurde das Gebiet schließlich am 8. Dezember 2020 offiziell zum Marinereservat erklärt und damit zum ersten Meeresschutzgebiet dieser Art in Jordanien. Die Verwaltung liegt bei der Aqaba Special Economic Zone Authority (ASEZA), innerhalb derer das Reservat dem für Umwelt und öffentliche Sicherheit zuständigen Kommissariat untersteht.
Das Reservat wird von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) in die Schutzgebietskategorie VI eingeordnet, die Schutzgebiete mit nachhaltiger Nutzung natürlicher Ressourcen umfasst. 2025 wurde das Marinereservat in die IUCN Green List aufgenommen, mit der Schutzgebiete ausgezeichnet werden, die bestimmte internationale Standards hinsichtlich Verwaltung, Schutz und ökologischer Nachhaltigkeit erfüllen.
2026 nahm das Welterbekomitee das Marinereservat Akaba in die Liste des UNESCO-Welterbes auf. Die Eintragung erfolgte als Naturerbestätte nach den Kriterien (ix) und (x). Die UNESCO hob insbesondere die ökologischen Prozesse des Riffsystems, seine außergewöhnliche Artenvielfalt und die hohe Zahl endemischer Arten hervor.
Weblinks Aqaba Marine Reserve beim UNESCO World Heritage Centre (englisch)
Einzelnachweise
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