Praxis ist ein von Dryden Brown und Charlie Callinan gegründetes Unternehmen. David Weinreb, Gründer der Howard Hughes Corporation, fungiert als stellvertretender Vorsitzender. Praxis bezeichnet sich selbst als „erste digitale Nation“ und hat Pläne zur Errichtung einer Stadt angekündigt. Brown hatte zunächst keinen endgültigen Standort für die Stadt bestimmt, und die Vision des Unternehmens wurde als unrealistisch bezeichnet.

Obwohl die ursprünglichen Pläne von Praxis eine Entwicklung im Mittelmeerraum vorsahen, untersuchte das Unternehmen auch Grönland als möglichen Standort. Im November 2024 berichtete das dänische Medium Zetland, Brown sei nach Grönland gereist und habe dort unter anderem mit dem grönländischen Politiker Pele Broberg über das Projekt gesprochen.

Geschichte

Gründer und Entstehung Dryden Brown wuchs in Santa Barbara in Kalifornien auf und wurde zu Hause unterrichtet, damit er sich auf den Wettkampfsport im Surfen konzentrieren konnte. Nach eigenen Angaben beschäftigte er sich als Schüler mit Ayn Rand und Vertretern der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Bei seinen Bewerbungen um einen Studienplatz beschränkte er sich auf die Harvard University, die Stanford University, die University of Oxford und die University of Cambridge, wurde jedoch von allen vier Universitäten abgelehnt. Anschließend studierte er an der New York University, brach sein Studium jedoch ab.

Vor der Gründung von Praxis arbeitete Brown als Analyst bei einem Hedgefonds. Dort lernte er den späteren Mitgründer Charlie Callinan kennen, einen früheren Wide Receiver der Footballmannschaft des Boston College. Brown wurde später von dem Hedgefonds entlassen. 2019 verwendeten Brown und Callinan das Preisgeld, das Callinan bei einem Golfturnier gewonnen hatte, für eine Reise nach Nigeria und Ghana. Dort trafen sie den ghanaischen Vizepräsidenten Mahamudu Bawumia und schlugen ihm die Errichtung eines Finanzzentrums vor.

Ebenfalls 2019 kamen Callinan und Brown während eines gemeinsamen Surfaufenthalts in Puerto Rico auf die Idee, ein Unternehmen mit dem Namen Bluebook Cities zu gründen.

The New York Times schrieb über den Praxis-Gründer Dryden Brown, er sei „weder ein charismatischer Redner noch ein erfolgreicher Geschäftsmann“ und mache große Versprechungen, liefere jedoch nur wenige konkrete Einzelheiten. 2022 erklärte Brown gegenüber einem Redenschreiber, die Inspiration für Praxis sei entstanden, als er während der Proteste nach dem Tod von George Floyd beobachtete, wie Menschen Geschäfte im New Yorker Stadtteil SoHo plünderten. Nach den Protesten mietete er eine Hütte in Alaska. Brown beklagte zudem die Organisation moderner Städte und den seiner Ansicht nach bestehenden Mangel an gemeinsamen Werten.

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Praxis erklärte gegenüber Mother Jones, Browns ideales Regierungssystem sei „autoritärer Faschismus – ohne Religion – und stattdessen hält die Staatspartei alles zusammen“. Ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter beschrieb Browns Weltanschauung in demselben Artikel mit den Worten: „Dryden glaubt sehr stark daran, dass es eine natürliche Ordnung gibt... er glaubte wirklich, dass Schwarze Menschen nicht so intelligent sind wie Weiße.“

Frühe Investitionen Ein Bericht der New York Times vom Dezember 2023 machte bekannt, dass Brown bis dahin 19,2 Millionen US-Dollar für Praxis eingeworben hatte. Größter Geldgeber von Praxis war Paradigm Operations. Zu den weiteren Investoren gehörte Pronomos Capital, das von Peter Thiel unterstützt und zunächst von Patri Friedman, einem Enkel von Milton Friedman, geleitet wurde. Darüber hinaus investierten die Risikokapitalgeber Balaji Srinivasan und Joe Lonsdale, Mitgründer von Palantir Technologies und ebenfalls ein Geschäftspartner Thiels. Weitere Investitionen stammten von Alameda Research, das von Sam Bankman-Fried kontrolliert wurde, von Apollo Projects, einem von Sam Altman mitgegründeten Investmentunternehmen, sowie von Winklevoss Capital Management, dem Family Office der Winklevoss-Zwillinge.

Praxis-Loft Im Mai 2022 bezog Praxis ein großes Büro im obersten Stockwerk eines Gebäudes in SoHo, in dem Mitarbeiter der Organisation sowohl lebten als auch arbeiteten. In dem Loft fanden einige der aufwendigeren Veranstaltungen von Praxis statt, bei denen Brown nach Darstellung der New York Times versuchte, „die Salonkultur der Pariser Aufklärung heraufzubeschwören“.

Weitere Veranstaltungen fanden in Bars und im Yale Club of Manhattan statt. 2022 lebten sechs Mitarbeiter von Praxis in dem Loft. Im Februar 2024 verklagte der Eigentümer der Räumlichkeiten Praxis wegen nicht gezahlter Miete.

Standortsuche und Finanzierung Im Oktober 2024 erklärte Brown, Praxis habe Finanzierungszusagen in Höhe von 525 Millionen US-Dollar erhalten, deren Auszahlung an das Erreichen bestimmter Meilensteine gebunden sei. Die Finanzierung durch GEM Digital sollte demnach möglich werden, nachdem Praxis eigene Kryptotoken an einer öffentlichen Börse notiert hatte.

Im April 2025 berichtete Bloomberg News, dass Brown nach einem Standort für die geplante Stadt suche und dafür eine Fläche von mindestens 10.000 Acres, entsprechend rund 40 Quadratkilometern, anstrebe. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Organisation nach Angaben von Bloomberg Finanzierungszusagen von rund 500 Millionen US-Dollar erhalten. Die geplante Stadt sollte eine durch künstliche Intelligenz unterstützte Verwaltung, günstige Rahmenbedingungen für technologische Forschung und arbeitgeberfreundliche Arbeitsgesetze bieten, die Brown als „Elon-kompatibel“ bezeichnete.

Brown plante zunächst die Ansiedlung von Unterstützern in 250 bis 1000 modularen Häusern, nachdem die Unterstützung eines Gastlandes gesichert worden wäre. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte eine größere Stadt nach einem Entwurf von Zaha Hadid Architects entstehen. Ein möglicher Standort war Grönland. Brown reiste 2024 nach Grönland und führte dort Gespräche mit politischen Vertretern. Er bezeichnete die dünn besiedelte und klimatisch extreme Insel als möglichen Ort, an dem Technologien und Siedlungsformen erprobt werden könnten, die langfristig auch für eine Besiedlung des Mars geeignet seien. Nach Angaben von Reuters hatten auch andere Unternehmen Praxis wegen einer möglichen Beteiligung an der Errichtung einer Stadt in Grönland kontaktiert. Die Gespräche über derartige Projekte befanden sich jedoch in einem frühen Stadium.

Im Juni 2025 berichtete Vanity Fair, Brown habe erklärt, einen Standort in Kalifornien ausgewählt zu haben. Die neue Stadt mit dem Namen Atlas sollte rund eine Autostunde nördlich von Santa Barbara im Bereich der Vandenberg Space Force Base errichtet werden. Brown beschrieb das Projekt als eine „wahnsinnige Jetsons-/Pionier-/1950er-/Weltraumfuturismus-Stadt auf Bundesland“ und als Wiederbelebung klassischer amerikanischer Vorstellungen und Ästhetik. Praxis bezifferte die geplanten Investitionen auf etwa 17,4 Milliarden US-Dollar und stellte rund 20.000 Arbeitsplätze, 50.000 Einwohner sowie eine wirtschaftliche Gesamtwirkung von 35 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Diese Zahlen wurden von Praxis selbst veröffentlicht und standen unter dem Vorbehalt einer detaillierten wirtschaftlichen Prüfung durch Bundesbehörden.

Im Dezember 2025 wurde Atlas als eine auf Verteidigung ausgerichtete Weltraumbahnhof-Stadt beschrieben. Brown erklärte außerdem, 2026 zusätzlich eine Stadt außerhalb der Vereinigten Staaten errichten zu wollen, die Technologieunternehmern und anderen Mitgliedern der Technologiebranche als möglicher Ausweichstandort dienen könnte, falls sich das politische Umfeld in den Vereinigten Staaten gegenüber der Technologiebranche verschlechtern sollte.

Im September 2026 wurde die Errichtung einer Kolonie in Uruguay angekündigt, wofür eine Milliarde US-Dollar an Geldern von Investoren mobilisiert werden soll. Die Ortschaft soll sich besonders an Künstler richten und die ersten Bewohner 2027 einziehen. Praxis erklärte „Unternehmer, Künstler, Forscher und Förderer durch den Alltag, kreatives Schaffen und gemeinsame kulturelle Erlebnisse zusammenbringen zu wollen“.

Mitgliedschaft und Wirtschaft Brown erklärte, dass sich 50.000 Menschen auf einer Warteliste für die geplante Stadt befänden und 12.000 Mitglieder Interesse daran hätten, ab 2026 dorthin umzuziehen. Im April 2024 gab die Website der Organisation die Zahl ihrer Mitglieder mit 2043 an. Das Praxis-Team wirbt unter anderem in Los Angeles, der San Francisco Bay Area, Miami sowie auf Veranstaltungen wie Coachella und in Cannes um neue Mitglieder.

Zu den Mitgliedern gehören zahlreiche Unternehmensgründer, darunter Personen, die an der Gründung von Worldcoin und Soylent beteiligt waren. Nach Angaben von Praxis hatte die Organisation im August 2026 2.600 „Mitglieder“, wobei über 167.000 Personen sich beworben hätten.

Ideologie mini|Flagge der von Praxis als „digitale Nation“ bezeichneten Gemeinschaft In einem Interview aus dem Jahr 2021 erklärte Brown, der Stil der geplanten Stadt solle einem „heroischen Futurismus“ mit einer „Neo-Gilded Age-Ästhetik“ entsprechen. Nach Vanity Fair ließ sich Brown seit längerem von Galt's Gulch, der kapitalistischen Utopie in Ayn Rands Roman Atlas wirft die Welt ab, inspirieren.

Praxis wird mit Libertarismus und Kryptowährungen in Verbindung gebracht. In der Präsentation für die Series-A-Finanzierungsrunde im Jahr 2022 bezeichnete das Unternehmen seine geplante Stadt als „Kryptostaat“.

Ein interner Markenleitfaden von Praxis, der der New York Times vorlag, verurteilte „Feinde der Vitalität“ und pries die „traditionellen, europäischen/westlichen Schönheitsstandards, mit denen die zivilisierte Welt in ihren besten Zeiten stets Erfolg hatte“. Aus dem Dokument ging außerdem hervor, dass Praxis daran interessiert war, „heiße Mädchen“ sowie Talente aus der Technologiebranche anzuziehen.

Mitarbeiter von Praxis erhielten bei ihrem Eintritt ein Begrüßungspaket, das Buchempfehlungen enthielt, die offen rassistische oder faschistische Positionen vertreten. Eine interne Präsentation von Praxis hob die Gedanken des traditionalistischen Schriftstellers Julius Evola über vier „funktionale Klassen“ beziehungsweise Kasten hervor und schlug vor, diese Kategorien bei der Anwerbung neuer Mitglieder und möglicher Einwohner zu berücksichtigen.

Kritiker beschreiben Praxis und andere sogenannte Network States als „libertäre Utopien mit minimaler Regulierung von Unternehmen“ für eine „wirtschaftlich und eugenisch ausgewählte Minderheit“. Kritiker werfen solchen Projekten zudem vor, Orte ohne weitreichende „regulatorische Aufsicht oder finanzielle Kontrollen“ schaffen zu wollen, in denen Kapital ausdrücklich gegenüber Demokratie und Menschenrechten bevorzugt werde.

Praxis-Manifeste Als programmatische Grundlage der Organisation veröffentlichte Praxis im September 2024 den Text The Digital Nation: Crypto's End Game. Darin beschreibt Praxis sogenannte „Digital Nations“ als internetbasierte Gemeinschaften, die eine eigene Wirtschaft, Institutionen und Kultur aufbauen, Städte errichten und langfristig Staatlichkeit anstreben. Nach der dort formulierten Vorstellung sollen Blockchain- beziehungsweise On-Chain-Systeme unter anderem für Eigentumsregister, Währungen und Verträge genutzt werden. Praxis bezeichnet solche digitalen Nationen als mögliche nächste Entwicklungsstufe der Nutzung von Kryptowährungen.

Im November 2024 verabschiedeten Teilnehmer des ersten Praxis World Congress darüber hinaus die sogenannte Declaration of Ascent, die als weiterer programmatischer Grundlagentext der Organisation dient. Darin erklären die Verfasser ihre Absicht, über bestehende politische Organisationsformen hinauszugehen und eine neue Form menschlicher Zivilisation zu errichten, die sie als Network Empire bezeichnen.