Adelmar Faria Coimbra-Filho (* 4. Juni 1924 in Fortaleza, Ceará, Brasilien; † 27. Juni 2016 in Rio de Janeiro, Rio de Janeiro) war ein brasilianischer Wirbeltierbiologe und Primatologe. Er war ein bedeutender Naturschützer und veröffentlichte rund 200 wissenschaftliche Arbeiten zu verschiedenen Themen der Erhaltung der brasilianischen Biodiversität.

Leben Adelmar Coimbra-Filho stammte aus Ceará und lebte in Rio de Janeiro. Er war in wissenschaftlichen Gesellschaften aus den Bereichen Botanik und Zoologie tätig. Von 1947 bis 1957 war er erster Verwalter des Forstparks Gávea, des heutigen Parque da Cidade. Von 1961 bis 1963 war er Koordinator des Dienstes für Parks und biologische Reservate des ehemaligen Bundesstaates Guanabara. Von 1963 bis 1971 leitete er den technisch-wissenschaftlichen Dienst des Zoologischen Gartens von Rio de Janeiro.

Anschließend war Coimbra-Filho Direktor der Forschungsabteilung des Instituto da Conservação da Natureza e das Florestas (ICNF) des ehemaligen Bundesstaates Guanabara und übernahm später die Leitung des Instituts. Diese Funktion übte er bis 1975 aus. Nach der Vereinigung der Bundesstaaten Rio de Janeiro und Guanabara wurde er 1975 zum Direktor der Abteilung für Umweltschutz der Fundação Estadual de Engenharia do Meio Ambiente (FEEMA-RJ) ernannt. Diese Funktion übte er bis 1994 aus. Während dieser Zeit konzipierte, organisierte und leitete er das Centro de Primatologia do Rio de Janeiro der FEEMA. Nach 47 Jahren ununterbrochener Tätigkeit im öffentlichen Dienst des Bundesstaates Rio de Janeiro trat er in den Ruhestand.

1973 war Coimbra-Filho technischer Berater der brasilianischen Delegation des Außenministeriums beim ersten Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Washington, D.C. Dort vertrat er die Vorschläge der brasilianischen Delegation, die vollständig angenommen wurden. Er nahm an zahlreichen wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen in Brasilien und im Ausland teil und besuchte Veranstaltungen in Deutschland, den Vereinigten Staaten, Frankreich und Peru. Zudem absolvierte er Forschungsaufenthalte in Großbritannien und Japan, wo er als Gastforscher am Primate Research Institute der Universität Kyōto in Inuyama tätig war.

Coimbra-Filho war Gründungsmitglied der Sociedade Botânica do Brasil, der Sociedade Brasileira de Zoologia und der Sociedade Brasileira de Primatologia. Darüber hinaus gehörte er verschiedenen wissenschaftlichen und naturschutzbezogenen Gesellschaften in Brasilien und im Ausland an. Unter anderem war er wissenschaftlicher Berater des Jersey Wildlife Preservation Trust.

Coimbra-Filho unternahm zahlreiche Forschungsreisen in nahezu alle Regionen Brasiliens. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich insbesondere mit der Primatologie und der Erhaltung natürlicher Ressourcen. Weitere Forschungsschwerpunkte waren die Biologie der Wirbeltiere, die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme, die Waldkunde und der Naturschutz. Er veröffentlichte über 190 wissenschaftliche Arbeiten in Brasilien und im Ausland, hielt Vorträge und unterrichtete an verschiedenen Einrichtungen. 1985 war er Erstbeschreiber des Kuhl-Büschelaffen (Callithrix kuhlii). Sieben Jahre lang organisierte und leitete er den Lehrgang Zoogeographie im Masterstudiengang Zoologie der Universidade Federal do Rio de Janeiro.

Besondere Bedeutung hatte seine Arbeit zum Schutz des Goldenen Löwenäffchens. Coimbra-Filho studierte die Art und setzte sich gegen deren drohendes Aussterben ein. Die Ausbreitung der Stadt Rio de Janeiro und die Jagd hatten zur Zerstörung großer Teile des Atlantischen Regenwaldes in der Region geführt. In den 1960er Jahren lebten weniger als 200 Goldene Löwenäffchen in freier Wildbahn.

Auf Grundlage von Untersuchungen und Kartierungen Coimbra-Filhos richtete die brasilianische Bundesregierung 1974 die Reserva Biológica Poço das Antas im Município de Silva Jardim im Bundesstaat Rio de Janeiro ein. Das Gebiet war das erste biologische Reservat Brasiliens und diente insbesondere dem Schutz des Goldenen Löwenäffchens. 1975 gründete Coimbra-Filho zwischen Guapimirim und Cachoeiras de Macacu das Centro de Primatologia do Rio de Janeiro. Das Zentrum diente der Erforschung und dem Schutz von Primaten und beherbergte auch weitere bedrohte Arten, darunter Klammeraffen und Spinnenaffen. Unterstützung erhielt Coimbra-Filho von der US-amerikanischen Natürschützerin Devra Kleiman.

Coimbra-Filho engagierte sich zudem für den Schutz und die Wiederherstellung des Atlantischen Regenwaldes. Unter anderem setzte er sich für die Wiederansiedlung von Tukanen im Tijuca-Massiv und für die Anpflanzung charakteristischer Baumarten ein.

Adelmar Coimbra-Filho starb 2016 im Alter von 92 Jahren in Rio de Janeiro.

Mitgliedschaften und Funktionen Von 1953 bis 1978 war Coimbra-Filho Mitglied der International Society of Tropical Foresters. 1950 wurde er Gründungsmitglied der Sociedade Botânica do Brasil. 1967 wurde er Ehrenmitglied der Fundação Brasileira para a Conservação da Natureza. Von 1977 bis 1982 war er Mitglied der Associação Brasileira de Engenharia Sanitária e Ambiental. 1978 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Sociedade Brasileira de Zoologia und 1979 zu den Gründungsmitgliedern der Sociedade Brasileira de Primatologia. 1981 wurde er assoziiertes Mitglied der Brasilianischen Akademie der Wissenschaften. Von 1990 bis 1992 war er Mitglied des Kuratoriums der Fundação Brasileira para Conservação da Natureza in Rio de Janeiro. 1994 vertrat er die Academia Brasileira de Ciências bei einem von der brasilianischen Regierung veranstalteten Workshop zur Zusammenarbeit von Regierung und Gesellschaft für die Biodiversität. 1998 wurde er Ehrenmitglied der Associação de Taxonomia Biológica. 2000 gehörte er der Chefredaktion der Zeitschrift Neotropical Primates an. 2002 wurde er in den Wissenschaftlichen Rat des Zentrums zum Schutz brasilianischer Primaten aufgenommen.

Auszeichnungen und Dedikationsnamen Coimbra-Filho erhielt für seine wissenschaftliche Tätigkeit und sein Engagement für den Schutz des Naturerbes Auszeichnungen und Ehrungen in Brasilien und im Ausland. 1994 erhielt er den Prêmio Muriqui des Conselho Nacional da Reserva da Biosfera da Mata Atlântica und der UNESCO. 1997 erhielt er den Prêmio Henry Ford de Conservação Ambiental in der Kategorie individuelle Auszeichnung. 1998 wurde er mit dem Rang eines Komturs des Ordem Nacional do Mérito Científico der Präsidentschaft der Republik Brasilien ausgezeichnet. 1999 erhielt er ein Ehrendiplom für Verdienste des Conselho Regional de Biologia und 2000 ein weiteres der Sociedade Brasileira de Zoologia. 2001 erhielt er vom Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis (IBAMA) eine Metallplakette für seine Beiträge zur Primatologie in Brasilien und seine Tätigkeit im Internationalen Komitee zur Erhaltung der Löwenäffchen. 2002 erhielt er den Prêmio Augusto Ruschi der Academia Brasileira de Ciências in der Kategorie Ökologie.

Alfredo Langguth und sein Kollege Shuji Kobayashi benannten 1999 den Coimbra-Springaffen (Callicebus coimbrai) aus der Familie der Sakiaffen zu Ehren von Coimbra-Filho.

Veröffentlichungen Zu seinen Veröffentlichungen gehören Arbeiten über die Systematik, Verbreitung und den Schutzstatus der Callitrichidae sowie über die Ökologie und das Verhalten neotropischer Primaten. Zu seinen ausgewählten Veröffentlichungen zählen:

Leontopithecus rosalia chrysopygus (Mikan, 1823), o mico-leão do Estado de São Paulo (Callitrichidae – Primates), 1976. Tree-gouging, exsudate-eating and the "short tusked" condition in Callithrix and Cebuella, gemeinsam mit A. J. Melfi und R. A. Mittermeier, 1978. O processo da muda dos pêlos em Leontopithecus r. rosalia (L. 1766) – (Callitrichidae, Primates), gemeinsam mit A. de A. Maia, 1979. Systematics, geographic distribution, and some notes on the conservation status of the Callitrichidae, gemeinsam mit A. B. Rylands und R. A. Mittermeier, 1993.

Zu seinen umfangreicheren Veröffentlichungen gehört das gemeinsam mit Russell A. Mittermeier herausgegebene zweibändige Werk Ecology and Behavior of Neotropical Primates, das zwischen 1981 und 1988 in Rio de Janeiro von der Academia Brasileira de Ciências veröffentlicht wurde. 1996 veröffentlichte er gemeinsam mit I. G. Câmara Os Limites Originais do Bioma Mata Atlântica na Região Nordeste do Brasil bei der Fundação Brasileira para Conservação da Natureza.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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