mini|Altes Krematorium (2015) Altes Krematorium ist die Bezeichnung für eine 1910 eingeweihte, ehemalige Feuerbestattungsanlage auf dem Friedhof III in der Heidestraße im heutigen Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt). Die Anlage wurde nach mehr als achtzig Betriebsjahren stillgelegt und steht seither leer. Das Gebäude ist unter der Erfassungsnummer 094 40188 000 000 000 000 als Baudenkmal in das Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt eingetragen.Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt: Denkmalverzeichnis, Erfassungsnummer 094 40188 000 000 000 000, Bauwerksname „Krematorium“, Heidestraße, Dessau-Roßlau.

Bau und Architektur Das Krematorium wurde am 18. Mai 1910 eingeweiht. Als Architekt zeichnete William Müller (1871–1913) verantwortlich, ein Schüler Alfred Messels und ehemaliger Mitarbeiter Ludwig Hoffmans. Müller hatte 1909/1910 nahezu zeitgleich auch das erste Berliner Krematorium auf dem Urnenfriedhof Gerichtstraße im Wedding errichtet, dessen Zentralbau ebenfalls über einem achteckigen Grundriss aufragt. Charakteristisch für Müllers Krematorienbauten ist die Suche nach einem würdevollen architektonischen Ausdruck für die damals noch neue und gesellschaftlich umstrittene Bauaufgabe der Feuerbestattung, die sich gegen kirchlichen Widerstand und Ängste der Bevölkerung durchsetzen musste.

Direkt hinter dem Krematorium wurde der erste Urnenfriedhof Dessaus angelegt, von dem noch heute Teile erhalten sind.

Betrieb und bauliche Veränderungen Nach der Einweihung wurden bis in die 1990er Jahre in Dessau über 100.000 Verstorbene eingeäschert. Mit steigenden Einäscherungszahlen erwies sich die um 1910 als modern geltende Anlage bald als zu klein. Bereits in den 1930er Jahren wurde deshalb ein rückwärtiger Anbau für Büroräume, einen Aufzug und Lagerflächen errichtet. Ein Teil der offenen Säulengänge beiderseits des Hauptbaus wurde vermauert und zu zusätzlichen Kühlräumen umgebaut. Für die Anlieferung der Verstorbenen mit Kraftfahrzeugen erhielt das Gebäude eine Laderampe, für das Personal stand ein eigenes Bad zur Verfügung. Im untersten Kellergeschoss wurde mittels einer Eismaschine Kühleis produziert, das sowohl zur Leichenkühlung diente als auch an Dritte verkauft wurde. Aus dieser Zeit hat sich unter anderem eine Schalttafel der Düsseldorfer Firma Freundlich aus Marmor mit vergoldeter Inschrift erhalten.

Nach der Stilllegung der historischen Anlage übernahm ein 1994 in Betrieb genommenes und 2000/2001 grundlegend umgebautes neues Krematorium auf dem Zentralfriedhof von Dessau-Roßlau die Aufgabe der Einäscherung für die Stadt.

Heutiger Zustand Das seit Jahrzehnten ungenutzte Gebäude steht als Baudenkmal unter dem Schutz des Denkmalschutzgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt. Seine langfristige Nutzung ist weiterhin nicht abschließend geklärt.

Literatur

Weblinks Friedhofswesen Dessau-Roßlau – Stadtpflege Dessau-Roßlau

Einzelnachweise

Kategorie:Krematorium Altes Krematorium Altes Krematorium Kategorie:Erbaut 1910