mini|Augustin de Saint-Aubin (1736–1807): Selbstporträt, 1764 Augustin de Saint-Aubin (* 3. Juni 1736 in Paris; † 9. November 1807 ebenda) war ein französischer Zeichner, Kupferstecher, Radierer und Buchillustrator.
Leben
Augustin de Saint-Aubin wurde als Sohn des königlichen Stickers Gabriel Germain de Saint-Aubin (1696–1756) geboren. Er war der Bruder der Zeichner Charles-Germain de Saint-Aubin (1721–1786) und Gabriel Jacques de Saint-Aubin (1724–1780). Unter deren Anleitung – vor allem der des Letzteren – begann er bereits früh zu zeichnen und zu radieren. Ab 1755 erfolgte seine weitere Ausbildung und erste künstlerische Tätigkeit bei Étienne Fessard, durch den er mit Hubert-François Gravelot in Kontakt kam. Von 1761 bis 1764 studierte er an der Académie royale de peinture et de sculpture bei Laurent Cars. 1771 wurde er an der Akademie zugelassen, ohne jedoch jemals Vollmitglied zu werden, da er keine Aufnahmestücke vorlegte. 1776 trat er die Nachfolge Fessards als Graveur de la Bibliothèque du Roi an und erhielt in dieser Funktion 1777 ein Atelier im Louvre, welches er während der Französischen Revolution wieder verlor. Saint-Aubin stellte von 1771 bis 1789 im Pariser Salon aus.
Bereits 1752 wurde er mit der Radierung Indiscrétion vengée zugelassen und machte in der Folge mit ausgereiften Zeichnungen auf sich aufmerksam, die den Einfluss seines Bruders Gabriel Jacques erkennen ließen. Ab der zweiten Hälfte der 1750er Jahre widmete er sich auf Anregung Gravelots, der ihn mit der Ausführung von Vignetten betraute, auch dem Reproduktionsstich. Seine eigenen Zeichnungen wurden bald so geschätzt, dass sie ebenfalls als Stichvorlagen dienten. In den 1760er Jahren beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema Mode, insbesondere 1760 in der Stichfolge Cahier de Types des habillements à la mode de Paris und 1761 im Tableau des portraits à la mode. Zusammen mit seinem Freund Jean-Baptiste Tilliard schuf er bedeutende Stichfolgen mit genrehaften Darstellungen. Ab Mitte der 1760er Jahre wird der prägende Einfluss seines Lehrers Cars – dessen leichte, lebendige Darstellungsweise und weiche Linienführung – in seinem Werk deutlich erkennbar. mini|Augustin de Saint-Aubin: Laban sucht nach seinen gestohlenen Hausgöttern, 1753, Öl auf Leinwand. Cleveland Museum of Art, Cleveland – Das Werk ist ein Ölskizze für einen Wettbewerb der Académie royale de peinture et de sculpture von 1753 und stellt die alttestamentliche Szene aus Genesis 31,33–35 dar. Saint-Aubin gewann mit der Ölskizze den ersten Platz unter drei Finalisten Zu dieser Zeit gelang Saint-Aubin der endgültige Durchbruch im Porträtfach, in dem er seine eigentliche künstlerische Berufung fand. Vor allem mit Reproduktionen nach Charles-Nicolas Cochin dem Jüngeren (1715–1790) etablierte er sich unter den führenden französischen Stechern seiner Zeit. Seine Porträts sind überwiegend Brustbilder im Profil vor einem dunklen, monochromen Hintergrund, die in Tondi- oder Medaillonform innerhalb eines rechteckigen Rahmens gestaltet sind. Als besonders einfühlsam gelten seine Bildnisse eleganter Damen der gehobenen Gesellschaft, etwa das Porträt der Madame de Pompadour nach Cochin aus dem Jahr 1764. Auch mit Zeichnungen erlangte er Ansehen, sowohl mit Porträts als auch mit geistreichen Genreszenen aus dem Pariser Leben, die vielfach reproduziert wurden – unter anderem von seinem Schüler Antoine-Jean Duclos.
Saint-Aubin stach zudem nach eigenen Zeichnungen antike Gemmen aus der Kunstsammlung des Duc d’Orléans aus. Er widmete sich rokokohaft verspielten galanten Motiven sowie Allegorien nach Jean-Baptiste Leprince. Als Illustrator lieferte er unter anderem Vignetten für eine Pariser Ausgabe der Metamorphosen Ovids aus dem Jahr 1767, Stiche zu den Fabeln von Jean Jacques François Marin Boisard (1777, nach Zeichnungen von Charles Monnet) sowie umfangreiche Culs-de-Lampe und zahlreiche Illustrationen für Jean-Claude Richard de Saint-Nons Voyage pittoresque de Naples et de Sicile (1781–1786). Während der Französischen Revolution war Saint-Aubin im Jahr 1790 maßgeblich am Entwurf der Banknoten (Assignaten) über 200, 300 und 1000 Livres beteiligt, die im Auftrag der Nationalversammlung gedruckt wurden. Danach entstanden noch einige klassizistisch-strenge Porträts, darunter ein Bildnis von Jean Racine (1806). Saint-Aubin war mit der Zeichnerin Louise-Nicole Godeau verheiratet.
Werk mini|Augustin de Saint-Aubin: Vier Frauenstudien. Zeichnung, Nationalmuseum, Stockholm Augustin de Saint-Aubin Œuvre umfasst rund 1300 Blätter, darunter mehr als 350 Porträts. Es beinhaltet Reproduktionsstiche, Buchillustrationen, Vignetten, Genreszenen aus dem eleganten Pariser Leben, Modedarstellungen sowie Zeichnungen nach antiken Gemmen. Bedeutende Sammlungen seines Werks befinden sich in Paris (Louvre, Bibliothèque nationale de France), Washington, D.C. (National Gallery of Art) sowie im Metropolitan Museum of Art in New York City. Dieses bewahrt unter anderem das Porträt von Jean-Michel Moreau nach Cochin (Radierung, 1787) als Hauptwerk.
Literatur
Daphne Foskett: A Dictionary of British Miniature Painters, 2 Bde., London, Faber and Faber, 1972. Nathalie Lemoine-Bouchard: Les peintres en miniature actifs en France, 1650–1850, Paris, Éditions de l’Amateur, 2008. Roger-Armand Weigert: Galerie des modes et costumes français, dessins d'après nature de A. de Saint-Aubin, Leclère, Watteau de Lille, gravés par les plus célèbres artistes en ce genre, 1778–1787, Paris, Rombaldi, 1956. Egbert Haverkamp-Begemann, Mary Tavener Holmes, Fritz Koreny, Donald Posner, Duncan Robinson: Fifteenth- to Eighteenth-Century European Drawings in the Robert Lehman Collection, Bd. 7, New York/Princeton, 1999. Pierre Rosenberg: Le Livre des Saint-Aubin, Collection Solo, Nr. 22, Paris, Réunion des musées nationaux/Musée du Louvre, 2002. Norberto Gramaccini, Hans Jakob Meier: Die Kunst der Interpretation. Französische Reproduktionsgraphik 1648–1792, München/Berlin, Deutscher Kunstverlag, 2003. Everett Fahy (Hrsg.), Elizabeth E. Barker, Jayne Wrightsman: The Wrightsman Pictures, New York/New Haven, Metropolitan Museum of Art/Yale University Press, 2005. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.
Weblinks
Einzelnachweise
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