mini|Jean-Baptiste Perronneau (1715–1783): Portrait de Laurent Cars, graveur 1745. Département des arts graphiques du musée du Louvre Laurent Cars (* 28. Mai 1699 in Lyon; † 14. April 1771 in Paris) war ein französischer Zeichner, Kupferstecher und Kupferstichverleger.
Leben
Laurent Cars war der Sohn des Kupferstechers und Kupferstichverlegers Jean-François Cars (1661–1738). Bereits in jungen Jahren kam er mit seinem Vater nach Paris. Dort erhielt er zunächst eine Ausbildung als Maler im Atelier von Joseph Christophe und anschließend bei François Lemoyne, der der Familie freundschaftlich verbunden war und großen Einfluss auf ihn ausübte. Für seine malerischen Arbeiten wurde ihm eine Goldmedaille der Académie de Saint-Luc verliehen. Trotz dieser Erfolge wandte er sich der Kupferstechkunst zu und trat in die Werkstatt von Nicolas-Henri Tardieu ein. Am 26. Februar 1729 wurde er als agréé in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen und am 31. Dezember 1733 schließlich als Vollmitglied. Als Aufnahmestücke dienten Bildnisstiche von Michel Anguier nach einem Gemälde von Gabriel Revel sowie von Sébastien Bourdon nach einem Gemälde von Hyacinthe Rigaud. Die entsprechenden Kupferplatten befinden sich im Louvre (Chalcographie du Louvre). Am 29. Januar 1757 wurde er zum conseiller der Akademie ernannt und erhielt im April 1771 den Titel graveur du roi. Laurent Cars starb am 14. April 1771 in Paris.
Werk
Das Œuvre von Laurent Cars ist umfangreich und vielseitig. Bekannt wurde er vor allem durch seine Stiche nach Gemälden von François Lemoyne, mit dessen Werk sein eigenes besonders eng verbunden ist. Zu den bedeutendsten Blättern zählt Hercules und Omphale (1723). Daneben schuf er zahlreiche Vignetten nach Entwürfen von François Boucher für eine Ausgabe der Œuvres de Molière (1743) sowie gemeinsam mit weiteren Stechern Illustrationen nach Jean-Baptiste Oudry zu den Fables von Jean de La Fontaine (1755–1759).
Weitere Arbeiten entstanden nach Werken von Jean Antoine Watteau, darunter die Blätter zu den Fêtes vénitiennes und den Saisons, sowie nach Charles Le Brun, Nicolas Lancret, Jean-Baptiste Siméon Chardin, Nicolas Vleughels und Jean-François de Troy. Im Bereich des Porträtstichs arbeitete er nach Vorlagen von Charles-Nicolas Cochin d. J., Hyacinthe Rigaud, Gabriel Revel und Jean Raoux. Ein Bildnis der Schauspielerin Claire Clairon als Médée nach Carle van Loo blieb unvollendet, da es der Dargestellten missfiel; die Ausführung übernahm Jacques-Firmin Beauvarlet. mini|Susanna und die beiden Alten, Zeichnung von Laurent Cars nach einem Gemälde von Jean-François de Troy (1679–1752). Rötel über einem eingeritzten Raster, 42,7 × 33,6 cm. Metropolitan Museum of Art, New York, Elisha Whittelsey Collection Ob Laurent Cars auch eigene Gemäldeentwürfe stach, ist nicht gesichert. Lediglich beim Bildnis von Roger de Bussy-Rabutin findet sich der Vermerk ad vivum pinxit. Laut Thieme-Becker sind zudem von ihm gemalte Bildnisse von Roger de Bussy-Rabutin (Bischof von Luçon, 1724, von Cars auch gestochen) sowie des Pater Sanadon überliefert. Ab etwa 1750 trat seine eigene Stechtätigkeit zugunsten der Verlegertätigkeit zunehmend zurück. Cars erweiterte den vom Vater übernommenen Verlagsbestand und wurde auf dem Gebiet der Thesenblätter (Illustrationen zu wissenschaftlichen und theologischen Abschlussarbeiten) zum bedeutendsten Verleger seiner Zeit. Zu seinen Auftraggebern zählte insbesondere der Jesuitenorden, für dessen Kollegien in Reims, Périgueux, Limoges und Angoulême er wiederholt tätig war. Zwischen 1765 und 1770 bemühte er sich bei der Sorbonne um Exklusivrechte an den Thesenblättern der dortigen Theologen. Zwei Bildnisstiche von Cars selbst sind überliefert: einer von Simon-Charles Miger nach einem Pastell von Jean-Baptiste Perronneau und einer von Augustin de Saint-Aubin (1768) nach einer Zeichnung von Charles-Nicolas Cochin d. J. (1750).
Schüler und Mitarbeiter
In seiner Werkstatt beschäftigte Laurent Cars neben zahlreichen anonym gebliebenen Stechern seinen Onkel sowie die Kupferstecher Pierre-François Martenasie und Claude-Donat Jardinier. Zu seinen Schülern zählten Jacques-Firmin Beauvarlet, Jean-Jacques Flipart, Augustin de Saint-Aubin, Pierre-Quentin Chedel, Jean-Jacques Pasquier und Jean-Baptiste Perronneau. Mehrere von ihnen zählten zu den bedeutendsten französischen Stechern des 18. Jahrhunderts.
Rezeption
In der kunsthistorischen Literatur gilt Laurent Cars als bedeutender Vertreter einer freieren, stärker von der Radierung geprägten Gravierkunst, die sich vom Dogmatismus früherer Stechergenerationen abwandte. Bei anspruchsvollen Arbeiten kombinierte er mehrere Techniken. Einige Blätter, etwa aus dem Bestand der Bibliothèque nationale de France in Paris, sind reine Radierungen. Thieme-Becker zählt ihn zu den angesehensten Stechern des 18. Jahrhunderts und hebt seine Fähigkeit hervor, sich stilistisch eng an die jeweiligen Vorlagen anzupassen. Der Bestand seines Verlags ist durch einen Katalog dokumentiert, der 1774 von seinem Neffen François-Joachim Babuty herausgegeben wurde. Babuty hatte den Bestand nach Cars’ Tod erworben. Bereits vor 1771 war zudem ein Katalog der von Cars verlegten Kupferstiche erschienen.
Literatur
Roger Portalis; Henri Béraldi: Les graveurs du dix-huitième siècle, Bd. 1, Paris, 1880, S. 301–319. Marcel Roux: Inventaire du fonds français, graveurs du XVIIIe siècle, Bd. 3, Paris, Bibliothèque nationale, 1934, S. 454–517. Emilia Francis Strong Dilke: French Engravers and Draughtsmen of the XVIIIth Century, London, George Bell and Sons, 1902, Kap. VI: Laurent Cars, Beauvarlet, Flipart and Le Bas. Véronique Meyer: „Cars, Laurent“, in: Jane Turner (Hrsg.): The Dictionary of Art, Bd. 5, New York, Grove’s Dictionaries, 1996, S. 884. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 3: Bülow – Cossin. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online, De Gruyter, 2009.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Kupferstecher (Frankreich) Kategorie:Verleger (18. Jahrhundert) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1699 Kategorie:Gestorben 1771 Kategorie:Mann Kategorie:Bildender Künstler (Paris)