The Politics Of Ecstasy ist das dritte Studioalbum der Düsseldorfer Neo-Kraut Rock und Neo-Psychedelic Rock Band Vibravoid und erschien im Jahr 2008. Das Album umfasst Eigenkompositionen sowie Coversongs. Die Erstauflage der Schallplatte wurde auf blauem „Glow In The Dark“ Vinyl veröffentlicht.
Entstehung und Aufnahmen Erste Demoaufnahmen für das Album stammen aus dem Jahr 1996. Doris Delay wurde zum ersten Mal mit Markus Ludwig (ex Assassin) am Bass und Gesang aufgenommen. Songs wie Playing With Beuys und Your Mind Is At Ease entstanden in den frühen 2000er Jahren, was durch einen Mitschnitt des Konzerts im Berliner Duncker Club belegt ist (Vibravoid Live At Duncker Berlin 2002). Einige der frühen Demoaufnahmen sind im Laufe der Zeit verloren gegangen. Im Jahr 2004 erschien die erste Singleauskopplung Doris Delay. Die Veröffentlichung fiel Jahre vor dem heutigen Vinyl-Boom auf den Tiefpunkt des weltweiten Schallplattenmarkts. Aufgrund eines Mangels an entsprechendem Rohstoff stellte die Pressung auf grünem Phosphor-Vinyl (Glow in the Dark) zu dieser Zeit eine Ausnahme dar und wurde unter anderem in einem Beitrag über Schallplattenliebhaber im Magazin N24 Wissen gezeigt.N24 Wissen: Beitrag über Schallplattenliebhaber. N24, Deutschland, Ausstrahlung 2004. Weitere Aufnahmen folgten, aufgrund mangelnder klanglicher Qualität und Umbesetzungen wurden diese verworfen, wurden aber auf diversen Alben als Bonustracks veröffentlicht. Dies führte dazu, dass die Band ein eigenes Tonstudio einrichtete und das Album selbst aufnahm und produzierte. Im Jahr 2007 begannen die Aufnahmen, die für die erste offizielle Veröffentlichung im Jahr 2008 verwendet wurden. Gastmusiker Ufo Walter spielte den Bass und das spätere feste Vibravoid-Mitglied Dario Treese spielte Orgel auf Incense And Peppermints. Infolge interner Differenzen folgten jahrelange Gerichtsprozesse, die zu einer teilweisen Neuaufnahme des Materials führten. Einige Alben der Erstauflage mussten per Gerichtsbeschluss mit einem Aufkleber gekennzeichnet werden. Diese ersten Aufnahmen wurden seither nicht neu veröffentlicht.Vgl. Liner Notes und Editions-Details der The Politics Of Ecstasy Deluxe Edition (Stoned Karma Records / Cargo Records, 2013).
Konzept und Inhalt Die konzeptionelle Ausrichtung des Albums bezieht sich auf das gleichnamige Werk von Dr. Timothy Leary The Politics of Ecstasy. Titel wie Doris Delay sind ein Verweis auf den gleichnamigen Charakter in Tom Wolfes The Electric Kool-Aid Acid Test. Auch die Coverversionen wie Incense and Peppermints von Strawberry Alarm Clock und Oscillations von Silver Apples stellen einen direkten Bezug zur Hippie-Gegenkultur dar. Die 2009 auf YouTube veröffentlichte Interpretation von Incense and Peppermints gehörte zu den frühesten dauerhaft verfügbaren Musikvideos zu diesem Lied auf der Plattform und erreichte über eine Million Aufrufe. Das über zwanzigminütige Stück Your Mind Is At Ease enthält eine längere abstrakte Klangpassage, die aus verfremdeten Zitaten verschiedener Spielfilme der 1960er Jahre wie Psych-Out besteht. Der Titel Playing With Beuys verweist auf den Künstler Joseph Beuys und steht im Kontext des von Vibravoid begründeten Neo-Kraut Rock.
Veröffentlichungen und Editionen Das Album erschien ursprünglich über das Independent-Label Nasoni Records als CD mit zwei zusätzlichen Bonustracks sowie als Vinyl-Schallplatte. Die LP-Fassung wurde in einer Gesamtauflage von 500 Exemplaren gepresst, aufgeteilt in 400 Stück auf schwarzem Vinyl und 100 Stück auf phosphoriszierendem Vinyl. Im Jahr 2012 folgte eine Neuauflage über das griechische Plattenlabel Anazitisi Records, die in sechs verschiedenen Vinyl-Farben und einer Gesamtauflage von 2000 Exemplaren erschien. Diese Edition enthielt die Lieder der B-Seite der Single Doris Delay als Bonustracks. Im Jahr 2013 veröffentlichte das Label Stoned Karma Records eine erweiterte Ausgabe als Doppel-CD mit einer zusätzlichen DVD. Diese Version umfasst 15 Audio-Bonustracks, u. a. das komplette Album Phasenvoid, Live-Videos sowie eine alternative Videoversion des Stücks Your Mind Is At Ease. Zum zehnjährigen Jubiläums des Albums erschien im Jahr 2018 eine LP Jubiläums-Edition, deren erste 200 Exemplare mit einer rotierenden Flüssig-Öllampe (Rotating Liquid Oil Lamp) ausgestattet waren.
Rezeption Claus Wittwer bezeichnete Vibravoid im Ox-Fanzine als die „immer noch ausschlaggebendste deutsche Psychedelic-Band“ und wertete das Werk als „durchweg ein Hammeralbum“. Das It’s Psychedelic Baby Magazine bezeichnete die Veröffentlichung als „Meisterwerk“. Rebekka Mruck würdigte in Melodie & Rhythmus die „gelungenen Coverversionen“ sowie die Live-Tracks, die den Status der Band in der europäischen Underground-Szene untermauern. Zudem hob sie die „hervorragende Klangqualität“ durch das analoge Vintage-Equipment hervor. O. Z. Badin lobte im französischen Magazin New Noise die großzügige Ausstattung der Wiederveröffentlichung, das historische Bonusmaterial der Phasenvoid-Ära sowie die über 30-minütige Neuaufnahme des Can-Klassikers Mother Sky. Das Musikmagazin Piranha konstatierte 2018, das Album sei in Kennerkreisen zum Klassiker avanciert. Rich Deakin attestierte dem Werk im britischen Magazin Shindig! lysergische Schwingungen und extreme elektronische Experimente, wobei er die Interpretation von Mother Sky als Space-Rock-Meisterwerk bezeichnete. Jan Schwarzkamp beschrieb das ehemals halbverschollene Album im Magazin Visions als umfassende Materialsammlung an der Schnittstelle zwischen 1960er-Psychedelik, Fuzzrock und kosmischer Musik, die sowohl Popformate als auch ausgiebige Freakouts beherrsche. Alfred Crespo zog im spanischen Musikmagazin Ruta 66 historische Parallelen zur Musikszene aus Düsseldorf und dem Krautrock, um den musikalischen Stil des Albums einzuordnen und zog in seiner Besprechung Vergleiche zur Musik von Florian Fricke. Claudio Sorge verwies im italienischen Musikmagazin Rumore auf Timothy Learys Motto „Turn On, Tune In, Drop Out“ und den Freak-Out-Ansatz der psychedelischen Musik der 1960er Jahre, an den Vibravoid mit dem Album ihrerseits anknüpfen.
Titelliste The Politics Of Ecstasy – 4:41 Doris Delay – 4:13 Incense And Peppermints – 2:30 Playing With Beuys – 4:00 Oscillations – 2:38 Your Mind Is At Ease – 22:31
Einzelnachweise Claus Wittwer: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy. In: Ox-Fanzine. Ausgabe #108, Juni/Juli 2013, abgerufen am 14. August 2026. Klemen Breznikar: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy (2012) review. In: It’s Psychedelic Baby Magazine. 17. Januar 2013, abgerufen am 14. August 2026. Rebekka Mruck: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy. In: Melodie & Rhythmus. Ausgabe April 2013. O. Z. Badin: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy / Delirio Dei Sensi. In: New Noise. Ausgabe Nr. 15, April/Mai 2013, S. 79. Vibravoid – Verlosung: Es werde Lichtkunst. In: Piranha Magazine. Ausgabe November 2018. Rich Deakin: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy: Deluxe Edition. In: Shindig!. Jan Schwarzkamp: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy. In: Visions. Ausgabe Nr. 239, Februar 2013. Vibravoid – The Politics Of Ecstasy / Delirio Dei Sensi. In: Ruta 66. Ausgabe Juni 2013. Claudio Sorge: Vibravoid – The Politics Of Ecstasy / Delirio Dei Sensi. In: Rumore. Ausgabe Juni 2013.
Kategorie:Album 2008 Kategorie:Album (Psychedelic Rock) Kategorie:Album (Krautrock) Kategorie:Pop Art Kategorie:Vibravoid-Album