mini|hochkant|F. C. Lauenstein Friedrich Christian Lauenstein (* 16. April 1851 in Gut Schönböcken; † 12. Dezember 1925 in Lübeck) war bei allen Landwirten, nicht nur denen des Freistaates, eine markante Persönlichkeit und die Modernisierung der Lübeckischen Landwirtschaft hatte ihm viel zu verdanken, da er zum Wohle der Landwirtschaft in allen mit ihr zusammenhängenden Korporationen vorbildlich und selbstlos über Jahrzehnte an erster Stelle tätig war.

Leben Laufbahn Lauenstein war kein reiner Provinzpolitiker, sondern im wirtschaftlichen Gefüge der Stadt seit 1894 als Vorstandsmitglied des einflussreichen Reichsvereins Der 1884 konstituierte Reichsverein war eine politische Vereinigung gemäßigt liberaler Wähler aus Stadt und Land. Er war aus der mittelparteilichen Vereinigung der Nationalliberalen Partei erwachsen. mit Hamburger und Lübecker Industriellen wie Heinrich Thiel fest verankert. Reichsverein. In: Lübeckische Blätter, 36. Jahrgang, Nr. 86, Ausgabe vom 28. Oktober 1894, S. 573.

Ab 1885 war Lauenstein Mitglied des Lübeckischen Landwirtschaftlichen Vereins Der Verein wurde bereits am 1. März 1862 von 68 Landwirten gegründet und ist damit der älteste landwirtschaftliche Verein im ehemaligen Freistaat Lübeck. Heute fungiert er als Plattform für Weiterbildung und Wissenstransfer. Landwirtschaftlicher Verein Lubeca und bekleidete von 1900 an dessen Vorsitz. Ab 1899 vertrat Lauenstein die lübeckische Landwirtschaft im Deutschen Landwirtschaftsrat. Seit dem Bestehen der lübeckischen Landwirtschaftskammer am 1. Oktober 1905 hatte Lauenstein auch deren Vorsitz. Aus Anlass seines zwanzigjährigen Jubiläums als Vorsitzender verlieh ihm der Senat 1920 den Titel Oekonomierat.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trieben die führenden Köpfe des Bundes der Landwirte (BdL) und sein "Lübeckischer Landbund" Der "Lübeckische Landbund" war entgegen seines Namens nicht direkt in der Kernstadt der "Freien und Hansestadt Lübeck" verortet. Er vertrat die Bauern und Großgrundbesitzer des Umlands, insbesondere der ehemaligen Exklave Fürstentum Lübeck, die politisch zum Großherzogtum Oldenburg gehörte. Ab Ende der 1920er-Jahre radikalisierten sich die ländlichen Regionen um Lübeck und Ostholstein infolge der schweren Agrarkrise drastisch. Der Landbund diente dabei in vielen Dörfern als „Vorfeldorganisation“ und ideologischer Steigbügelhalter, wodurch die Wählerschaft im ländlichen Raum frühzeitig und fast geschlossen zur NSDAP überlief. Mit der Gleichschaltung im Jahr 1933 ging der Bund im Reichsnährstand auf. die Gründung eigener genossenschaftlicher und landwirtschaftlicher Kreditinstitute massiv voran. Um die von Lauenstein mitbegründeten und geleiteten Betriebe – wie die Genossenschaft für Milchverwertung oder die lokale Pferdezuchtgenossenschaft – finanziell abzusichern, benötigten die Züchter und Landwirte bankenunabhängiges Kapital. Lauenstein nahm entscheidend an jenem Kapitel der regionalen Agrargeschichte teil. Als einflussreicher Ökonom und Interessenvertreter im Umland saß der Mitgründer der Landbank nach dem System Raiffeisen bei dieser in leitender Position und war maßgeblich daran beteiligt, das Kapital der regionalen Großbauern und Gutspächter zu bündeln. Die Landwirte erhielten so die nötige Liquidität für Investitionen für beispielsweise Meiereianlagen oder Zuchthengste.

Besonders im späten 19. und frühen 21. Jahrhundert erlebte das Genossenschaftswesen der Landwirtschaft einen rasanten Aufschwung. Engagierte Züchter in Schleswig-Holstein, Lübeck und Mecklenburg gründeten zur gemeinschaftlichen Verbesserung des Bestandes an Arbeits-, Wirtschafts- und Militärpferden lokale Pferdezuchtgenossenschaften. Lauenstein war Mitgründer und Vorstand einer solchen.

Die Genossenschaft für Milchverwertung wurde 1900 von Lauenstein gegründet. Milch macht Karriere Die Genossenschaft sollte den Vertrieb und die Weiterverarbeitung von Rohmilch gemeinschaftlich steuern. Sie stand in direkter Verbindung mit der Finanzbehörde und kooperierte eng mit Organisationen wie dem Verein der Milchhändler sowie der Hansa-Meierei.

mini|hochkant|St. Lorenz Am 17. Februar 1906 wurde Lauenstein zu einem Kirchenvorsteher der St. Lorenz-Kirche gewählt. Wochen=Chronik aus Lübeck und Umgegend. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1906, Nr. 9, Ausgabe vom 25. Februar 1906, S. 36

Bei der Fleischnot 1910 Die „Fleischnot“ von 1910 bezeichnet einen drastischen Mangel an bezahlbarem Fleisch und eine massive Teuerung im Deutschen Kaiserreich, die zu heftigen gesellschaftlichen und politischen Spannungen führte. Aufgrund der rasanten Industrialisierung und des Bevölkerungswachstums in den Städten stieg die Nachfrage nach Fleisch stark an. Gleichzeitig riegelte die kaiserliche Regierung unter Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg die Grenzen für ausländische Viehimporte ab, um die einheimischen Großagrarier („Junker“) vor billiger Konkurrenz zu schützen. Diese protektionistische Zollpolitik verknappte das Angebot künstlich. Die Unzufriedenheit über die Agrarzölle und die Teuerung gilt als ein Hauptgrund für den Erdrutschsieg der SPD bei der darauffolgenden Reichstagswahl im Jahr 1912. zeigte sich dann, warum Lauenstein diese Institutionen gebildet hatte. Um die Unabhängigkeit gegen die städtischen Händler und der Finanzbehörde zu erhalten, war in den Genossenschaften die Marktmacht der Erzeuger gebündelt worden. Um den Druck des städtischen Marktes standhalten zu können, stellte die Landbank den Bauern in solchen Krisenzeiten günstiges, bankenunabhängiges Kapital zur Finanzierung bereit.

Politik mini|Bei den Sitzungen saßen die Kommissare des Senats und die Wortführer auf den erhöhten Sitzen In der Bürgerschaftswahl am 1. Juni 1895 für den VIII. Wahlbezirk (Holstentor-Landbezirk) wurde Lauenstein erwählt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 37. Jahrgang, Nr. 44, Ausgabe vom 2. Juni 1895, S. 304. Drei Jahre später erhielt der als Kandidat für den Bund der Landwirte (BdL) im Reichstagswahlkreis Hansestadt Lübeck Antretende 4,8 % der abgegebenen Stimmen. Lübeck und Nachbargebiete

Lauenstein war ein Mitglied der Kommission für die land- und forstwirtschaftliche Unfallversicherung im Lübeckischen Staatsgebiet und wurde als solches mehrmals wiedergewählt.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 40. Jahrgang, Nr. 2, Ausgabe vom 9. Januar 1898, S. 15.

Der Senat erwählte am 3. Januar 1903 Lauenstein u. a. zu Mitgliedern der Körungskommission.Wochen=Chronik aus Lübeck und Umgegend. In: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1903, Nr. 1, Ausgabe vom 4. Januar 1903, S. 7.

Lauenstein engagierte sich stark im ländlichen Vorbezirk Lübecks. So fungierte er 1907 im Öffentlichen Amt des Wahlvorstehers für den ländlichen Wahlbezirk Holstentor/Mühlentor. Lübecker Volksbote

In den amtlichen Bekanntmachungen und lübeckischen Bürgerschaftsprotokollen war Lauenstein der Hauptverantwortliche für die Genossenschaft für Milchverwertung. Gegenüber staatlichen Preisregulierungen und Rationierungsmaßnahmen, insbesondere während des Ersten Weltkriegs, vertrat er die wirtschaftlichen Interessen der lokalen Landwirte und „Milchproduzenten“.

Am 23. März 1908 brachte Lauenstein zur Sprache, worauf er bereits als Gemeindevorsteher der Landgemeinde Schönböcken hingewiesen hätte. Es läge im Interesse des Staates, "wenn eine Zwangsanstalt erbaut würde, die aus Stadt und Land diejenigen Personen aufnähme, welche der Armenanstalt zur Last fallen, und die gezwungen werden sollen, einen Teil ihres Unterhalts durch ihre Arbeit dem Staat wiederreinzubringen. Es ist dieser Weg auch schon in Hamburg beschritten, und man hat dort guten Erfolg gehabt. Man kann sich auch erklären, dass mancher, der sich vor der Arbeit scheut, dem Arbeitshaus fernbleibt und damit auch der Armenanstalt, weil er sonst notgedrungen zur Arbeit gezwungen wird. Dadurch fällt für ihn natürlich die Annehmlichkeit fort, die er bisher genossen hat." Darauf sich beziehend, brachte er die Frage ein, ob in dieser Beziehung von Seiten der Behörde bereits etwas geschehen sei, um die Errichtung eines derartigen Arbeitshauses in die Wege zu leitenVerhandlungen der Bürgerschaft am Montag, den 23. März 1908. (Beilage zu den „Lübeckischen Blättern“ Nr. 13) In: Lübeckische Blätter, 50. Jahrgang, Nr. 13, S. 152. und wurde ein regelmäßiger Redner, wenn es um es um das Budget und Anträge des Senats bzw. der Finanzbehörde, wie die Bereitschaft der Gemeinden zu einem namhaften Zuschuss zur Unterstützung der Senatsvorlage zur Modernisierung der Landwege, Versammlung der Bürgerschaft ging. Er fungierte als Brückenbauer, der versuchte, staatliche Infrastrukturmittel der Stadt mit privaten oder gemeindlichen Zuschüssen aus den Landgebieten zu koppeln.

Produktenbörse Am 20. August 1904 fand im Börsensaal der „neuen“ Produktenbörse in Lübeck die erste Versammlung statt.

Als Staatskommissar der Produktenbörse bestellte der Senat den Senator Emil Ferdinand Fehling.

Gemäß § 6 der Börsenordnung und § 3 der der Bestimmungen der Produktenbörse wurde unter anderen als Vertreter des Handelsstandes Ferdinand Boldemann oder der Landwirtschaft Lauenstein gewählt.Lokale Notizen. In: Lübeckische Blätter, 46. Jahrgang, Nr. 34, Ausgabe vom 21. August 1904, S. 498.

Fleischkrise 1910 Besonders in Lübeck kam es zu massiven Protesten der Bevölkerung gegen die Teuerung von Grundnahrungsmitteln. Die sozialdemokratische Opposition und die Verbraucherverbände machten die Großbauern, Gutspächter und den BdL für künstliche Verknappung und Preistreiberei verantwortlich. Als Führer des konservativen Landbundes, in den Zeitungen der politischen Gegner despektierlich als „Führer der Landbündler“ oder „Obersten der hiesigen Landbündler“ betitelt, lieferte Lauenstein sich in der Bürgerschaft heftige Wortgefechte mit den Vertretern der Arbeiter- und Verbraucherschaft. Während sie Preistreiberei unterstellte und die Öffnung der Grenzen für billigeres Importfleisch forderte, warf der Volksbote Lauenstein vor, Lübecker Volksbote vom 14. November 1911 die Krise komplett zu leugnen. Im Parlament behauptete Lauenstein, um die Gewinne der heimischen Landwirte und Viehzüchter vor Preisdrückerei zu schützen, dass die Preise in Lübeck im Vergleich zu anderen Städten absolut angemessen seien.

Die Lübecker Fleischpreisdebatte im Spätherbst 1910 markierte den historischen Höhepunkt der politischen Auseinandersetzungen zwischen den ländlichen Erzeugern und der städtischen Arbeiterschaft mit Lauenstein im Zentrum dieser hitzigen Kontroverse. Er konterte die Vorwürfe offensiv und verteidigte die Landwirte, indem er auf gestiegene Produktionskosten, Futtermittelpreise und die harten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Viehhaltung verwies. Dass die ländlichen Erzeuger eine Mitschuld an der Not der städtischen Arbeiter trügen, wurde von ihm vehement bestritten. Die politische Linke warf ihm daraufhin vor, dass er seine Augen vor der realen Armut der städtischen Konsumenten zu verschlösse.

Bürgerlicher Deputierter Auf seiner Versammlung am 13. Februar 1895 erwählte der Senat im Bürgerausschuss an Stelle des abtretenden Heinr. Ludwig Dillner (Schlutup) Lauensten (Schönböcken) als Bürgerlichen Deputierten bei der Steuervereinschätzungs-CommissionVersammlung des Bürgerausschusses. In: Lübeckische Blätter, 37. Jahrgang, Nr. 14, Ausgabe vom 17. Februar 1895, S. 77–78. und 5. Oktober zusätzlich als Bürgerlichen Deputierten bei der Steuerbehörde an Stellen des abtretenden Joh. Jak. Burmester.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 37. Jahrgang, Nr. 81, Ausgabe vom 9. Oktober 1895, S. 510.