Karl Friedrich Otto Max Zahn (* 30. Dezember 1900 in Viersen; † 16. April 1943 in Dnjepropetrowsk) war ein deutscher evangelischer Pfarrer. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er Reichsjugendpfarrer.
Leben Zahn war der Sohn des Viersener Fabrikdirektors Karl Friedrich Zahn (1866–1942), einem Sohn des Altphilologen Johannes Zahn (1828–1905). Nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg studierte er evangelische Theologie an den Universitäten Münster, Marburg und Tübingen.
Von 1931 bis 1934 war Zahn Provinzial- und Gemeindepfarrer in Aachen. Er war überzeugter Nationalsozialist und Verfechter der Idee einer Volkskirche. Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.119.436)Bundesarchiv R 9361-I/4036 und war auch Mitglied der SA. Nach der Machtergreifung 1933 überführte er in Aachen alle evangelischen Jugendverbände in die Hitlerjugend.
Im Januar 1934 wurde Zahn von Reichsbischof Ludwig Müller zum Reichsjugendpfarrer der Deutschen Christen mit Sitz in Berlin berufen; von der Bekennenden Kirche wurde er als solcher nicht anerkannt.Ulrich Schwab: Eintrag „Jugendpfarrer/Jugendpfarrerin“ im Handwörterbuch Religion in Geschichte und Gegenwart (online) Er folgte Erich Stange nach und wurde damit beauftragt, im ganzen Reich die evangelischen Jugendverbände in die Hitlerjugend einzugliedern; die Stelle war zunächst Arnold Dannenmann angeboten worden, der jedoch abgelehnt hatte.Die Gleichschaltung der Jugendverbände (PDF-Datei) auf ns-in-ka.de Zahn legte als Christ Wert darauf, die religiösen Grundsätze der kirchlichen Jugendverbände nicht aufgeben zu müssen. Als Zahn merkte, dass Reichsjugendführer Baldur von Schirach lediglich an einer Gleichschaltung der Jugendverbände interessiert war, verfasste Zahn im Juli 1934 die Denkschrift Spannungen zwischen Evangelischer Kirche und Hitlerjugend, in der er unter Anführung zahlreicher Beispiele offen die Behinderung und Verächtlichmachung der kirchlichen Jugendarbeit durch die Hitlerjugend anprangerte. Zahn scheiterte bei der HJ-Führung mit seinem Anliegen gänzlich und schied daraufhin aus dem Amt aus.
1935 wurde Zahn zum Reichskirchenrat ernannt. Er war unter anderem als Referent für Fragen des Religionsunterrichts, danach als Referent des Reichskirchenausschusses für Erziehungsfragen in der Kirchenkanzlei der Deutschen Evangelischen Kirche tätig.
Im Januar 1940 wurde Zahn zur Wehrmacht einberufen. Er wurde im besetzten Frankreich und an der Ostfront eingesetzt. Ab 1941 war er Leutnant. Als Angehöriger einer Panzereinheit wurde er am 10. März 1943 bei Isjum verwundet. Er starb am 16. April 1943 an den Folgen der Verwundung in einem Feldlazarett in Dnjepropetrowsk. Er wurde mit verschiedenen Auszeichnungen, darunter dem Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse, ausgezeichnet.
Werke (Auswahl) Kirche und Hitlerjugend. Zentralverlag, Berlin 1934.
Literatur Albert Rosenkranz: Das Evangelische Rheinland. Band 2, Presseverband der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf 1958, S. 581. Thomas Martin Schneider und Marco Hörnig: Bekennende Kirche und Deutsche Christen: Die Konflikte innerhalb der evangelischen Kirche in Rheinhessen. In: Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz: wissenschaftliche Darstellung und Materialien für den Unterricht. Rheinhessische Druckwerkstätte, Alzey 2011, S. 85–91. Jochen Gruch: Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland. Band 4, Bonn 2020, Nr. 14812.
Weblinks Eintrag von Karl Friedrich Zahn im Portal jugend1918–1945 Nachlass BArch N 2383
Einzelnachweise
Kategorie:Person der Deutschen Christen Kategorie:Person der Hitlerjugend Kategorie:Evangelischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Evangelischer Geistlicher (Aachen) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Leutnant (Heer der Wehrmacht) Kategorie:Person im Zweiten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1900 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann