Gustav Klare (* 28. September 1834 in Dresden; † 15. Dezember 1909) war ein deutscher Zahnmediziner. Er war langjähriger Präsident des Zentralvereins deutscher Zahnärzte. Als solcher war er einer der Vorkämpfer für die Etablierung der Zahnmedizin als eigene wissenschaftliche Disziplin, für die Errichtung spezieller zahnmedizinischer Institute an Universitäten und eine eigene Prüfungs- und Approbationsordnung.
Leben
Klare beendete die Bürgerschule und im Anschluss daran die Kreuzschule in seiner Heimatstadt Dresden mit dem Abitur 1854 und begann an der Universität Leipzig Medizin zu studieren. 1859 promovierte er in Leipzig zum Doktor der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe und wurde Assistenzarzt an der Medizinischen Poliklinikhistorisch hießen an den meisten Universitätskliniken die Abteilungen für alle außer chirurgische Erkrankungen Medizinische Klinik im Unterschied zur Chirurgischen Klinik. Mit der Ausdifferenzierung der Medizin entstanden viele Spezialkliniken wie Augenkliniken oder Geburtshilfekliniken und der Begriff Medizinische Klinik verengte sich zur - nach heutigem Verständnis - Klinik für Innere Medizin. An diesen Medizinischen Kliniken gab es eine poliklinische Abteilung = Medizinische Poliklinik - also Abteilung für ambulante Behandlung. der Universität Leipzig unter Professor Theodor Weber.
Im selben Jahr 1859 meldete sich Klare freiwillig zum Armeedienst im sächsischen Heer, das am kurzen Sardinischen Krieg teilnahm und verblieb insgesamt 20 Monate als Assistenzarzt im Heer. Nach seiner Entlassung aus dem Heeresdienst ließ sich Klare für ein Jahr als praktischer Arzt in Dittersdorf bei Chemnitz nieder.
Bereits nach einem Jahr ging er wieder nach Leipzig und heiratete bald darauf Nathalie Hering, die Tochter des sächsischen Hofzahnarztes Eduard Hering, in dessen Familie er schon während seiner Studienzeit in Leipzig verkehrte. Mit seinem Schwager Franz Hering zusammen betrieb Gustav Klare die über Jahrzehnte größte und ansehnlichste Zahnarztpraxis in Leipzig. Ab 1894 eröffnete Gustav Klare zusätzlich eine Privatpraxis.
Mit der ersten Gattin hatte Gustav Klare eine Tochter. Nach dem frühen Tod der ersten Gattin im Januar 1867Todesanzeige zu Nathalie Klare, geb. Hering in der »Leipziger Zeitung« vom 30. Januar 1867 heiratete Klare erneut und bekam mit seiner zweiten Frau vier Söhne – darunter einen späteren Landgerichtspräsidenten und einen Fabrikdirektor.
In seinem letzten Lebensjahr magerte Klare massiv ab, unterzog sich einer Darmoperation, die aber seinen Zustand nicht verbesserte.
Wirken
Auch wenn der Zentralverein deutscher Zahnärzte bereits 1859 durchsetzte, dauerte es noch ziemlich genau 50 Jahre, bis 1909 eine spezielle Prüfungsordnung und Approbation für Zahnärzte geschaffen wurde und sich somit die Zahnmedizin als eigenes Fach etabliert hatte. Ein vorher wichtiger Meilenstein war die Einführung der sogenannten Primarreife für Zahnärzte zwischen 1869 und 1884. An dieser Entwicklung war Klare als Präsident des Zentralverein deutscher Zahnärzte zwischen 1871 und 1885, mit einer dreijährigen Unterbrechung zwischen 1876 und 1879, ein wesentlicher Motor für die Entwicklung der Zahnmedizin als eigenes Fach.
Ein wichtiges Verdienst war die Absicherung des Erscheinens der Deutschen Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde, des eigenen Publikationsorgans des Zentralvereins deutscher Zahnärzte – einerseits dadurch, dass er die Verschmelzung der Vierteljahresschrift mit der bereits seit 1846 erschienen Der Zahnarzt arrangierte und, nachdem zwei andere vorgesehene Kandidaten für die Übernahme der Redaktion nach dem Tod des langjährigen ersten Redakteurs Adolf zur Nedden erkrankten, mit Robert Baume einen engagierten neuen Redakteur für die Vierteljahresschrift fand.Robert Baume war einer der wesentlichen Begründer der »Gesellschaft Berliner Zahnärzte«, die wesentlich gegen die seit der Freigabe der Behandlung zahnärztlicher Behandlungen durch Laien grassierende Kurpfuscherei auf dem Gebiet Stellung bezug und in einer Petition an das »Ministerium für geistliche, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten« im Februar 1874 staatliches Einschreiten gegen diese Kurpfuscherei forderte. Siehe Die Entwicklung des Zahnarztberufs (9) : Genese des zahnärztlichen Verbandswesens im Online-Archiv der Zahnärztlichen Mitteilungen
Vor der Errichtung des ersten zahnärztlichen Instituts an der Universität Leipzig 1884 war Gustav Klare 15 Jahre lang Mitglied der Prüfungskommission für Ärzte in Leipzig.
Im Rahmen seines Engagements für die Förderung des Berufsstandes war Klare auch Vorsitzender der Witwen-, Waisen- und Invalidenkasse der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker in Sachsen.
Weblinks
Julius Parreidt. Dr. med. G. Klare †. In: »s:Deutsche Monatsschrift für Zahnheilkunde« 25.1910, S. 65–67 frei zugängliches Digitalisat Der Wikipedia-Eintrag zu Gustav Klare beruht im Wesentlichen auf diesem Nachruf.
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Zahnarzt Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (Leipzig) Kategorie:Geschichte der Zahnmedizin Kategorie:Geboren 1834 Kategorie:Gestorben 1909 Kategorie:Mann