mini|Luftaufnahme des Brandes, von Düren-Derichsweiler aus aufgenommen Der Waldbrand im Hürtgenwald 2026 war der größte Waldbrand im Land Nordrhein-Westfalen seit Beginn der amtlichen Datenerfassung 1991. Er brach am 13. August 2026 im Hürtgenwald im Kreis Düren aus und dehnte sich auf etwa 300 bis 400 Hektar aus. Aufgrund der Gefahr für die Bevölkerung wurden in der Nacht auf den 14. August die etwa 1800 Einwohner des Ortsteils Gey in der Gemeinde Hürtgenwald evakuiert. Die Löscharbeiten waren am 21. August beendet.
An der Brandbekämpfung waren neben hunderten Einsatzkräften der Feuerwehr auch Hubschrauber der Bundeswehr, der Landes- und Bundespolizei, Bergepanzer der Bundeswehr, das Technische Hilfswerk, der Landesbetrieb Wald und Holz NRW, die Experten von @fire sowie weitere Hilfsorganisationen und Landwirte beteiligt. In der Spitze befanden sich rund 1800 Kräfte im Einsatz, am Nachmittag des 17. August war ihre Anzahl auf etwa 400 gesunken. Zeitweise waren auch vier Bergepanzer und zehn Hubschrauber im Einsatz.
Verlauf
13. August: Ausbruch der Brände Zunächst war am 13. August ein Feuer zwischen Großhau und der Wehebachtalsperre ausgebrochen, das gegen 16 Uhr unter Kontrolle gebracht werden konnte. Anschließend brach ein weiteres Feuer in der Nähe der Bundesstraße 399 bei Gey aus, die Ursache dafür ist unklar. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 25 Hektar Wald betroffen, weshalb die Gemeinde Hürtgenwald die Großschadenslage ausrief. Landrat Ralf Nolten, Kreisbrandmeister Karlheinz Eismar sowie Bürgermeister Stephan Cranen waren seit der Nacht vor Ort und der Kreis Düren berief einen Krisenstab ein. mini|Zwei Löschhubschrauber während der Löscharbeiten Bereits am Nachmittag hatte der Kreis Düren um Unterstützung durch das EU-Waldbrandmodul GFFF-V DE1 (; deutsch ‚Bodengebundene Vegetationsbrandbekämpfung unter Einbeziehung von Löschfahrzeugen, Deutsches Modul 1') gebeten. Die Einheit kam damit erstmals seit ihrer Etablierung im Jahr 2019 im Inland zum Einsatz, eigentlich ist sie für Auslandseinsätze konzipiert. Führungskräfte der Feuerwehr Bonn trafen bereits nachmittags bei der Einsatzleitung ein. Die Einheit rückte mit zwölf Fahrzeugen und 32 Einsatzkräften der Feuerwehren Bonn, Königswinter, Düsseldorf und Leverkusen an. Die Spezialkräfte des Moduls spürten bis in die Nacht Glutnester auf und löschten sie. Noch am Abend traf ein Polizeihubschrauber der Polizeifliegerstaffel Nordrhein-Westfalen an der Einsatzstelle ein und unterstützte die Brandbekämpfung mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter für Hubschrauber ().
14. August: Evakuierung von Gey mini|Verband von Einsatzfahrzeugen im Rahmen der überörtlichen Hilfeleistung auf Anfahrt durch Düren-Birgel Die Löscharbeiten waren durch im Waldgebiet verbliebene Kampfmittel aus der Schlacht im Hürtgenwald im Zweiten Weltkrieg erschwert. In der Nacht zum 14. August explodierte nach Angaben des Landrats Munition auf der Brandfläche. Wegen der Gefährdung konnten Einsatzkräfte Teile des Gebietes nicht zu Fuß betreten.
Die Bundeswehr war am 14. August im Rahmen der Amtshilfe mit zwei Bergepanzer 2 der Technischen Schule des Heeres aus Aachen am Boden im Einsatz. Die Fahrzeuge, die eigentlich zum Bergen liegengebliebener oder beschädigter Militärfahrzeuge dienen, wurden mit Schwerlasttransportern ins Einsatzgebiet gebracht und schlugen Schneisen in den Wald, um dem Feuer Brennmaterial zu entziehen.
Gegen 4 Uhr wurde entschieden, die etwa 1800 Einwohner aus Gey zu evakuieren. Sie wurden zunächst in eine Grundschule in den Nachbarort Straß sowie ein Sportheim evakuiert, später jedoch aufgrund der Lage in eine Förderschule in Düren gebracht.
Am Morgen wurde die Luftunterstützung verstärkt. Gegen 9:20 Uhr kündigte der Kreis Düren an, dass zwei weitere Hubschrauber der Bundeswehr sowie ein weiterer des Landes auf dem Weg zum Einsatzgebiet seien; das Löschwasser wurde unter anderem aus einem großen Becken und umliegenden Talsperren aufgenommen. Dabei handelte es sich um zwei Hubschrauber vom Typ NH-90 des Transporthubschrauberregimentes 10 aus Faßberg, die an diesem ersten Einsatztag in rund 32 Umläufen etwa 57.000 Liter Löschwasser über dem Brandgebiet abwarfen.
Bereits am frühen Morgen traf die 3. Bereitschaft der Bezirksreserve Köln (Rhein-Erft-Kreis, Stadt Köln) mit rund 130 Feuerwehrleuten und 30 Fahrzeugen ein, um bei der Brandbekämpfung im Bereich der bedrohten Ortschaften Gey und Kleinhau zu unterstützen. Im Laufe des Tages folgten weitere Bereitschaften aus den Regierungsbezirken Köln, Düsseldorf und Münster. Ein Wasserförderzug aus Bergisch Gladbach (Rheinisch-Bergischer Kreis) brachte das Hytrans Fire System (HFS) in Stellung, um kilometerlange Schlauchleitungen zur Löschwasserversorgung zu verlegen. Die Bereitschaftspolizei NRW entsandte zudem vier Wasserwerfer ins Einsatzgebiet.
Die Hilfsorganisation @fire unterstützte die Löscharbeiten vor Ort mit Löschmannschaften und Fachberatern. Zur Sicherung der Ortschaft Gey wurden mehrere Vorfeuer gelegt und Wundstreifen von Hand durch schwieriges Gelände angelegt. Landwirtinnen und Landwirte der Region unterstützten mit ihren Traktoren nicht nur den Wassertransport im Pendelverkehr, sondern nutzten Pflüge und Grubber, um trockene Ackerflächen rund um Gey umzupflügen und dadurch zusätzliche Brandschutzstreifen zu schaffen.
Am Abend trafen mit insgesamt 46 Einsatzfahrzeugen weitere 200 Einsatzkräfte unter anderem aus Leverkusen, dem Rheinisch-Bergischen und dem Oberbergischen Kreis ein.
Im Verlauf des Einsatzes wurden fünf Menschen verletzt, darunter vier Einsatzkräfte.
15. August: Rückkehr der Bewohner nach Gey Die Amtshilfe durch die Bundeswehr wurde an diesem Tag weiter aufgestockt. Am Boden standen morgens insgesamt vier Bergepanzer zur Verfügung, nachdem zu den beiden Panzern aus Aachen zwei Bergepanzer 3 Büffel des Versorgungsbataillons 7 aus Unna hinzukamen. Aus der Luft verstärkten zwei Sikorsky CH-53 des Hubschraubergeschwaders 64 aus Holzdorf die beiden bereits im Einsatz befindlichen NH-90. Die CH-53 konnten mit ihrem Außenlastbehälter jeweils bis zu 5000 Liter Löschwasser transportieren. In der Spitze waren rund 50 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz.
Am frühen Abend des 15. August war der Brand so weit unter Kontrolle, dass die evakuierten Einwohner in ihre Häuser zurückkehren durften. Bis zu 1800 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen. Problematisch waren hierbei Glutnester, die im Untergrund deutlich größer waren, als sie an der Erdoberfläche erschienen. Ihre Löschung zog sich noch hin.
17. bis 21. August: Ende der Löscharbeiten Offene Flammen gab es bereits seit dem 17. August nicht mehr, die Löscharbeiten konzentrierten sich fortan auf das Aufspüren und Ablöschen von Glutnestern. Da keine Hubschrauber mehr im Einsatz waren, übernahmen mit Wärmebildkameras ausgestattete Drohnen die Überwachung der Brandfläche. Die Einsatzkräfte rückten vor allem in Trupps zu Fuß aus. Man hoffte zu diesem Zeitpunkt, den Brand bis Donnerstag, den 20. August, vollständig gelöscht zu haben.
Ab dem 18. August 2026 lag die Verantwortung für die Brandbekämpfung wieder bei der Gemeinde Hürtgenwald. Des Weiteren bekämpften Einsatzkräfte der Feuerwehr, Mitarbeiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, sowie der Kampfmittelräumdienst die Glutnester. Der Landesbetrieb nutzte dazu den seit Juli 2026 beim Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde in Dienst gestellten Fire Fighter. Dabei handelt es sich um ein modulares, fernsteuerbares Forstfahrzeug, das mit einem Wasserwerfer und einem Tankvolumen von 10.000 Litern ausgestattet ist.
Am 21. August 2026 wurde der Abschluss der Löscharbeiten bekannt gegeben.
22. August: Besuch des Bundeskanzlers Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte am 22. August 2026 Hürtgenwald. Zuvor war Merz dafür kritisiert worden, das Brandgebiet erst so spät zu besuchen. Der Ministerpräsident Hendrik Wüst war eine Woche vorher dort. Als Merz den Einsatzkräften dankte, gab es Pfiffe und Buhrufe. Merz äußerte sich auch zum Klimawandel: „Ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist. Das ist der Klimawandel. Wir werden alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen, aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben.“
Ermittlungen der Polizei Die Polizei Düren ermittelt wegen des Verdachtes der Brandstiftung und hat Sachverständige hinzugezogen. Bis zum 27. August waren etwa 220 Hinweise zu einer möglichen Brandursache eingegangen.
Siehe auch Dürre und Hitze in Europa 2026 Brand im Hohen Venn 2026
Weblinks
Einzelnachweise
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