mini|Marie-Hélène van Zuylen van Nyevelt (1950) Marie-Hélène Naila Stephanie Josina de Rothschild (geboren am 17. November 1927 in New York City; gestorben 1. März 1996 in Touques), geb. van Zuylen van Nyevelt, war eine führende Person der Pariser High Society und Mitglied der Familie Rothschild.

Leben Marie-Hélène van Zuylen van Nyevelt wurde am 17. November 1927 in New York City geboren. Sie war das älteste von drei Kindern von Baron Egmont van Zuylen van Nyevelt (1890–1960) und Marguerite Marie Namétalla (1901–1970). Ihre Mutter stammte aus Ägypten und hatte syrische Einwanderer als Eltern, während ihr Vater ein Diplomat und Geschäftsmann jüdischer und niederländischer Abstammung war. Ihre Großmutter war Baronin Hélène de Zuylen de Nyevelt de Haar, eine Tochter von Salomon James de Rothschild (1835–1864) und Adèle von Rothschild, und die erste Frau, die an einem internationalen Autorennen teilnahm. Marie-Hélène van Zuylen van Nyevelt besuchte das Marymount College in Tarrytown, im Bundesstaat New York, und ging nach Abschluss ihrer Ausbildung nach Paris.

Eheschließungen Marie-Hélène van Zuylen van Nyevelt lernte in Paris den französischen Grafen und Pferdezüchter François de Nicolay (1919–1963) kennen. Sie heirateten 1950. Ihr Sohn Philippe de Nicolay wurde 1955 geboren. Bereits zwei Jahre später ließ sich das Paar scheiden.

1957 heiratete sie Baron Guy de Rothschild (1909–2007), einen Cousin dritten Grades und den Sohn von Édouard Alphonse James de Rothschild und Germaine Halphen. Auch er war geschieden und hatte mit seiner ersten Frau Alix Schey de Koromla (1911–1982) einen Sohn. Die Hochzeit mit Guy de Rothschild fand in New York City statt und es war die erste Hochzeit, bei der ein Oberhaupt einer der Rothschild-Familien eine nicht-jüdische Partnerin heiratete. Guy de Rothschild trat aufgrund dieser Tatsache nach der Eheschließung vom Vorsitz des Jüdischen Konsistoriums zurück. Ihr gemeinsamer Sohn Édouard, der 1957 geboren wurde, wurde im jüdischen Glauben erzogen.

Gesellschaftliche Aktivitäten im Château de Ferrières mini|Château de Ferrières (2006) Von seinen Eltern hatte Guy de Rothschild das Château de Ferrières, auf dem er mit seinen Schwestern Jacqueline und Bethsabée aufgewachsen war, geerbt. Das Château war während der Deutschen Besatzung Frankreichs beschlagnahmt worden und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand es leer. Nach der Hochzeit entschieden sich Guy und Marie-Hélène de Rothschild es wieder zu bewohnen und Marie-Hélène de Rothschild übernahm die Leitung der Renovierungsarbeiten. Sie schuf einen Ort, an dem sich der europäische Adel bei prunkvollen Soireen mit Musikern, Künstlern, Modeschöpfern und Hollywood-Stars traf. Auf ihren Festen begrüßte sie neben Vertretern des Adels Persönlichkeiten wie Salvador Dalí, Grace Kelly und Audrey Hepburn, mit der sie eng befreundet war. Mit ihren opulenten Themenbällen und Wohltätigkeitsveranstaltungen, die sie in Paris und auch in New York gab, erregte sie großes Aufsehen.

„Proust-Ball“ im Dezember 1971 Der „Proust-Ball“ zu Ehren des Autors und Sozialkritikers Marcel Proust fand anlässlich dessen hundertsten Geburtstags statt. Zum Abendessen waren etwa 350 Gäste und zu einem späten Imbiss weitere 350 Gäste geladen. Der Speisesaal war mit Palmen, Farnen und Rankgittern geschmückt und in den Fenstern waren Kronleuchter montiert, die, wie auch Fackeln auf den Wegen, den Weg zum Schloss wiesen. Serviert wurde Consommé, Hummer-Quenelles sowie mit Foie gras und Entenleber gefüllte Ente, garniert mit Ananas, kleinen Mirabellen und Pflaumenmus. Den Abschluss bildete eine Pistazien-Eisbombe, und die Tische waren mit in Falten gelegten malvenfarbenen Tischdecken dekoriert, die mit malvenfarbenen Orchideen verziert waren. Die kostümierten Gäste wurden von Cecil Beaton fotografiert, der als der Fotograf Nadar verkleidet war. Für den Anlass hatte Beaton im Schloss ein eigenes Studio eingerichtet und er porträtierte an dem Abend unter anderem Marisa Berenson als Luisa Casati, Audrey Hepburn, Fürstin Grace von Monaco und Elizabeth Taylor. Auch die Herzogin von Windsor, Wallis Simpson, war an dem Abend zu Gast und wurde von Beaton als „eine verrückte Goya-Figur“ beschrieben. Sie trug eine große blaue Feder als Schmuck. Als sie während des Essens den Kopf drehte, tauchte die Feder in die Consommé oder die Sauce ein und streifte anschließend Baron Guy de Rothschild im Gesicht.

„Diner de Têtes Surréaliste“ im Dezember 1972 Ihr „Diner de Têtes Surréaliste“, wurde zu einem der legendärsten Maskenbälle, die die europäische High Society je gesehen hatte. Getreu dem Motto Surrealismus lud sie ihre Gäste mit Einladungen in Spiegelschrift ein und der Dresscode lautete „surrealistisches Headpiece“. Die Menükarte führte Kuriositäten wie „Lendenbraten“, „extraluzide Suppe“ oder „in postkoitaler Traurigkeit gerösteter Ziegenkäse“. Zu den Gästen des Abends gehörten neben Politikern und Bänkern Audrey Hepburn, Hélène Rochas, Marisa Berenson und Künstler wie die Surrealismus-Ikone Salvador Dalí. Dalí erschien im Gegensatz zu den anderen Gästen des Abends ohne Kostüm. Dies genügte ihm zum Motto „Surrealismus“. Andere Gäste stellten mit ihren extravaganten Kostümen und Masken bekannte surrealistische Gemälde und Fotografien nach, etwa von André Masson oder Dorothea Tanning.

Das Château de Ferrières übergaben Guy und Marie-Hélène de Rothschild im Jahr 1975 als Schenkung an die Verwaltung der Pariser Universitäten. Sie behielten jedoch das Haus, das sie in den zum Schloss gehörenden Wäldern hatten errichten lassen.

Hôtel Lambert und späte Jahre mini|Hôtel Lambert (2010) Im Jahr 1975 erwarben die Rothschilds das Hôtel Lambert auf der Île Saint-Louis. Dabei handelte es sich um eins der luxuriösesten Stadtpalais von Paris. Das Paar bezog die oberen Etagen, und Marie-Hélène de Rothschild übernahm erneut die Leitung der Renovierungsarbeiten. In der ersten Etage des Hôtel Lambert wohnte Baron Alexis de Redé, mit dem sie sich anfreundete und der später eine feste Größe bei ihren gesellschaftlichen Zusammenkünften war.

Marie-Hélène de Rothschild erkrankte an Krebs und rheumatoider Arthritis. Nach über zehn Jahren im Kampf gegen diese Krankheiten starb sie am 1. März 1996 im Alter von 68 Jahren auf dem Landsitz am Château Ferrières. Eine katholische Trauerfeier fand in der Kirche Saint-Louis-en-l’Îled in Paris statt. An der Trauerfeier nahmen unter anderen Valéry Giscard d’Estaing, Claude Pompidou, Bernadette Chirac, Gianni Agnelli, Alain Delon und Yves Saint Laurent teil. Sie wurde in Touques im Département Calvados beigesetzt.

Ehrungen Marie-Hélène de Rothschild war in Paris nicht nur als legendäre Gastgeberin bekannt, sondern engagierte sich maßgeblich für die medizinische Forschung und förderte Künstler, Musiker, Filmstars und Modeschöpfer. In Anerkennung ihrer Verdienste um die Förderung der französischen Kultur und Mode auf internationaler Ebene wurde Marie-Hélène de Rothschild zum Mitglied der Ehrenlegion (Légion d’honneur) ernannt.

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