Der Kriminalroman Wer Wind sät erschien 2011 als fünfter Band aus der Bodenstein-Kirchhoff-Reihe der deutschen Schriftstellerin Nele Neuhaus, deren Handlung im Vordertaunus in der Nähe von Frankfurt am Main spielt.
Handlung Die Handlungspole des Romans sind die Betreiber eines Windenergieunternehmens, das im Vordertaunus einen Windpark errichten möchte, und einige Personen aus einer Bürgerinitiative, die das Projekt zu verhindern sucht.
Ausgangspunkt der polizeilichen Ermittlungen ist der Tod eines Nachtwächters im Kelkheimer Sitz des Betriebs durch einen Treppensturz, den eine unbekannte Person danach vergeblich zu reanimieren versucht hatte. In den Verdacht geraten einige Mitglieder der Bürgerinitiative, dessen innerer Kern aus drei Frauen, einem Mann und einem Jugendlichen besteht.
Kurz darauf verstärkt ein weiterer Todesfall die Ermittlungsarbeit, die unter der Leitung von Kommissar von Bodenstein steht. Der Erschossene war ein Freund von Bodensteins Vater, beide Mitglieder dieser Bürgerinitiative, und war Eigentümer einer Wiese, die für den Bau des Windparks nötig war. Er wollte seine Wiese für den Windpark nicht verkaufen und hatte ein äußerst attraktives Kaufangebot des Unternehmens abgelehnt. Komplex wird der Fall durch die persönlichen Beziehungen der Bürgerinitiativ-Mitglieder untereinander und zu Personen des Unternehmens. Der faktische Leiter der Bürgerinitiative ist ein ehemaliger Mitarbeiter des Windunternehmens, der entlassen wurde. Besonders geheimnisvoll erscheint eine Frau, die inkognito ein kleines Geschäft betreibt; ihre wahre Identität wird aber durch Zufall aufgedeckt. Sie ist eine ehemalige Mitarbeiterin eines Klimaforschungsinstituts, deren Leiter für das Windparkprojekt aus gefälschten Daten ein Gefälligkeitsgutachten erstellt hatte.
Für Kommissar von Bodenstein wird der Fall persönlich prekär, als er erfährt, dass sein Vater von dem zweiten Opfer als Erbe der besagten Wiese eingesetzt wurde mit der Auflage, sie nicht zu verkaufen. Er erhält ebenfalls ein Kaufangebot, verbunden mit einer Drohansage für seine Familie. Bodensteins Dienststelle erfährt von der persönlichen Verwicklung und entzieht ihm mit einer Suspendierung die Ermittlungstätigkeit, die von Kommissarin Kirchhoff weitergeführt wird.
Im Weiteren werden die Sachverhalte von den verschiedenen Personen jeweils sehr unterschiedlich dargestellt, nicht nur den Ermittlern gegenüber, sondern auch untereinander. Ein umfangreiches Lügengespinst lässt die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge für den Leser verschwimmen.
Die Klimaforscherin wird schließlich des zweifachen Mordes beschuldigt, ergreift die Flucht, bei der sie zufällig an Bodenstein gerät, der ihr ihre Version der Geschichte glaubt und ihr behilflich ist.
Die dynamische Auseinandersetzung innerhalb der Bürgerinitiative führt schließlich zum Showdown mit einer bewaffneten Geiselnahme, bei der sich ein großer Teil der offenen Fragen klärt.
Rezensionen Dieter Wunderlich schreibt: „Wer gerne Krimis mit komplexem Handlungsgefüge liest und die Spannung genießt, die sich aus der geschickten Verteilung von Informationshäppchen ergibt, wird durch ‚Wer Wind sät‘ von Nele Neuhaus gut unterhalten.[…] Den Ermittlern Oliver Bodenstein und Pia Kirchhoff blicken wir nicht nur bei der Arbeit über die Schulter, sondern wir beobachten sie auch in ihrem Privatleben. Von ihnen erfahren wir mehr als von den anderen Figuren, die jeweils auf ein einziges Motiv reduziert sind und dadurch eindimensional bleiben. Neben der fragwürdigen Verschwörungstheorie, die „Wer Wind sät“ zugrunde liegt, sind auch einige andere Zusammenhänge nicht wirklich überzeugend. […] Die spannenden und unterhaltsamen Kriminalromane von Nele Neuhaus fesseln Leserinnen und Leser, weil deren Neugier durch geschickt verteilte Andeutungen und Informationshäppchen geweckt wird. Und wer sich im Main-Taunus-Kreis ein wenig auskennt, freut sich über die Ortsangaben. Die Komplexität wird inzwischen von der Kelkheimer Bestseller-Autorin souverän gemeistert. Sprachlich hat Nele Neuhaus sich allerdings nicht weiterentwickelt.“Nele Neuhaus: Wer Wind sät. www.dieterwunderlich.de, abgerufen am 12. August 2026.
Jürgen Priester meint: „‚Wer Wind sät, wird Sturm ernten‘ – dieser alttestamentarische Spruch lässt sich mit gutem Willen auf einige Personen der Geschichte beziehen, hat mit dem Windenergie-Thema nichts zu tun, denn das entpuppt sich schnell als Flaute. Dem übrigen vertrackten Plot ist ein guter Unterhaltungswert nicht abzusprechen, […] Nele Neuhaus bietet das, was von ihr erwartet wird und auf das sich ihr Erfolg begründet.“Nele Neuhaus: Wer Wind sät. www.krimi-couch.de, abgerufen am 12. August 2026.
Detlef Knut sagt: „Nele Neuhaus hat ein komplexes Gefüge aus Fäden, Hinweisen und Schwierigkeiten geschaffen, in dem Oliver von Bodenstein sich zu verirren scheint. Man muss ununterbrochen weiterlesen, ohne auch nur eine kurze Pause für Kaffee einzulegen. […] Nele Neuhaus’ Figuren in den Büchern sind sympatisch und echt. Jeder hat eine eigene turbulente Geschichte, […] Nele Neuhaus ist wie ein erfahrener Reiseführer, der die Leser auf eine spannende Entdeckungstour durch die malerischen Landschaften des Taunus führt, während sie gleichzeitig die düsteren Geheimnisse der Figuren enthüllt.“„Wer Wind sät“' von Nele Neuhaus. www.www.detlef-knut.de, abgerufen am 12. August 2026.
Verfilmungen Der Roman bildet die Vorlage für das Drehbuch des Fernsehkrimis Wer Wind sät aus der ZDF-Reihe Der Taunuskrimi, der im Jahr 2015 produziert wurde.
Textausgaben Nele Neuhaus: Wer Wind sät. UllsteinTaschenbuch, 17. Auflage, Berlin 2023 ISBN 978-3-548-28467-5
Weblinks Dieter Wunderlich: Rezension Jürgen Priester: Rezension Detlef Knut: Rezension
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Kriminalliteratur Kategorie:Thriller (Literatur) Kategorie:Roman, Epik