Alfonso Valdivieso Sarmiento (* 2. Oktober 1949 in Bucaramanga, Departamento de Santander) ist ein kolumbianischer Diplomat und Politiker des Cambio Radical (CR), der unter anderem zwischen 1990 und 1991 Bildungsminister sowie von 1994 bis 1997 Generalstaatsanwalt war. Als Generalstaatsanwalt führte er Ermittlungen gegen das Drogenkartell von Cali, Staatspräsident Ernesto Samper und mehrere andere führende Politiker.

Leben Alfonso Valdivieso Sarmiento, Sohn von Roberto Valdivieso Serrano und Mercedes Sarmiento Suárez, absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Päpstlichen Universität Xaveriana in Bogotá und war nach dessen Abschluss als Rechtsanwalt sowie als Dozent an seiner Alma Mater tätig. Er begann sein politisches Engagement für die Partei für radikalen Wandel CR (Cambio Radical) und vertrat für die CR zwischen dem 20. Juli 1986 und dem 20. Juli 1990 das Departamento de Santander im Nordosten des Landes als Abgeordneter im Repräsentantenhaus (Cámara de Representantes). Während der Amtszeit von Staatspräsident César Gaviria (7. August 1990 bis 7. August 1994) wurde er am 7. August 1990 Minister für Nationale Bildung (Ministro de Educación Nacional) und bekleidete dieses Amt bis zum 13. November 1991, woraufhin Carlos Holmes Trujillo seine Nachfolge antrat. Er selbst wurde daraufhin 1991 erster Botschafter in Israel und verblieb auf diesem diplomatischen Posten bis zu seiner Ablösung durch Patricio Samper Gnecco 1993.

mini|200px|Staatspräsident Ernesto Samper, dessen Gegner Valdivieso war und dem er Verbindungen zum Drogenkartell von Cali vorwarf. mini|200px|Drogenbaron Miguel Rodríguez Orejuela (Mitte), kurz nach dessen Verhaftung im 1995 Zu Beginn der Amtszeit von Staatspräsident Ernesto Samper (7. August 1994 bis 7. August 1998) übernahm Valdivieso von Gustavo de Greiff Restrepo das Amt als zweiter Generalstaatsanwalt (Fiscal General de la Nación) und verblieb in diesem Amt bis zum 1. August 1997, woraufhin Alfonso Gómez Méndez Im Juli 1995 erklärte er in dieser Funktion, dass das Drogenkartell von Cali Erkenntnissen der Polizei zufolge die gesamte kolumbianische Gesellschaft infiltriert hat. Bei der Razzia in einer Wohnung, in der die Festnahme des Drogenbosses Miguel Rodríguez Orejuela am 15. Juli 1995 missglückte, stellte die Polizei eine Liste mit den Namen von 2800 Personen sicher, die vom Cali-Kartell Bestechungsgeld erhalten haben sollen. Valdivieso, der die Ermittlungen in Korruptionsfällen leitet, in die das Cali-Kartell und die Regierung verwickelt sind, deutete an, dass die Spur bis hinauf zu Präsident Ernesto Samper führen könne. Schon länger gibt es Gerüchte, dass der Präsident für seinen Wahlkampf Geld vom Kokain-Syndikat erhalten habe. Im Zuge der Ermittlungen wurde der Schatzmeister von Sampers Wahlkampagne, Santiago Medina, verhaftet, dem vorgeworfen wurde, umgerechnet 75.000 Mark vom Drogenkartell von Cali für die Wahlkampagne des Präsidenten akzeptiert zu haben. Letztendlich drohte auch dem unter Korruptionsverdacht stehenden Präsidenten Ernesto Samper ein Amtsenthebungsverfahren, nachdem Generalstaatsanwalt Valdivieso im Februar 1996 dem Kongreßss (Congreso de la República de Colombia) eine Anklageschrift gegen den Staatschef wegen Bereicherung, Wahlbetrugs und Urkundenfälschung vorgelegt hatte. Samper wurde vorgeworfen, seinen Wahlkampf 1994 mit Spenden des Cali-Rauschgiftkartells in Höhe von sechs Millionen US-Dollar finanziert zu haben. Samper wies die Vorwürfe zurück und beteuerte seine Unschuld. Kurz darauf wurde das Ermittlungsverfahren auf Außenminister Rodrigo Pardo García-Peña, Innenminister Horacio Serpa und Kommunikationsminister Juan Turbay ausgeweitet. Alle drei Politiker waren 1994 Mitglieder des Wahlkampfteams der Liberalen Partei PLC (Partido Liberal Colombiano). Die Minister hatten bereits mehrfach beteuert, während des Wahlkampfes keine damit verbundenen Geldgeschäfte getätigt zu haben. Sie wurden allerdings vom früheren Schatzmeister der Partei, Santiago Medina, und von Ex-Verteidigungsminister Fernando Botero Zea belastet. Präsident Ernesto Samper soll nach Darstellung Medinas und Boteros die „Spende“ des Kokainkartells von Cali in Höhe von umgerechnet sechs Millionen US-Dollar federführend organisiert haben. Im Mai 1996 hatten des Weiteren die Justizbehörden nach offiziellen Angaben die Festnahme des höchsten Justizbeamten, Generaldisziplinaranwalt (Procurador general) Orlando Vásquez Velásquez, angeordnet. Vasquez wurde vorgeworfen, er habe seinen Wahlkampf 1994 mit Geld der Drogen-Mafia finanziert. Der Oberste Gerichtshof (Corte Suprema de Justicia) hatte ihn Ende April 1996 bereits wegen Beschaffung falscher Zeugen für drei Monate suspendiert. Mitte Juni 1996 wurde Staatspräsident Samper allerdings vom Kongress entlastet, so dass kein Prozess gegen diesen mehr möglich war. Das Repräsentantenhaus hatte in der Nacht zum 14. Juni 1996 Präsident Ernesto Samper vom Vorwurf der Korruption freigesprochen. 43 der 144 Abgeordneten hielten Samper für schuldig. Bereits im vergangenen Dezember hatte das Repräsentantenhaus ihn freigesprochen, doch der Generalstaatsanwalt hatte neue Beweise vorgelegt. Der Präsident kann lediglich vor Gericht gestellt werden, wenn ihn zunächst Repräsentantenhaus und Senat für schuldig befinden.

Nach der Verhaftung des Drogenhändlers Hélmer „Pacho“ Herrera im Anfang September 1996 erklärte Valdivieso, dass die Organisation nach Ansicht der Staatsanwaltschaft noch nicht zerschlagen und das Cali-Kartell am Ende ist. Die Festnahme von „Pacho“ Herrera Buitrago könne zwar dazu beitragen, das Kartell zu entmachten, doch sei der Kampf noch nicht beendet. Valdivieso widersprach damit Äußerungen von Staatspräsident Ernesto Samper, der die Festnahme Herreras als das Ende des Kokain-Kartells bezeichnet hatte. Herrera, der letzte flüchtige Boß des Kartells, hatte sich am 1. September 1996 freiwillig der Polizei gestellt. Die Brüder Gilberto Rodríguez Orejuela und Miguel Rodriguez Orejuela wurden bereits vorher verhaftet. Die „Nummer drei“ der Gruppe, José Santacruz Londoño, wurde am 5. März 1996 in Medellín von der Polizei erschossen.

mini|200px|Der von der Drogenmafia ermordete Journalist und Politiker Luis Carlos Galán gehörte zu seinen Cousins ersten Grades. Nachdem viele der anhängigen Verfahren abgeschlossen waren, trat Valdivieso am 1. August 1997 zurück, um für das Präsidentenamt zu kandidieren, und wurde daraufhin von Alfonso Gómez Méndez als Generalstaatsanwalt abgelöst. Auf dem nationalen Parteitag der Liberalen Partei erlitt er jedoch eine vernichtende Niederlage gegen Horacio Serpa. Überzeugt, dass Serpa Sampers Politik fortsetzen würde, unterstützte Valdivieso schließlich den Kandidaten der Konservativen Partei PCC (Partido Conservador Colombiano), Andrés Pastrana, und gründete mit ihm die „Große Allianz für den Wandel“ (Gran Alianza por el Cambio). Nach Pastranas Wahlsieg ernannte dieser Valdivieso am 7. August 1998 als Nachfolger von Julio Londoño Paredes zum Ständigen Vertreter Kolumbiens bei den Vereinten Nationen, ein Amt, das er während Pastranas gesamter Amtszeit bis zu seiner Ablösung durch Luis Guillermo Giraldo Hurtado am 7. August 2002 innehatte. Während seiner Tätigkeit als Ständiger Vertreter bei der UNO fungierte er zeitweilig als Präsident des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Zuletzt gehörte er als Vertreter des Cambio Radical (CR) vom 21. Oktober 2008 bis zum 20. Juli 2010 dem Senat (Senado de la República de Colombia) als Mitglied an.

Aus seiner Ehe mit Marta Cecilia León Reyes gingen die Söhne Sergio Valdivieso León und Camilo Valdivieso León hervor. Er ist ein Cousin ersten Grades des von der Drogenmafia ermordeten Journalisten und Politikers Luis Carlos Galán, des Kardiologen und Politikers Augusto Galán sowie des Politikers Antonio Galán. Ein angeheirateter Onkel war der Politiker Mario Galán Gómez, der unter anderem von 1963 bis 1974 Präsident des staatlichen Öl-, Gas- und Kohleunternehmens Ecopetrol war. Zu seinen Cousins zweiten Grades gehören die Politiker Juan Manuel Galán und Carlos Fernando Galán, beides Söhne von Luis Carlos Galán und der Diplomatin Gloria Pachón.

Literatur Alberto Donadío: Yo, el fiscal, Intermedio Editores, Santafé de Bogotá 1996, ISBN 978-9-58280-905-8

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