Marie Mautner-Kalbeck, geborene Mautner (* 25. April 1886 in Wien; † 27. Dezember 1972 ebenda) war eine österreichische Malerin, Grafikerin, Schriftstellerin, Kostüm- und Bühnenbildnerin.

Werdegang Maria „Marie“ Mautner wurde als Tochter von Isidor Mautner (1852–1930) und Jenny Mautner (geborene Neuman) (1856–1938), Tochter eines Wiener Seidenhändlers, in die bedeutende jüdische Großindustriellenfamilie Mautner geboren und wuchs mit ihren Geschwistern Katharina „Käthe“ (1883–1979), Stefan (1877–1944) und Konrad (1880–1924) in Wien auf.

In den Wintermonaten lebte die Familie samt Hausgehilfen in einer großzügigen Stadtwohnung in der Löwelstraße 8 nahe der Wiener Hofburg und im Sommer im Geymüllerschlössel in der Khevenhüllerstraße 2 / Pötzleinsdorfer Straße 102 im Wiener Stadtteil Pötzleinsdorf. Die Sommerferien verbrachte sie regelmäßig im Ausseerland. Das Leben der Kinder war vom großbürgerlichen Elternhaus und dessen künstlerischer Atmosphäre geprägt. Ihre Mutter galt als sehr kunstinteressiert und durch sie verkehrten zahlreiche Künstler im Geymüllerschlössel, die teilweise auch die Kinder künstlerisch unterwiesen. Marie Mautner erhielt Zeichenunterricht bei dem Maler Ferdinand Schmutzer und lernte ab 1916 bei dem Maler Heinrich Knirr in München.

Im Juni 1919 heiratete Marie Mautner den Regisseur und Schriftsteller Paul Kalbeck (1884–1949). In den folgenden drei Jahren wurden die Kinder Franz Florian (1920–1996) und Marianne Margarethe Julia (1922–1992) geboren. Die Familie wohnte in einer Villa in der Starkfriedgasse 58, Marie Mautners Bruder Stefan mit seiner Frau in der nebenliegenden Villa Starkfriedgasse 56. Zum engeren Bekannten- und Freundeskreis der Familie gehörten unter anderem Max Reinhardt, Helene Thimig, Paula Wessely und der Schauspieler, Übersetzer und Schriftsteller Josef Kainz (1858–1910).

Marie Mautner-Kalbeck fertigte mit ihren Geschwistern kunstvolle Bücher an. Von ihr stammen zahlreiche Zeichnungen, Hinterglasbilder und Porträts. In späterer Zeit entwarf sie Bühnenbilder und Kostüme.

Leben in der Zeit des Nationalsozialismus Nach der mit dem Anschluss Österreichs im März 1938 erfolgten Eingliederung des austrofaschistischen Bundesstaates Österreich in das nationalsozialistische Deutsche Reich und der Auflösung der österreichischen Einheit verschärfte sich die Lage der dort lebenden jüdischen Bevölkerung. Als Jüdin während der Herrschaft des Nationalsozialismus vom NS-Regime verfolgt, flüchtete Marie Mautner-Kalbeck im November 1938 nach England. Ihre zusammengestellten Umzugsgüter und ihre bedeutende theatergeschichtliche Sammlung wurden von der Spedition jedoch nicht ins Exil geliefert. Ihr Mann emigrierte zusammen mit dem Sohn Florian 1939 zunächst in die Schweiz.

Am 26. Oktober 1938 und am 4. Mai 1939 erwarben die Städtischen Sammlungen Wien vom Kunsthändler Oskar Hamel Kunstgegenstände aus dem ursprünglichen Eigentum der Familie Mautner, am 9. und 10. Dezember 1938 erwarben sie über das Dorotheum weitere Gegenstände und erneut Möbel aus dem Besitz der Mautners am 27. März und 4. Mai 1939 von Oskar Hamel. Am 12. Mai 1939 und 22. April 1943 wurden im Eingangsbuch der damaligen Theatersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek Eingänge von Gegenständen aus der Sammlung von Marie Mautner-Kalbeck vermerkt.

Weiteres Leben Von Marie Mautner-Kalbecks Geschwistern überlebte ihre Schwester Käthe, die im Dezember 1938 aus Österreich geflüchtet war und nach dem Krieg in England lebte, wo sie 1979 in Reading starb. Ihr Bruder Stefan und seine Frau Else waren nach Ungarn geflüchtet, wurden jedoch 1944 in das Lager Szabolcs-Uca deportiert und vermutlich dort umgebracht. Im August 1947 wurden sie amtlich für tot erklärt.

Ein im Herbst 1945 durch die Staatsanwaltschaft Wien eingeleitetes Strafverfahren gegen Oskar Hamel „wegen des Verdachts des Verbrechens der missbräuchlichen Bereicherung nach § 6 Kriegsverbrechergesetz“ war bei seinem Tod im Februar 1946 durch das Volksgericht Wien eingestellt worden. Hamel, der bereits 1933 Mitglied der NSDAP war und 1943 zum Schätzmeister des Dorotheums bestellt worden war, wurde zur Last gelegt, Kunstgegenstände aus jüdischem Besitz, weit unter Wert geschätzt und erworben und sich durch einen teuren Weiterverkauf persönlich bereichert zu haben, auch im Falle der Kunstgegenstände der Familie Mautner.

Im Jahr 1947/1948 kehrten Marie Mautner-Kalbeck und ihr Mann nach Wien zurück. 1949 wurde sie Witwe. 1953 verfasste sie über Josef Kainz, der zu den engsten Freunden der Familie gehört hatte, das Buch Kainz: Ein Brevier, das 1953 in der Österreichischen Staatsdruckerei gedruckt wurde. Sie schuf auch ein bekanntes Bild von ihm in seiner Rolle als Mephisto.

Marie Mautner-Kalbeck lebte in der Villa in der Starkfriedgasse 58, die sie mit der Familie bereits vor der Flucht bewohnt hate, zurückgezogen bis zu ihrem Tod im Jahr 1972.

Nachlass Die Bilder von Marie Mautner-Kalbeck befinden sich meist in Privatbesitz, aber auch in Museen und Theatern. Korrespondenz von ihr aus den Jahren 1932 bis 1937 wird unter anderem in der Sammlung des Belvedere aufbewahrt.

Vom 4. November 2016 bis zum 1. Mai 2017 waren Werke von ihr Teil der Ausstellung Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938 des Jüdischen Museums Wien.

Ab den 2020er Jahren forschte die Wiener Restitutionskommission hinsichtlich der Restitutionsfähigkeit der Objekte, „ob die Verkäufe der Familie in einem Zusammenhang mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Österreich standen, oder ob andere Gründe dafür ausschlaggebend gewesen sind, wie der Konkurs von Isidor Mautner oder die Wohnungsauflösung nach dem Tod Jenny Mautners“.

Einzelnachweise Marie Kalbeck-Mautner. In: Digitale Bibliothek des Belvedere. Abgerufen am 17. August 2026

Mautner-Kalbeck Marie. In: BiografiA. Abgerufen am 17. August 2026

Peter Rath: Mautner. In: Jazz und Exlibris. Abgerufen am 17. August 2026

Wolfgang Hafer: Biographie des Monats April 2015. In: Österreichisches Biographisches Lexikon (ÖBL). Abgerufen am 17. August 2026

Die vergessene Hälfte. In: Online Merker vom 4. November 2016. Abgerufen am 17. August 2026

Beschluss. Beirat gemäß § 3 des Bundesgesetzes über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen. In: Provenienzforschung und Restitution in den Sammlungen des Bundes vom 23. Jänner 2009. Abgerufen am 17. August 2026

Sechster Bericht des amtsführenden Stadtrates für Kultur und Wissenschaft über die gemäß dem Gemeinderatsbeschluss vom 29. April 1999 erfolgte Übereignung von Kunst- und Kulturgegenständen aus den Sammlungen der Museen der Stadt Wien sowie der Wiener Stadt- und Landesbibliothek vom 15. November 2005, S. 84–100 (Restitutionsberichte 2002 bis 2024)

Siebenter Bericht des amtsführenden Stadtrates für Kultur und Wissenschaft über die gemäß dem Gemeinderatsbeschluss vom 29. April 1999 erfolgte Übereignung von Kunst- und Kulturgegenständen aus den Sammlungen der Museen der Stadt Wien sowie der Wiener Stadt- und Landesbibliothek vom 1. Dezember 2006, S. 102–123 (Restitutionsberichte 2002 bis 2024)

Kategorie:Kostümbildner (Österreich) Kategorie:Bühnenbildner (Österreich) Kategorie:Maler (Österreich) Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Österreichischer Emigrant im Vereinigten Königreich Kategorie:Österreichischer Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Österreicher Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Geboren 1886 Kategorie:Gestorben 1972 Kategorie:Frau