Die St. Paul’s Lutheran Church ist eine evangelisch-lutherische Kirche in der Stadt Melville in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Sie wurde 1911 von deutschen Einwanderern errichtet und mehrfach erweitert. Ihre Gemeinde gehört zur Saskatchewan-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada. Seit 1981 ist sie als lokales Denkmal anerkannt und seit 2005 im Canadian Register of Historic Places gelistet.
Architektur Lage und Außenansicht Die Kirche liegt im Süden von Melville am Rande eines Wohnviertels. Ihre Anschrift ist 236 3rd Avenue East.
Die Kirche ist entlang des Straßennetzes von Melville nach Nord-Nord-Ost hin ausgerichtet und im besonders für Kirchengebäude im Westen Nordamerikas typischen neogotischen Carpenter-Gothic-Stil errichtet. Die Holzkirche ist in weißer Farbe gestrichen und weist heute einen grob kreuzförmigen Grundriss auf. Das Langhaus beginnt mit einem zur Straße hingewandten Kirchturm und endet in einer halbrunden Apsis. Es wird durch ein Querschiff unmittelbar vor der Apsis durchbrochen. Unmittelbar im Osten der Kirche schließt ein gemauertes Gemeindehaus mit einer Backsteinfassade an. Die Giebeldächer des gesamten Ensembles sind mit Blechplatten gedeckt.
Der Innenraum der Kirche wird durch eine Reihe von großen Spitzbogenfenstern mit kunstvollen Glasmalereien erhellt. Zwei davon beleuchten die Apsis und rahmen den Altar im Inneren. Am Langhaus befanden sich ursprünglich je drei Fenster nach Osten und Westen, von denen eines im Osten – ebenso wie alle Fenster des östlichen Transepts – durch den späteren Anbau verbaut wurden. Das westliche Transept weist noch seine ursprünglichen vier Fenster auf eines nach Westen. Den Kirchturm an der Südfassade rahmen je zwei Spitzbogenfenster zur linken und zur rechten. Der Turm erhebt sich über die Höhe des Giebels und endet in einem spitzen Knickhelm mit achteckigem Grundriss. Im obersten Stockwerk des Turms ermöglichen Spitzbögen zu allen Seiten den Blick auf die Kirchenglocken. In der Schauseite des Turms ist ein weiteres Doppel-Spitzbogenfenster aus Buntglas eingelassen, darüber befindet sich eine Fensterrose. Das Gebäude lässt sich auf verschiedenen Wegen betreten. Der Haupteingang liegt im Fuß des Kirchturms und kann über eine große Treppe aus Beton erreicht werden. Eine weitere solche Treppe führt zum Eingang des Gemeindehauses, das zu einem unbekannten Zeitpunkt aus Backstein errichet und an das östlichen Querschiff und den Chor angebaut wurde. Barrierefrei ist die Kirche über den Aufzug an der südwestlichen Ecke, neben dessen Zugangstür sich auch der Eckstein befindet, oder über eine hölzerne Rampe an der Westseite zu erreichen. Schließlich führt auch eine Tür vom nördlich gelegenen Parkplatz direkt in die Sakristei.
Innenansicht Betritt man die Kirch durch den Haupteingang, so findet man sich in einem kleinen Narthex wieder, der durch die darüberliegende südliche Empore gebildet wird, und mit Glasscheiben vom eigentlichen Kirchenschiff abgetrennt ist. Eine weitere Empore befindet sich im westlichen Querschiff. Das östliche Querschiff beheimatet dagegen die große Orgel und einen Bereich für Chor und Musik. Im Langschiff und westlichen Querschiff findet die Gemeinde auf hölzernen Kirchenbänken Platz. Zum Altarraum in der Apsis führen zwei Stufen, auf deren linker Seite die Kanzel steht. Rechts vom Aufgang zum Altar hängt eine Liedertafel. Der geschnitzte Altar weist neogotische Zierelemente auf, statt eines Altarbilds findet sich jedoch eine Holzstatue des auferstandenen Christus mit Segensgeste. Zur Innenaustattung gehören weiterhin ein Ambo und ein Taufbecken aus Holz. Der Innenraum ist bis auf etwa einen Meter Höhe mit Holz verkleidet, im Bereich des Narthex jedoch bis zu dessen Decke.
Im Untergeschoss des Hauptgebäudes befindet sich ein großer Gemeindesaal mit einer Bühne unter dem Altarraum und einer großen Küche unter dem westlichen Querschiff. Rechteckige Oberlichter lassen Tageslicht in die Kellerräume ein. Der Gemeindesaal ist mit Fotographien aller vergangenen Konfirmationsjahrgänge geschmückt. Der östliche Anbau beherbergt einen weiteren Multifunktionssaal, eine Kaffeeküche und Sanitäranlagen.
Geschichte mini|Die Kirche im Jahr 1911 Die Geschichte der St. Paul’s Lutheran Church geht auf die Gründung einer lutherischen Kirchengemeinde durch deutsche Einwanderer in der damaligen Siedlung Bethanien, die später in Melville, umbenannt wurde, zurück. Diese schloss sich der Ohio-Synode, einer deutschamerikanischen Denomination in Nordamerika, an und berief A. Fricke zu ihrem ersten Pfarrer. 1907 gab sich diese Gemeinde ihren jetzigen Namen und errichtete ihr erstes Kirchengebäude auf Land, das der Kirche geschenkt worden war. Dieses hölzerne Gotteshaus hatte einen rechteckigen Grundriss und einen Kirchturm mit einem spitzen Helm. Es diente nicht nur der lutherischen Gemeinde, sondern wurde auch an die anderen Kirchengemeinden im Ort vermietet. 1913 wurde die Luther Academy in Melville eröffnet, die 1926 nach Regina zog und bis heute als Luther College besteht. 1916 wurde der Kirchturm durch einen Blitzschlag beschädigt. Ihren ersten großen Umbau erfuhr die Kirche im Jahre 1922, als nicht nur der Kirchturm vollständig erneuert, sondern auch die Querschiffe eingezogen und die Fenster neu angeordnet wurden. 1928 öffnete ein Waisenhaus und ein Altenheim in kirchlicher Trägerschaft. 1957 wurde die Kirche unterkellert, später dann auch der Anbau mit dem Gemeindesaal errichtet. Der jüngste Anbau ist der Aufzug, der erst nach 2005 hinzukam.
Das Kirchengebäude wurde am 7. Dezember 1981 durch die Stadt Melville als kommunales Denkmal anerkannt.
Die Kirche ist heute eine von drei lutherischen Kirchen in Melville, von denen noch eine weitere – die Good Shepard Lutheran Church – mit der Saskatchewan-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada verbunden ist. Neben dem kirchlichen Leben beherbergt sie auch die Ortsgruppe der Anonymen Alkoholiker.
Geistliche der Kirche
Die Kirche hatte über die Jahre hinweg 18 verschiedene Geistliche. Ernst Hertz war neben seinem Pfarramt noch Distriktspräses des Kanada-Distrikts der Ohio-Synode. 2003 wurde mit Darlene Harrison erstmals eine Frau auf die Pfarrstelle der Kirche berufen. Seit 2021 hat dieses Amt der Diakon Kevin Prouten inne.
Einzelnachweise
Melville Melville Melville Melville Melville Melville Melville Melville Kategorie:Deutsche in Kanada Kategorie:Bauwerk in Saskatchewan Kategorie:Religion (Saskatchewan) Kategorie:Erbaut 1907