mini|Jean Péru (1650–1723): Heiliger Bénézet, 1690, bemaltes Holz. Collégiale Saint-Didier, Avignon. Die Skulptur entstand für die Kapelle Saint-Bénézet in der Kirche des Célestinsklosters in Avignon und wurde nach der Französischen Revolution in die Kirche Saint-Didier überführt Jean Péru (* 19. Juni 1650 in Avignon; † 10. Februar 1723 ebenda) war ein französischer Bildhauer und Architekt. Pérus Hauptleistung wird in der deutlichen Aufwertung des Stadtbildes von Avignon durch markante Barockbauten gesehen.
Leben Jean Péru war der Sohn des Bildhauers Michel Péru und der Bruder von Pierre Péru, die beide ebenfalls als Bildhauer und Architekten tätig waren. Sein Sohn Jean-Baptiste Péru wurde 1676 geboren und setzte das Werk seines Vaters fort. Péru erhielt ab etwa 1664 seine Ausbildung in der Werkstatt seines Vaters. Als Architekt war er wahrscheinlich zusätzlich bei Louis-François de Royers de La Valfenière tätig. Unter dessen Leitung führte er seinen frühesten nachweisbaren Auftrag aus: die Restaurierung und Umgestaltung der 1674 durch Hochwasser beschädigten Uferbefestigung der Rhône in Avignon. Ab Anfang der 1680er Jahre trug er den Titel Maître Architecte und errichtete vor allem für kirchliche Auftraggeber in Avignon Grabmäler und Sakralbauten, die er häufig mit Altären und Skulpturen ausstattete. Im Jahr 1685 baute er eine monumentale Treppenanlage in das Novizenhaus des Jesuitenkollegs ein. Für die Kirche der Benediktinerabtei St-Martial fertigte er das Grabmal des im Jahr 1686 verstorbenen Abtes Gaspard de Simiane de la Coste. Dieses befindet sich heute im Musée lapidaire in Avignon. Von 1689 bis 1693 setzte er die 1667 begonnene Fassade des Hôpital Sainte-Marthe fort und errichtete zwei Joche, die durch pittoreske Lukarnen bekrönt sind. Weitere Entwürfe Pérus wurden bei Umbauten von 1743 bis 1748 sowie bei der Verlängerung des Westflügels im Jahr 1830 verwendet. Das Gebäude wird heute von der Universität Avignon genutzt.
Im Jahr 1690 wirkte Péru am Bau der Kapelle St-Bénézet in der Kirche der Célestins mit und schuf ein Grabmal für den heiligen Bénézet von Avignon. Die zugehörige Statue befindet sich heute in der Kirche St-Didier. Zudem fertigte er vier Statuen der Tugenden an, von denen sich drei in der Kathedrale von Avignon befinden. In den 1690er Jahren entstanden einige der repräsentativsten Bürgerhäuser Avignons. Sie sind vom italienischen Barock und von klassischen Bauformen beeinflusst und zeichnen sich durch elegante Fassaden aus. Zu ihnen gehören das Hôtel de Galléans des Issarts mit Orangerie (ab 1694) und das Hôtel de Puget de Chasteuil (ab 1695, mit Pavillon 1699). Die Fassade des Hôtel Raoulx mit Pérus plastischem Schmuck orientierte sich an der des Pariser Hôtel de Beauvais von Antoine Lepautre (1696). Im Auftrag des Marquis de Brantes entstand von 1703 bis 1707 in der Stiftskirche St-Agricol die Marienkapelle mit Marmoraltar, Statuen des Johannes des Täufers und der heiligen Elisabeth sowie vier musizierenden Engeln in den Hängezwickeln. Diese Ausstattung ist noch heute vor Ort zu sehen. Ab 1712 baute Péru den Süd- und den Ostflügel an das Jesuitenkolleg an, welches sein Sohn vollendete und das heute als Schule genutzt wird.
Außerhalb Avignons schuf Péru ab 1688 für die Stiftskirche Notre-Dame-des-Anges in L’Isle-sur-la-Sorgue 22 allegorische Figuren, die die Marientugenden verkörpern. Sie wurden in den Bogenzwickeln der Seitenkapellen platziert. Darüber hinaus entwarf er eine mit üppigem Schnitzwerk verzierte Täfelung für die Chapelle du Corpus Christi sowie ein monumentales, bogenförmiges Wandrelief, das die Himmelfahrt Christi darstellt. Um 1707 legte Péru ein Gutachten zu einem in Lambesc begonnenen Kirchenbau vor. Dieser wurde 1708 nach seinen Plänen fortgesetzt.
Werk mini|Haupteingang des Standorts Sainte-Marthe der Universität Avignon im ehemaligen Hôpital Sainte-Marthe in Avignon. Das historische Krankenhausgebäude wurde 1997 als Universitätsstandort übernommen Avignon, Basilika St-Pierre, Portalmittelpfeiler: monumentale Statue der Madonna mit Kind aus Stein Avignon, Jesuitenkirche: monumentaler Hochaltar aus Stein und Stuck (vor 1700, nicht erhalten) Avignon, Hôtel de Salvador: Umbau (1704–1712) Avignon, Chapelle des Pénitents noirs florentins: Umbau (1705–1719, nicht erhalten) Tarascon, Maison de la Charité: Umbau (um 1689, 1944 zerstört)
Literatur André Hallays: Avignon et le Comtat-Venaissin. H. Laurens, Paris, 1909. Joseph Girard: Avignon, ses monuments, ses hôtels, ses trésors d’art. F. Detaille, Marseille, 1930. Joseph Girard: Évocation du vieil Avignon. Éditions de Minuit, Paris, 1958; Neuausgabe 2000. François Souchal: L’église de L’Isle-sur-Sorgue. In: Congrès archéologique de France. 121. Session, Avignon et le Comtat-Venaissin, Société Alain Breton u. a.: Avignon ville d’Art. Les Amis du Palais du Roure, Avignon, 1991. Marc Maynègre: De la porte Limbert au portail peint : histoire et anecdotes d’un vieux quartier d’Avignon. M. Maynègre, Sorgues, 1991. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 10: Müller – Pinchetti. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
Weblinks
Conférence « L’œuvre du sculpteur Jean Péru dans la collégiale Notre-Dame des Anges (1680-1700) » le samedi 1er octobre 2022 Jean Péru - Les dynasties d'artistes des XVIIe et XVIIIe siècles
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer des Barock Kategorie:Architekt des Barock Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Architekt (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1650 Kategorie:Gestorben 1723 Kategorie:Mann