Die Bovadium-Fragmente (von Tolkien auch als Das Ende von Bovadium [Original The End of Bovadium] betitelt) ist eine um 1960 entstandene satirische Erzählung von J. R. R. Tolkien.Christina Scull und Wayne G. Hammond: The J. R. R. Tolkien Companion and Guide, Part I: Chronology. Überarbeitete und erweiterte Ausgabe, HarperCollins, London 2017, S. 593. Sie handelt von der Zerstörung Bovadiums durch die Motores, die von einem unweit der Stadt im Geheimen arbeitenden Daemon erschaffen wurden und die Einwohner nach und nach versklaven und schließlich mit ihren Abgasen ersticken.
Unter dem Titel Die Bovadium-Fragmente: Zusammen mit Die Ursprünge von Bovadium (englischer Originaltitel: The Bovadium Fragments: together with The Origin of Bovadium) erschien die Geschichte in einem postum veröffentlichten Buch von J. R. R. Tolkien, das postum von Christopher Tolkien herausgegeben wurde.
Am 9. Oktober 2025 erschien das englische Original in Großbritannien. Die deutsche Übersetzung von Helmut W. Pesch erschien am 14. Februar 2026 bei Klett-Cotta. Neben den Bovadium-Fragmenten enthält das Buch den Essay „Die Ursprünge von Bovadium“ (im Original „The Origin of Bovadium“) von Richard Ovenden und ergänzend dazu Illustrationen von Tolkien sowie zeitgenössische Fotos und Pläne.
Es handelt sich um das letzte Werk seines Vaters, das Christopher Tolkien bearbeitet, kommentiert und herausgegeben hat.
Kapitelübersicht Englische Originalausgabe Deutsche Ausgabe Note to Readers Publisher’s Note by Chris Smith Preface by Christopher Tolkien The Bovadium Fragments Foreword by Doctor Sarevelk Fragment I Fragment II Fragment III Postscript by the Editor Other Texts of Fragment II The Origin of Bovadium by Richard Ovenden Acknowledgments Endnotes [Die Note to Readers fehlt in der deutschen Ausgabe.] Vorwort von Chris Smith Einleitung von Christopher Tolkien Die Bovadium Fragmente Vorwort von Doktor Sarevelk Fragment I Fragment II Fragment III Postscriptum des Herausgebers Weitere Texte aus Fragment II Die Ursprünge von Bovadium von Richard Ovenden Danksagung Quellenverzeichnis
Inhalt Überblick Zunächst führen ein Vorwort von Chris Smith sowie eine Einleitung von Christopher Tolkien in die Bovadium-Fragmente ein. Christopher Tolkien kommentiert sämtliche im Werk vorkommende Texte seines Vaters.
Es folgen ein fiktives Vorwort, in dem mehrere Wissenschaftler über eine archäologische Entdeckung berichten, sowie die Texte der Fragmente I bis III. Fragment I ist in Latein und Prosa verfasst, enthält aber eingestreute Gedichte. Fragment II ist in Englisch verfasst und enthält einen durchgängigen Erzähltext mit der Übersetzung von Fragment I am Anfang. Fragment III ist wieder in Latein und Englisch angefertigt und enthält einen lateinischen Gesang mit Übersetzung sowie eine „Legende“.J. R. R. Tolkien; Christopher Tolkien (Hrsg.): Die Bovadium-Fragmente. Übersetzt von Helmut W. Pesch. Fragment III. Klett-Cotta, Stuttgart 2026, S. 61. ISBN 978-3-608-96723-4. Das Postscriptum des Herausgebers enthält eine Bemerkung von Dr. Gums. Es folgen weitere Texte aus Fragment II, die in Latein verfasst sind und von Christopher Tolkien kommentiert werden. Den lateinischen Originaltexten der Fragmente I bis III sowie den weiteren Texten aus Fragment II folgt jeweils eine Übersetzung ins Englische.
Anschließend beschreibt Richard Ovenden in seinem Essay „Die Ursprünge von Bovadium“ den Übergang Oxfords in die Industrialisierung, Lord Nuffields Automobilproduktion und die Straßenbaupläne von Dale und Sharp, die Kontroversen entfachten. Abschließend folgen die Danksagung Richard Ovendens und ein Quellenverzeichnis.
Vorwort und Einleitung Chris Smith, Tolkien-Lektor bei HarperCollins, gibt in seinem Vorwort einen kurzen Überblick über das vorliegende Buch. Christopher Tolkien konzentriert sich in seiner Einleitung zu Anfang insbesondere auf den Grund für die Zurückhaltung, die Bovadium-Fragmente zu veröffentlichen. Tolkien hatte nicht erwogen, das Werk jemals zu veröffentlichen und wurde von Clyde S. Kilby in seinem Entschluss bestätigt, dem er es 1968 zu lesen gab. Kilby sah zwei Probleme hinsichtlich der Veröffentlichung: Zum einen die Verwendung des Lateinischen, die den Zugang zur Lektüre selbst für Menschen mit einer „beachtliche[n] Bildung“J. R. R. Tolkien; Christopher Tolkien (Hrsg.): Die Bovadium-Fragmente. Übersetzt von Helmut W. Pesch. Einleitung. Klett-Cotta, Stuttgart 2026, S. 15. erschwere, und die Tatsache, dass das Auto aus dem Alltag der Menschen nicht mehr wegzudenken war. Er geht auch auf die wohl erste Inspirationsquelle für die Bovadium-Fragmente, das Gedicht Motor Bus von A. D. Godley, geschrieben im Januar 1914, ein, das Tolkien im April 1957 bekannt wurde. Es folgen eine Erläuterung des Inhalts dieses Gedichtes und eine Einordnung der lateinischen Wörter.
Die Bovadium-Fragmente Einleitende Worte von Dr. Sarevelk und Dr. Gums Vorwort von Doktor Sarevelk Dr. Sarevelk gibt in seinem Vorwort Informationen über die Beziehungen zwischen zwei Volksgruppen (genannt Volk A und B) in Vasti, einer „prähistorischen Stätte inmitten der Sümpfe an der Grenze zur Südregion“J. R. R. Tolkien; Christopher Tolkien (Hrsg.): Die Bovadium-Fragmente. Übersetzt von Helmut W. Pesch. Klett-Cotta, Stuttgart 2026, S. 25. und vergleicht ihre Sprache und Kultur miteinander. Die Sprache A war die der Ureinwohner, die in befestigten Steinfestungen lebten. Die Sprache B war die eines aus dem Norden eingewanderten Volkes von einem höheren kulturellen Entwicklungsstand. Mit der Zeit vermischten sich beide Volksgruppen, und die Sprache A war im befestigten Zentrum fast vollständig von der Sprache B verdrängt worden. Sarevelk geht nun näher auf die Unterschiede zwischen den Artefakten der Ausgrabungen, die der Sprache A bzw. B zugeordnet werden können, ein (A ist primitiver; B ist von höherem kulturellen Wert). Da die Deutung der Artefakte der Sprache B einfacher war, denn es lag mehr Material vor, begann die Wissenschaft vor 35 Jahren mit der Erforschung dieser Artefakte, angeführt von Rotzopny und Dwarf. Rotzopny stellte die These auf, dass die Schrift der Sprache B mit der unsrigen verwandt sei, die sich bestätigte. Die Vastianer schrieben das lateinische Alphabet – allerdings schrieben sie rückwärts und von rechts nach links, wie vermutet wird. Weiterhin wird auf den Zusammenhang unterschiedlicher Stile der Schrift der Vastianer eingegangen (epigraphische, kursive und formale Schrift), die jeweils kurz beschrieben werden. Sarevelk schreibt des Weiteren, dass die „Rotzopny-Dwarf-Methode“ bei Sprache A nicht funktioniert und dass es wenige erhaltene zweisprachige Texte gibt, die Aufschluss über das Schriftsystem der Sprache A geben könnten, da die Schriften von Volk A aufgrund ihrer Unterlegenheit zu den Schriften des Volkes B von Volk B nicht gelesen wurden. Im Laufe der Zeit übernahm Volk A die Schrift des Volkes B und überließ die archaischen Texte, die in ihrem eigentlichen Schriftsystem verfasst waren, den Altertumsforschern. Laut Dr. Sarevelk sind die Bovadium-Fragmente von „außergewöhnlichem sprachlichen Interesse“; ihr Inhalt sei belanglos, sie enthielten aber, wie Dr. Gums unterstreicht, zwei zweisprachige Passagen, von denen eine besonders umfangreich ist. Beide würden derzeit untersucht, heißt es weiter.
Es folgt eine weitere, etwas kürzere unbetitelte Vorrede, die von Dr. Gums verfasst wurde.
Vorrede von Dr. Gums Dr. Gums, dem aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse der vastianischen Sprache B die Artefakte anvertraut wurden, war auch derjenige, der sie mit dem Titel Die Bovadium-Fragmente versah. Er beschreibt den Aufbau der Bovadium-Fragmente, der sich aufgrund ihres Inhalts in drei Teile gliedert. Fragment I scheint das erste (bekannte) Blatt einer Chronik des Volkes A zu sein, das im Fragment II in die Sprache B übersetzt und möglicherweise erweitert wurde. Fragment II und III enthalten Eigennamen der Sprache A, die durch Unterstreichungen als Fremdelemente gekennzeichnet sind. Fragment III enthält zwei Gesänge, einen in Sprache A und einen in Sprache B, wobei der zweite vermutlich eine Version (oder ParaphraseEine Paraphrase ist eine „Umschreibung eines sprachlichen Ausdrucks mit anderen Wörtern oder Ausdrücken“.) des ersten ist. Nun bezieht sich Dr. Gums auf Dr. Sarevelk, indem er dessen Ansicht, dass dieses Material ein „besonderes Interesse [...] für Sprachwissenschaftler hat“, untermauert. Die Sprache A war laut Gums noch so weit bekannt, dass eine Teilübersetzung der Verse des „für seinen ‚Witz‘ bekannten“ Pius’, die in der A-Sprache verfasst waren, angefertigt werden konnte. Sie dienten der Belustigung des A-Volks, das nun Hilfe bei der Interpretation von Ausdrücken in der archaischen Sprache benötigte.
In einer Fußnote weist Gums darauf hin, dass die archaische Sprache A Latein ist und nicht mehr Umgangssprache ist. Diese Sprache, ein „primitiver Überrest aus einer barbarischeren Zeit“ (S. 31), war auf die innere Festung oder „Akademie“ von Vasti beschränkt, während die Landbevölkerung bereits die Sprache B sprach, aus der „unsere eigene harmonische Umgangssprache“ hervorging. Gums’ jüngere Mitwissenschaftler schlugen ihm auch die seiner Meinung nach ungeeignete Übersetzung Volks- oder Vulgärsprache vor. Obwohl eindeutig belegt werden konnte, dass sich das Wort academia bzw. Akademie auf die innere Festung Vastis bezieht, behielt Gums das Wort in seiner Übersetzung bei.Hier wird Tolkiens Kritik am Umgang mit dem Lateinischen besonders deutlich. Während seines Lebens wandelte es sich von einer für Wissenschaft und Kirche bedeutenden Sprache (Fachsprache, katholische Liturgie) hin zu einer im Alltag bedeutungslosen Sprache. Tolkien war erbost darüber, dass die Messe nicht mehr in Latein verlesen wurde.J. R. R. Tolkien; Humphrey Carpenter (Hrsg.): J. R. R. Tolkien: Briefe. Brief 306: Aus einem Brief an Michael Tolkien, undatiert, geschrieben zwischen August 1967 und Oktober 1968.
Gums teilt mit, dass die Texte, die der Sprache A zuzuordnen sind, als Transkriptionen wiedergegeben werden. Die Umgangssprache B wurde übersetzt, der Herausgeber nahm sich jedoch die Freiheit, den „rauen und holprigen Stil“J. R. R. Tolkien; Christopher Tolkien (Hrsg.): Die Bovadium Fragmente. Vorwort von Dr. Sarevelk. Klett-Cotta, Stuttgart 2026, S. 31. zu überarbeiten. Der Herausgeber nimmt jegliche Kritik, die er potenziell von jüngeren Gelehrten dafür erhalten könnte, in Kauf. Gums möchte sich zum Inhalt der Bovadium-Fragmente im Gegensatz zu Dr. Sarevelk, der ihn „etwas voeilig“ abtat, erst äußern, wenn der Leser die Möglichkeit hat, sie selbst zu lesen.J. R. R. Tolkien; Christopher Tolkien (Hrsg.): Die Bovadium Fragmente. Vorwort von Dr. Sarevelk. Klett-Cotta, Stuttgart 2026.
Anmerkungen von Christopher Tolkien