Mestdagh SA, auch als Groupe Mestdagh bekannt, war ein belgisches Handelsunternehmen, das im Lebensmitteleinzelhandel tätig war. Anfangs mit eigenen Filialen vertreten, wurde es später Franchisenehmer von Promodès und Carrefour, ehe das Unternehmen vollständig von Intermarché übernommen wurde.

Geschichte Unternehmensursprünge und Einstieg in das Supermarktgeschäft (1900–1979) mini|Logo der ehemaligen Supermarktkette Super M|links Die Ursprünge des Unternehmens lagen im Jahr 1900, als der Unternehmensgründer Germain Mestdagh Brügge verließ und ein Fischverarbeitungsgeschäft in Châtelineau übernommen hatte. Als gelernter Gärtner konnte er zusätzlich auf einem selbst gegründeten Morgenmarkt Obst und Gemüse verkaufen, der nach einiger Zeit nach Charleroi umzog. Sein Sohn Henri Mestdagh Sr gründete 1936 eine Kaffeerösterei, gemeinsam mit Henris Bruder Germain Sr. entstand die Mestdagh Freres SPRL, die 1941 in eine SA umgewandelt wurde. Inzwischen war diese Gesellschaft in Jumet ansässig. 1955 schlossen sich dem Unternehmen ein Netzwerk aus Händler und rund fünfzig kleinere Filialen Mestdagh an. Es wurden ein Umsatz von 116,818 Millionen belgischen Franken erwirtschaftet und 163 Mitarbeiter beschäftigt. Im selben Jahr wurde das Lager nach Couillet verlegt.

Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, eröffnete 1957 in Gilly der erste Selbstbedienungsladen des Unternehmens. 1961 bzw. 1962 stieg mit Henry Mestdagh und Germain Mestdagh Junior die dritte Generation der Familie in das Unternehmen ein. Ebenfalls 1962 konnte in Mont-sur-Marchienne der erste Supermarkt unter dem Namen Super M eröffnet werden. Der Umsatz des Unternehmens wuchs auf 260 Millionen belgische Franken, die Belegschaft auf 435 Mitarbeiter. Mit Jacques Mestdagh stieg 1967 ein weiteres Familienmitglied der dritten Generation in das Unternehmen ein. Im September 1971 zog Mestdagh nach Gosselies. Der Umsatz konnte inzwischen die Milliardenmarke knacken und betrug im selben Jahr 1,750 Milliarden belgische Franken. Es wurden 842 Mitarbeiter beschäftigt. Vier Jahre später wurde das Lager reorganisiert und seine Kapazität auf 4950 m² verdoppelt. Ein wichtiger Schritt erfolgte 1979, als alle kleineren, traditionellen Filialen aufgegeben und geschlossen wurden. Die Anzahl der Supermärkte belief sich auf 34, während der Umsatz bei 5,490 Milliarden belgische Franken lag. Die Belegschaft war auf 1.565 Menschen gewachsen.

Ausbau des Filialnetzes und Übernahme der Marke Champion (1980–1999) mini|Ein Champion-Supermarkt der Groupe Mestdagh in Hamoir, im April 2013 1981 konnten Erweiterungen der Vertriebszentren in Gosselies fertiggestellt werden. Der Umsatz belief sich auf rund 6,670 Milliarden belgische Franken, während 35 Supermärkte zum Unternehmen gehörten und 1.657 Mitarbeiter beschäftigt wurden. In den Folgejahren nahm der Umsatz, die Anzahl der Filialen und auch die Größe der Belegschaft stetig zu. So waren 1986 1.899 Menschen bei Mestdagh beschäftigt, während bis 1991 der Umsatz auf 11,4 Milliarden belgische Franken und das Filialnetz auf 45 Standorte wuchs. Am 16. Oktober 1991 eröffnete man in Tienen erstmalig eine Filiale in Flandern. Die 1993 ausgesprochene Idee von Pierre Battard, damaliger Geschäftsführer von Battard, seine Handelskette mit Mestdagh zu fusionieren, stieß bei Mestdagh selbst auf Ablehnung. Im selben Jahr begann Mestdagh mit dem Aufbau eines Franchisenetzwerks. So wurden Filialen von Franchisern in De Spy, Flawinne und Fosses-la-Ville neueröffnet und die bestehende Märkte in Courcelles, Dampremy, Morlanwelz, Saint-Vaast und Tamines an Franchiser abgegeben. Bereits 1994 bestanden elf Franchisefilialen, darunter in Landen auch die erste in Flandern. Der in Wavre befindliche Super M-Markt wurde umgebaut und im September 1994 als Mestdagh+ wiederöffnet. Der Marktanteil im selben Jahr belief sich auf 4,9 %, während die Gesamtverkaufsfläche 59.466 m² umfasste.

Im Juni 1995 erfolgte über die Logistiktochter Logidis der Einstieg des französischen Handelsunternehmen Promodès, das u. a. die Supermarktkette Champion betrieb. Zeitgleich beteiligte sich der Konzern mit 25 % am Kapital von Mestdagh. Die in Wavre befindliche Filiale wurde im Rahmen der Partnerschaft fortan zum Pilotmarkt für die Erprobung eines erweiterten Non-Food-Sortiment sowie die Einführung französischer Produkte. Nachdem man im April 1996 noch die Eröffnung von einem neuen Super M-Markt in Antwerpen-Merksem und damit die Erhöhung der Filialen in Flandern auf fünf feierte, begann man ab September 1996 mit der Umflaggung auf Champion. Als erste eröffneten am 3. September 1996 die Märkte in Jemeppe-sur-Sambre und Wavre als Champion, am 24. September 1996 folgte in Ghlin die erste Franchisefiliale. Zum 5. November 1996 wurden ehemalige Super M-Filialen in Braine-le-Comte, Jambes und Nivelles als Champion wiedereröffnet. In den folgenden Jahren wurden weitere Märkte auf Champion umgeflaggt, aber auch neue Märkte unter der Marke eröffnet. So wechselte ein Franchiser von AD Delhaize in Auvelais zu Mestdagh und eröffnete den Markt als Champion im Januar 1999 neu. Gleichermaßen verfuhr man im Hamne-Mille, wo im September 1999 eine neue Champion-Filiale eröffnet werden konnte. Auch im November 1999 konnte eine neue Franchisefiliale, dieses Mal in Sint-Truiden, eröffnet werden. Ab dem 2. Februar 1998 wurde auf Kartenzahlung bei Mestdagh keine Gebühr mehr erhoben, zuvor waren es pro Transaktion 5 belgische Franken. Der Marktanteil Mestdaghs belief sich 1998 auf 2,9 %. Durch die Beteiligung von Promodès am Konkurrent GB kam es im Februar 1999 zur Gründung der Einkaufsgemeinschaft Cabbac, der GB und Mestdagh angehörten. Mestdagh gehörte zuvor seit mindestens 1977 der Groupement Bloc an. Für 1999 konnte ein Umsatz von 15,862 Milliarden belgischen Franken gemeldet werden, bei einem Gewinn von 115 Millionen belgischen Franken.

Zusammenarbeit mit Carrefour, finanzielle Schwierigkeiten und Streiks (2000–2019) mini|Ein Carrefour-Supermarkt der Groupe Mestdagh in Namur, im Juli 2012|links Am 30. August 1999 wurde der Zusammenschluss von Carrefour und Promodès bekanntgegeben. Die Kartellbehörden genehmigten die Fusion am 25. Januar 2000. Im März 2000 bestanden 59 Filialen, davon waren 40 Champion- und die restlichen 19 Super M-Filialen. Von den 59 Standorten wurden 21 von Franchisern betrieben. Die Fläche einer Filiale lag zwischen 1.000 und 3.500 m². Während im Juni 2000 bereits in Andenne eine Filiale neueröffnete, konnte mit der Neueröffnung in Cerfontaine im Oktober 2000 die 60. Filiale gefeiert. 2002 zog sich Henry Mestdagh aus dem Unternehmen zurück und übergab die Leitung des Unternehmens an seine Söhne Eric und John Mestdagh (die 4. Generation der Familie), während sich sein Neffe Carl um die Immobilien kümmerte. Um seine Ergebnisse zu verbessern, begann Carrefour im Februar 2010 mit einer Umstrukturierung. So wurde u. a. die Rentabilität von Standorten geprüft und unrentable Standorte an Partner abgegeben oder geschlossen. Am 20. April 2010 Filialen stellte Mestdagh seine Pläne für die Übernahme von 19 Carrefour-Standorten vor, darunter drei SB-Warenhäuser. Ende Mai 2010 konnte mit den Gewerkschaften eine Einigung erzielt werden, die allerdings nur die 16 Supermärkte (zwölf GB- und vier Carrefour Market-Standorte) betraf, die drei SB-Warenhäuser verblieben bei Carrefour. Zum damaligen Zeitpunkt konnte man einen Umsatz von 435 Millionen Euro und einen Gewinn von 9 Millionen Euro vermelden. Man betrieb damals 69 Filialen, wobei sich 65 in Wallonien befanden. Es wurden 1.797 Mitarbeiter beschäftigt. Am 2. Juli 2010 wurden öffentlich, dass die Übernahme der 16 Carrefour-Märkte bis Ende 2010 erfolgen sollten. Gleichzeitig gab man die Aufgabe der Marke Champion zugunsten Carrefour-Vertriebslinien bekannt. Die Umflaggung sollte bis Ende 2013 abgeschlossen sein. 2010 hatte man einen Marktanteil von 3,6 % (gegenüber 2,6 % im Vorjahr). Mit den GB-Filialen in Jette und Bouge begann im Dezember 2011 die Umflaggung auf Carrefour. Offizieller Start der Umflaggung war im Januar 2012. Die ersten Filialen als Carrefour konnten im Juni 2012 eröffnet werden. Im Dezember 2012 gab man den Ausbau der Lagerkapazitäten im Lager in Gosselies von 32.000 m² auf 48.000 m² bekannt. Der Ausbau erfolgte, um die Belieferung der übernommenen Filialen gewährleisten zu können, die bis zum Abschluss der Erweiterungsarbeiten vom zentralen Carrefour-Lager erfolgte. Vor allem 2013 wurden die Franchise-Märkte auf Carrefour umgeflaggt. Die Umflaggung von Champion auf Carrefour Market konnte zum 17. September 2013 abgeschlossen werden. Zeitgleich ging eine neue Unternehmenswebsite online. Für 2015 wurde ein Nettoverlust von 5,4 Millionen Euro verzeichnet. Dieser konnte 2016 auf 3,3 Millionen Euro reduziert werden. Der Umsatz für 2016 lag bei 575,6 Millionen Euro. Das Filialnetz umfasste im März 2017 insgesamt 83, überwiegend in Wallonien befindlich. Einzelne Filialen befanden sich in Brüssel, drei (Aarschot, Sint-Truiden und Tienen) in Flandern. Von den 83 Standorten wurden 31 von Franchisern betrieben. Auch das Geschäftsjahr 2017 wurde, trotz eines Umsatzes von 700 Millionen Euro, mit einem Verlust beendet. Die Brüder Eric und John Mestdagh schieden Ende Februar 2018 aus dem operativen Tagesgeschäft aus, die Geschäftsführung zum 1. März 2018 übernahm Guillaume Beuscart. Die Brüder waren jedoch weiterhin Teil des Vorstands.

Um wieder Gewinne zu erzielen, wurde am 7. Mai 2018 auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das neben dem freiwilligen Abbau von 450 Stellen auch die Abschaffung der bezahlten Kaffeepause, Sonntagsöffnung aller Filialen sowie der flexiblere Einsatz der Mitarbeiter umfasste. Im Gegenzug wurde von Filialschließungen abgesehen. Nach der Bekanntgabe kam es zu Streiks in Filialen sowie im Logistikzentrum und der Hauptverwaltung. 20 Filialen der 53 Regiemärkte waren teils tagelang geschlossen. Anfang Juni 2018 kam es zu einer Anpassung des Maßnahmenpakets, das nun den Abbau von nur 340 Stellen vorsah, jedoch zeitgleich die Reduzierung der Arbeitszeit in den Filialen um 30 %. In Folge dessen kam es in vier Filialen wieder zu Streiks. Am 27. Juni 2018 wurde erneut gestreikt, mindestens 26 der 52 Regiemärkte blieben geschlossen. Hintergrund war erneut der geplante Abbau von Stellen, geplant waren zu diesem Zeitpunkt weiterhin 340 Stellen weniger. Die Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und den Gewerkschaften waren folgend ins Stocken geraten. So kam es ab dem 16. Oktober 2018 zu erneuten Streiks, dieses Mal waren fast alle Standorte des Unternehmens betroffen. Ein Schlichtungsgespräch fand am 22. Oktober 2018 statt, es kam allerdings vorerst nicht zu einer Einigung. Es waren weitere Streiks angekündigt. Wenige Tage später, am 26. Oktober 2018, konnte eine Einigung verkündet werden. Der Stellenabbau von 340 Stellen sollte vor allem durch Vorruhestände und freiwilligen Abgängen kompensiert werden. Die Regiemärkte waren ab dem 6. Januar 2019 auch sonntags geöffnet. Hinzu kam die Investition von 21,2 Millionen Euro in die Modernisierung der Filialen. Weitere 8,8 Millionen Euro wurde in die Erneuerung der Technologie, u. a. das unternehmweite Ausrollen von ESL-Etiketten (ab 2019 in allen Filialen) und der Einbau von SB-Kassen. Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass das Unternehmen seit sechs Jahren keinen Gewinn erwirtschaften konnte. Da die Umsetzung des erarbeiteten Sozialplans andauerte und für Unmut sorgte, kam es im Oktober 2019 zu einem erneuten Streik, dieses Mal vor dem Lager. Beuscart schied im Januar 2020 als Geschäftsführer aus. Bis Anfang März 2020, als Fabienne Bryskère zur neuen Geschäftsführerin wurde, übernahm der CFO des Unternehmens, Emmanuel Coria, die Geschäftsführung.

Corona-Pandemie, weitere Streiks und Verkauf an Intermarché (2020–2024) mini|Intermarché-Logo mit Zusatz „by Mestdagh“, nach Übernahme der Filialen