mini|Jean Tiger: Porträt von Henri Testelin (1675). Schloss Versailles, Musée de l’Histoire de France Henri Testelin (* 1616 in Paris; † 17. April 1695 in Den Haag) war ein französischer Maler, Radierer und Kunstschriftsteller.

Leben Henri Testelin war der Sohn des Malers Gilles Testelin und der Enkel des Malers Pasquier Testelin. Sein älterer Bruder Louis Testelin war ebenfalls Maler. Er erhielt seine erste künstlerische Ausbildung bei seinem Vater und war anschließend Schüler von Simon Vouet. Gemeinsam mit seinem Bruder unterstützte er seinen engen Freund Charles Le Brun bei dessen Bestreben, eine von den Zünften unabhängige Akademie zu gründen. Im Januar 1648 wurde daraufhin die Académie royale de peinture et de sculpture ins Leben gerufen, deren Gründungsmitglied er war. 1650 folgte er seinem Bruder Louis als Sekretär der Akademie nach und hatte dieses Amt bis 1681 inne. 1656 wurde er zudem Professor der Institution.

Im Jahr 1653 schlug Henri Testelin vor, dass die Mitglieder der Akademie regelmäßig Vorlesungen (Conférences) zu kunsttheoretischen Themen halten sollten. Mit dem Amtsantritt des Ministers Jean-Baptiste Colbert als Vizeprotektor der Akademie im Jahr 1661 gewannen diese Vorschläge an Bedeutung und bildeten die theoretische Grundlage für die von Colbert angestrebte französische Staatskunst dieser Epoche. In seiner Funktion als Sekretär informierte Testelin Colbert über die Vorgänge in der Akademie. Da André Félibien, der offizielle Historiker der Akademie, lediglich eine Publikation vorweisen konnte, übernahm Testelin zunehmend auch diese Rolle.

In seinen eigenen Vorlesungen erläuterte Henri Testelin von ihm erarbeitete Tabellen, in denen er die wesentlichen Inhalte früherer Conférences zusammenfasste. Diese veröffentlichte er 1680 unter dem Titel Sentimens des plus habiles peintres sur la pratique de la peinture et sculpture (mit eigenen Illustrationen; eine lateinische Übersetzung erschien 1683, eine deutsche Übersetzung durch Joachim von Sandrart im Jahr 1692). mini|Henri Testelin: Colbert stellt Ludwig XIV. im Jahr 1667 die Mitglieder der Königlichen Akademie der Wissenschaften vor. Schloss Versailles Im Zuge der sich verschärfenden Religionspolitik Ludwigs XIV. wurde Testelin, der Protestant war, am 10. Oktober 1681 aller Ämter enthoben und aus der Akademie ausgeschlossen. Er verließ Frankreich und ging ins Exil in die Niederlande, wo er sich in Den Haag niederließ. Dort überarbeitete er seine Sentimens und ergänzte sie um sechs Diskurse zu den Themen Zeichnung, Proportion, Ausdruck, Komposition, Licht und Schatten sowie Farbe. Diese reflektieren die teils widersprüchlichen Positionen, die in den Conférences von 1667 bis 1679 formuliert wurden. Die erweiterte Fassung erschien in zwei Ausgaben: 1693 oder 1694 in Den Haag und 1696 in Paris. Im Jahr 1853 veröffentlichte der Kunsthistoriker Anatole de Montaiglon ein Manuskript zur frühen Geschichte der Académie royale, das ebenfalls Testelin zugeschrieben wird. Henri Testelin starb am 17. April 1695 in Den Haag.

Werk mini|Henri Testelin: Louis XIV. (1648). Schloss Versailles, Musée de l’Histoire de France Henri Testelins überliefertes malerisches Œuvre ist klein, umfasst jedoch mehrere bemerkenswerte Bildnisse, insbesondere von Ludwig XIV. Als Aufnahmestück für die Académie royale malte er 1648 zunächst das Bildnis Louis XIV dans la dixième année de son âge avec un manteau royal, wenig später ein weiteres Porträt des Königs im Kindesalter (beide im Musée national des châteaux de Versailles et de Trianon). Am 27. Februar 1666 erhielt Testelin den Auftrag für das großformatige, repräsentative Bildnis Louis XIV, protecteur de l’Académie nach einer Vorlage von Le Brun für den Großen Saal der Akademie. Das Gemälde wurde am 7. Januar 1668 präsentiert und aufgehängt und befindet sich heute in Versailles. Georges Guillet de Saint-George gab am 6. Oktober 1691 in einer Conférence eine detaillierte Beschreibung des Werks. Am selben Tag, an dem Testelin den Auftrag für das Königsporträt erhielt, erteilte ihm die Akademie auch den Auftrag für ein Bildnis ihres Schutzherrn, des Kanzlers Pierre Séguier (Pierre Séguier, chancelier de France, 1666–1668, Versailles).

Im Salon von 1673 stellte Testelin Bildnisse des Königspaares sowie das Werk Le temps arrachant les ailes à l’Amour aus. Für die königliche Gobelin-Manufaktur, in der er auch eine Wohnung erhielt, fertigte Henri Testelin mehrere Kartons für Tapisserien an. Dazu zählen ein Karton für die Serie L’histoire d’Alexandre (La Famille de Darius aux pieds d’Alexandre, nach Le Brun, um 1665) sowie Kartons für die Serie L’histoire du roi. Letztere feiern sowohl militärische Erfolge (Louis XIV. leitet die Belagerung von Dole, 14. Februar 1668, nach Le Brun und Adam Frans van der Meulen, 1672–1676) als auch zivilisatorische Errungenschaften des Königs (Gründung der Akademie der Wissenschaften und des Observatoriums, nach Le Brun, 1673–1681). Letzterer Entwurf wurde jedoch nicht als Tapisserie umgesetzt. Sämtliche der genannten Werke befinden sich in Versailles. Weitere Werke Testelins befinden sich in der Walters Art Gallery in Baltimore sowie in Marble House in Newport, Rhode Island.

Literatur

Eugène Haag, Émile Haag: La France protestante. Bd. IX, Paris 1859, S. 357–361. Anatole de Montaiglon (Hrsg.): Mémoires pour servir à l’histoire de l’Académie royale de peinture et de sculpture depuis 1648 jusqu’en 1664. 2 Bde., Paris, P. Jannet, 1853. Bernard Teyssèdre: Roger de Piles et les débats sur le coloris au siècle de Louis XIV. Paris, La Bibliothèque des arts, 1965. Jacques Thuillier: in: Art News Annual. 33, 1967, S. 29–37. Jacqueline Lichtenstein, Christian Michel (Hrsg.): Conférences de l’Académie royale de peinture et de sculpture. Les conférences au temps d’Henry Testelin, 1648–1681. Tome I, 2 Bde., Paris, École nationale supérieure des Beaux-Arts, 2006. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.

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Einzelnachweise

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