Georg Gustav Wegener (geboren 8. November 1895 in Dungelbeck; gestorben ?)https://ediss.sub.uni-hamburg.de/bitstream/ediss/1888/1/Dissertation_Maibaum.pdf war ein Ingenieur und Journalist. In der Zeit des Nationalsozialismus war er ein prominenter Vertreter der These, die „Gesundheit des deutschen Volkes“ durch Methoden der Naturheilkunde sicherzustellen.Wegener war nach aktueller Definition ein Ökofaschist.
Leben Georg Gustav Wegener trat 1931 in die NSDAP und 1938 in die SS ein. 1938 war er „Sachbearbeiter für Heilpflanzen“, Hauptstellenleiter am Hauptamt für Volksgesundheit, Mitglied im Sachverständigenbeirat für Volksgesundheit und Leiter der Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung. Zudem fungierte er als Schriftleiter in zwei Zeitschriften, nämlich Natur und Gesundheit und Die Deutsche Heilpflanze. Im Juli 1939 wurde er zum SS-Hauptsturmführer befördert.Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. ISBN 978-3-525-31169-1. S. 105 ff
Für Wegener hatten die Heilpflanzen neben der gesundheitlichen Funktion auch eine wehrpolitische. Statt weiterhin Arzneien in großem Umfang zu importieren, plädierte er für eine deutsche Autarkie und vertrat die Ansicht, das Reich würde zur „Apotheke der Welt“ werden. Das Sammeln von Heilkräutern könnten sozial marginalisierte Bevölkerungsgruppen wie Arbeitslose oder Invaliden übernehmen.Wegener: Die Bedeutung des deutschen Heilpflanzenprojekts. In: Volksgesundheitswacht 3, Nr. 10, S. 3–6 (1935) Wegener wollte die nach seiner Rechnung 100 Millionen Reichsmark teuren Importe durch lokale Erzeugnisse abschaffen.
Wegener beauftragte im Herbst 1936 den Botaniker Rudolf Lucaß, in Alt Rehse größere Arzneipflanzenkulturen für Unterrichtszwecke anzulegen. Die Gartenanlage dort war ein Prestigeobjekt der nationalsozialistischen „Gesundheitsführung“.Rainer Stommer (Hrsg.): Medizin im Dienste der Rassenideologie. Die ›Führerschule der Deutschen Ärzteschaft‹ in Alt Rehse. Ch. Links Verlag, ISBN: 978-3-86153-9810 S. 83 ff
1937 bekam Wegener vom Reichsführer SS Heinrich Himmler den Auftrag, im SS-Hilfswerk Schleißheim einen „Lehrgarten“ einzurichten. Begleitend erschien 1938 Wegeners Handbuch der „Allgemeinen Heilpflanzenkunde“. Einer seiner Mitarbeiter war der Gärtner Paul Neumann. Wegener bat Himmler, den Heilpflanzenanbau durch den Einsatz von Zwangsarbeitern aus dem Konzentrationslager Dachau zu unterstützen. Zusammen mit Ernst Günther Schenck und Rudolf Lucaß plante Wegener den Anbau und die Erforschung von Heil- und Gewürzkräutern auf dem KZ-Gelände. Im Frühjahr 1938 begann die Verlagerung des Heil- und Gewürzpflanzengartens von Schleißheim ins benachbarte KZ Dachau. Östlich von den Baracken stand eine 20 Mal größere Fläche als in Schleißheim zur Verfügung. KZ-Häftlinge mussten einen Teil des Dachauer Moos trockenlegen.
1940 schrieb Wegener:„Noch zeigt der Studienplan des Medizinstudenten keinen Raum für die Heilpfanzenkunde, wenn nicht in der Pharmakologie oder inneren Medizin einsichtige und kundige Vertreter bereit sind, einen Überblick zu geben oder Sondervorlesungen abgehalten werden.“Schenck, Lucass, Wegener: Allgemeine Heilpflanzenkunde. Grundlagen der rationellen Gewinnung, Verarbeitung, Anwendung und Erforschung der Heil- und Gewürzpflanzen. S. 3501941 wurde er Versuchsleiter der Heilkräuterplantage in Dachau.
Anfang Juli 1941 entließ der Leiter des Hauptamtes für Volksgesundheit Leonardo Conti Wegener aus allen Ämtern. Er begründete dies mit zahlreichen Verstößen Wegeners, vor allem gefälschten Gehaltszahlungen, zu hoch abgerechneten Spesen und die Annahme von Geschenken. Außerdem, so Conti, habe Wegener Verhältnisse mit weiblichen Arbeitskräften geführt, die sich negativ auf die Arbeitsmoral ausgewirkt hätten. Anfang November 1941 verlor Wegener offiziell seinen Posten bei der Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung DVA und der SS. Wenig später schrieb der Angestellte der Heilkräuteranlage in Dachau Otto Bäcker,Otto Bäcker war Mediziner. Er hatte 1937 bei Schenck promoviert. Sein Thema: Der Heilpflanzengarten der Führerschule der deutschen Ärtzeschaft in Alt-Rehse. dass er „von Wegener nichts mehr“ gehört hätte. „Soviel ich weiß ist er nicht mehr in München.“Sudrow, Heil Kräuter Kulturen, S. 439 ff
Sein weiterer Verbleib ist unbekannt.
Einzelnachweise
Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Person (Public Health) Kategorie:Naturheilkundler Kategorie:Personal im KZ Dachau Kategorie:Geboren 1895 Kategorie:Gestorben im 20. oder 21. Jahrhundert Kategorie:Mann